Freitag, 4. April 2025

GPT 6 Descabezado Grande

GPT 6 Descabezado Grande bzw. Condor Circuit


Mindblowing Maule



Der Condor Circuit ist im Vergleich zum GPT sogar im Lonely Planet erwähnt. Zwar fehlen ausführliche Informationen zu dieser Rundtour, aber eine Überraschung ist dies schon, denn vom Massentourismus ist die Region Maule in Chile definitiv nicht. Empfehlen würde ich diese Route dem typischen Backpacker allerdings nicht, denn in letzter Zeit hat sich der Planungsaufwand für diese Tour erheblich erhöht. Früher konnte man den Condor-Circuit unkompliziert als Route planen und musste sich neben dem üblichen Kram nur um den Eintritt ins Reseva National Altos de Lircay bzw. Parque National Radal Siete Tazas kümmern. Man hat die Möglichkeit beide Schutzgebiete in die Tour zu integrieren oder nur einen. Problematisch ist heutzutage das Highlight nahe des Descabezado Grande und den heißen Quellen, denn dies ist Privatgrund und gehört der Familie Galdames. Man benötigt ein Permit, was man vorher beantragen muss und im Rahmen dessen müssen 25.000 CLP pro Person überwiesen werden. Ohne Permit lässt einen die Conaf gar nicht rein. Die konkreten Informationen zum Prozedere finden sich bei Wikiexplora. Genau das habe ich getan, denn ansonsten gibt es nur die Möglichkeit mit vielen Tagen weglosen wanderns außen herum zu marschieren oder mit einer anderen Etappe zu verbinden. Dadurch erhöht sich jedoch nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern auch das Rucksackgewicht. 

22.03.2025 Reserva National Altos de Lircay

Am Tag zuvor bin ich am Abend mit dem Fernbus in Talca angekommen und da der Bus am nächsten Tag bereits um 7:15 Uhr fuhr, gab es nur wenig Schlaf. Zudem war ich so aufgeregt, dass ich erst gar nicht einschlafen konnte. Müde stieg ich in den Bus nach Viles Alto. Mit bloß 3000 CLP war die fast zweistündige Fahrt günstig. Ich hatte das ausgefüllte Formular wie Fr. Galdames es gewünscht hat, bei der Conaf angegeben und ihren den Chat bei WhatsApp gezeigt. So vorbereitet lief es völlig problemlos und ich durfte passieren. 

Um tiefer ins Reservat zu gelangen, musste ich zunächst einer staubigen Straße folgen, die immer gröber wurde. Irgendwann ging sie in einen schmalen und gepflegten Wanderweg über. Es war Samstag und zahlreichen Einheimische waren unterwegs, ständig traf ich weitere Dayhiker. Das Klima war mediterran: warm und trocken. Die Sonne brannte vom blauen Himmel ohne jede Wolke. Da war ich froh über den angenehmen Schatten im Wald. Überrascht stellte ich fest, auch hier verfärben sich die Buchen schon sehr eindeutig.

Nach zwei Stunden gelangte ich zu einer offiziellen Campstelle, die ich und viele andere für eine Pause nutzte. Ein Mitarbeiter der Conaf fragte mich, wo ich hingehe. Ich war unsicher, was ich sagen sollte. Eigentlich führte mich meine Route zuerst aus dem Park raus Richtung Parque Íngles, doch da kenne ich nur das Camp Bolsón, für welches man ein Permit braucht. Ich war unsicher und wusste nicht, wie ich es auf Spanisch ausdrücken sollte. Daher gab ich an zur Laguna Blanquillo zu gehen, auch wenn ich dort erst an einem anderen Tag ankommen werde. 

Sobald ich den Park verließ, war der Trail etwas schlechter erkennbar. Durch die vielen Steinmännchen und den Spuren von Pferdehufen konnte ich mich dennoch gut orientieren. Hier wuchsen nur noch niedrige Buchen mit bereits ganz toller Herbstlaubfärbung. Mir gefiel die Szenerie sehr. 

Es ging langsam immer weiter bergauf, der höchste Punkt war ein Bergrücken auf 2200m. Das Panorama war herrlich, ich konnte sehen, in welche außergewöhnliche Landschaft es mich morgen führen wird. Vorfreude kam auf. 


Der Weg bergab war nicht einfach, der Untergrund bestand aus einer Mischung aus Sand und losem Geröll. Der feine Sand hatte schon längst den Weg in meine Schuhe und Socken gefunden, die Zehen waren braun paniert. Zwar hatte ich die Füße an einem Bächlein gewaschen und die Socken ausgeklopft - lange hielt es nicht. 

Mein Wasser war fast alle, doch die Gräben auf dem Weg nach unten waren knochentrocken. Dann hatte ich Glück. Nach dem Abstieg gelangte ich zu einer bewaldeten Ebene mit einer glasklaren Quelle. Offensichtlich hatten hier schon Menschen gezeltet. Ich überlegte, ob ich noch weitergehen sollte, etwa eine Stunde könnte ich noch gehen. Ich entschied mich dagegen, denn sonst hätte ich im Parque Íngles nicht weit entfernt vom Camp Bolsón mir was suchen müssen. Da fühlte ich mich hier sicherer. 

Die Wahl war goldrichtig. Am Abend konnte ich einen unglaublichen Sternenhimmel bestaunen und das bei angenehmen Temperaturen. 


23.03.2025 Seelensee und Thermalquellen von Azufre

Morgenstimmung:

Zunächst ging es am Morgen nach erholsamen Schlaf ein kurzes Stück weglos zu einer staubigen Straße. Dieser musste ich nur kurz folgen, bis ein Trail abbog.

Blick Richtung Valle del Indio:

Angenehm flach lief ich dahin, bis es steil bergauf zum 2257m hohen Pass ging. Der Anstieg war steil, aber einfach. Mir kamen die zwei GPT-Hiker Tobias und Tim entgegen, mit denen ich mich kurz unterhielt. Sie rieten mir dazu, bei den Thermalquellen den Platz am Fluss zu nehmen, da an dem anderen bei der Quelle der Boden warm sei. Spoiler: ich habs falsch gemacht. 

Auf dem Weg zur Laguna de las Animas (dt.: See der Seele) kam mir eine ganze Karawane mit Lastenpferden entgegen. Juan, der bereits in München gelebt hatte und sogar Garmisch-Partenkirchen kannte, bildete das Schlusslicht. Dahinter stieß ich auf eine große Rinderherde und ein paar Arrieros. Nach drei Stunden hatte ich es zur Lagune geschafft und machte eine kurze Pause.

Danach ging der Anstieg weiter, diesmal zum 2547m hohen Pass. Auf dem sehr sandigen Untergrund war es ziemlich anstrengend. Die Aussicht war genial, aber etwas diesig. Der Wind wehte immer wieder Sand hoch. 

Ausblick:

Der Weg runter war noch sandiger, aber bergab stellte dies kein Problem dar. Über mir kreisten mindestens 10 Kondore. Wahnsinn!

Trotz Gaiters sammelte sich eine große Menge Sand in beiden Schuhen. Ich leerte die Schuhe raus, bald war wieder neuer Sand drin. Die Laguna Mondaca sah ich bereits von weitem und entschied mich gegen einen Abstecher dahin. Bei einem Bachlauf legte ich eine etwas längere Pause ein. 

Blick von oben auf die Steinwüste:

Unerwartet ging es weglos weiter und zwar durch eine große Steinwüste. Nein, Steinhölle trifft es besser! Unzählige Gräben durchzogen das Gebiet, es war sehr unübersichtlich. Irgendwann musste ich einen reißenden Fluss furten, er war knietief. 

Als ich in der Nähe eines Nebenflusses war, brach unter meinem Fuß ein großer Fels weg und ich fiel auf die Seite und schlug mir Ellenbogen und den linken Oberschenkel an.

Aua! Die Schürfwunde am Ellenbogen rieb ich mit Jod ein und lief weiter. Kurz darauf traf ich ein deutsches Paar, welches den Condor Circuit in der Gegenrichtung läuft. Sie berichteten von einem sehr schwierigen Abschnitt bevor der eigentliche Trail beginnt. Das untere Ende sei irgendwie abgestürzt. Auweia, toll klingt das nicht. Mit mulmigem Gefühl lief ich vorsichtig weiter. Es führte mich rechts in ein steiles Bachbett hinein. Laut GPT sollte links von mir ein Weg beginnen, doch davor befand sich ein sehr steiler Abhang. Es war wirklich schwierig, insbesondere weil der Untergrund lose war und ebenso die Steine. An einer Stelle rutschte ich runter, dann kämpfte ich mich langsam hoch, wo etwas Gras wuchs. Ungefährlich war das nicht, einen anderen Weg sah ich leider nicht. Sobald ich den richtig Weg gefunden hatte, musste ich nur noch steil ansteigen und dann den Hang queren, um zu den Thermalquellen zu gelangen. 

Blick zurück:

Um etwa 18 Uhr nach 25km und wenig Pausen hatte ich mein Ziel erreicht. Ich war völlig fertig und baute mein Zelt nahe des Flusses auf. Da es windig war und Staub durch die Gegend flog, sicherte ich es sorgfältig und errichtete einen Steinkreis an der windzugewandten Seite. Völlig erschöpft kochte ich was zu essen und holte Wasser. Erst dann sah ich, dass es weiter unten versteckt noch zwei weitere Plätze gibt. Und der Boden unter meinem Zelt war warm. Tja, in diesem Fall hatte ich nicht den richtigen Platz gewählt. Naja, zu spät. Ich hoffte, trotzdem gut schlafen zu können und badete ausgiebig in den heißen Quellen. Das tat gut nach diesem sehr anstrengenden Tag!

Zeltplatz mit Fußbodenheizung:

Der Boden wurde in der Nacht noch richtig heiß und ich war etwas besorgt. Sonderlich gut geschlafen habe ich daher nicht. 


24.03.2025 Weiße Sandberge - die Mondlandschaft

Der Aufstieg zum El Estadio Pass auf 2695m war zum Glück lang und nur selten steil. In diesem Gelände mit dem weichen Sand sinkt man nämlich mit jedem Schritt ein, sodass man die Höhenmeter quasi doppelt gehen muss. Jeder Schritt bergauf war anstrengend.

Noch im Schatten:

Blick zurück:

Aussicht vom Pass:


Die Welt um mich herum wurde immer weißer, richtig surreal sah das aus. Besonders auf dem Weg bergab gefiel mir das Panorama ausnehmend gut - definitiv eine sehr spezielle Landschaft, die ich noch nie gesehen habe. Umso schöner, sie jetzt auf dieser Reise erleben zu dürfen. 

Rinder auf dem Mond:

Nach über vier Stunden Marsch hatte ich in diesem Gelände bloß 10km geschafft und das obwohl es nicht einmal besonders schwierig war. Bergab durch das weiße Tal ging es dafür vergleichsweise flott in etwa zwei Stunden bis zum Refugio Blanquillo. Dies gehört Don Victor und ist abgeschlossen. Dort kam ich um viertel vor vier an und da noch genügend Zeit war, unternahm ich noch einen Abstecher zur Laguna Blanquillo. Zu Beginn kam mir ein Arriero mit zwei schwer beladenen Pferden entgegen, es war aber nicht Don Victor. 

Vulkan Descabezado Grande: 

Der Pfad zur Laguna Blanquillo war flach und fast immer einfach. Die einzigen Herausforderungen waren eine kurze Kraxelpassage und eine einfache Flussquerung. Vor der Flussquerung begegneten mir vier Wanderer mit kleinen Rucksäcken. Die Reisegruppe berichtete, heute beim Refugio zelten zu wollen. Ich kündigte an, dort auch zelten zu wollen ubd hoffte, es würde genügend Platz geben. Die Laguna Blanquillo selbst war leider schon im Schatten und war daher eher eine Enttäuschung. Ohne Pause lief ich flotten Schrittes zurück. 


Eine Zeltstelle war noch frei. Es war ein ziemlicher Kampf das Zelt aufzustellen, da ich keine Heringe in den steinigen Boden bekam und mit der "Big Rock Little Rock Methode" arbeiten musste. Zum Glück war es diesmal nicht so windig wie die letzte Nacht. Die Gruppe, bestehend aus drei deutschen Gästen, einer einheimischen Guidein und einem Arriero luden mich ein, sich zu ihnen ans Feuer zu setzen. Nur da sie den Arriero dabei hatten, durften sie ein Lagerfeuer entzünden. Zusammen verbrachten wir einen sehr schönen Abend unter dem klaren Sternenhimmel, der sich hier in voller Pracht zeigt. Sie teilten ihre Abendmahlzeit mit mir, trotzdem blieb noch etwas übrig. Dies war für mich die schönste und intensivste Begegnung auf dem GPT.


25.03.2025 Drei blaue Seen in der Mondlandschaft 

Herzlich verabschiedeten wir uns voneinander. Die Gruppe hat für den heutigen Tag einen Ausflug zur Laguna Caracol geplant und kommt danach zum Camp zurück. Ich ging zwar in die gleiche Richtung, startete aber etwas früher. Der Anfang war einfach und beschwingt wanderte ich durch die beeindruckende Vulkanlandschaft. 

Bei dieser Bachquerung blieb ich beim letzten Schritt leider im Gestrüpp hängen und landete mit einem Fuß im Wasser. Das gefiel mir gar nicht, denn dann bleibt der Sand am Schuh kleben. So kam es auch.

Auch der kleine Aufstieg, der vor der Laguna zu bewältigen war, war ok. Schnell war ich trotzdem nicht in dem sandigen Untergrund. Dann konnte ich den langgezogenen See von Weitem sehen und es war nicht mehr weit. Die Laguna Caracol sieht malerisch aus und passt auf den ersten Blick gar nicht in diese Hochwüste. Zumindest im Sommer ist es dort oben sehr trocken, aber da es im Winter reichlich schneien kann, gibt es viele Wasserquellen. 

Entlang der Laguna war es sehr windig, erst am anderen Ende fand ich einen großen Fels und etwas Schutz vor dem Wind, um eine anständige Pause machen zu können. Die Gruppe sah ich leider nicht mehr. Ich war am hin- und hergerissen, ob ich noch einen Umweg über einen weiteren kleinen Pass machen sollte. Das wären nämlich über 300 Höhenmeter extra. Stattdessen stieg ich weglos auf zu einem See in einem Vulkankrater, der sich direkt neben der Laguna Caracol befindet. Dieser Crater Lake sah richtig krass aus - auch sowas hatte ich noch nie gesehen! 

Crater Lake:

Von dort gelangte ich weglosen "Weg", der auf den extra Pass führen sollte. Ich folgte einer Spur, doch diese führte woanders hin. Nicht zuletzt da ich kaum noch Wasser hatte, drehte ich um und lief zurück zum Trail im Tal. An einem Bach füllte ich meine Flaschen auf und staunte über das Bild vor meinen Augen, was mich sehr an die Landschaft auf der Jeeptour durchs bolivianische Altiplano erinnerte. Und im Bach schwammen reichlich Fische. 

Ich unternahm noch einen kurzen Abstecher zur Laguna Turbia und stieg weglos zum Krater daneben auf. Laut Barbara sollte es dort eine weitere Laguna geben, aber diese war ausgetrocknet. 


Dann begann der anstrengendste Anstieg der ganzen Tour. 500 Höhenmeter sehr steil hinauf in dem sandigen Gelände zum Pass Hornitos auf über 2500m. Immer wieder musste ich stehen bleiben, so anstrengend war es. Aber die Aussicht war geil! Sie wurde mit jedem Schritt noch besser. 

Über dem Volcán Azul zogen dunkle Gewitterwolken auf. Ich wäre gerne schneller gegangen, aber das erlaubte meine Lunge nicht. Als ich nach einer Stunde und zwanzig Minuten die zwei Kilometer auf den Pass endlich geschafft hatte, aß ich schnell einen Snickers, leerte wieder meine Schuhe aus und begann den Abstieg. 

Ich beeilte mich und lief nicht immer richtig. In dem Sand ging es schnell runter, doch irgendwann musste ich durch lauter Stachelkletten durch. Diese Mistdinger verfluchte ich lautstark. Es waren immer wieder Donnergrollen zu hören. Dann kam ich endlich bei der eingezeichneten Zeltstelle am Bach an und begann aufzubauen. Die Heringe von Naturehike taugen nicht viel, vier Stück sind bis heute in nur wenigen Tagen zerbrochen. Blöderweise hatte ich diesmal die Titannägel aus Gewichtsgründen nicht mitgenommen. Ich hatte bei dem Sand stattdessen mit lockerem Untergrund gerechnet. Das war falsch. 

Das Gewitter zog vorbei, nur ein paar Tropfen fielen vom Himmel. Ansonsten konnte ich den Abend in Ruhe genießen und mal wieder meine Schuhe flicken. Dieser verfluchte Sand verschleißt die Ausrüstung wahnsinnig schnell. Gestern hat der Reißverschluss meiner Hosentasche aufgegeben und nun habe ich sogar ein Loch gefunden. 

Auch diesmal war der Sternenhimmel atemberaubend schön. Zur Sternenbeobachtung ist die Region hervorragend geeignet. 


26.03.2025 Vom Mond zurück in die Zivilisation 

Der komplette Weg bis runter zur Straße war erneut sehr sandig. Dies machte es einfach flott abzusteigen. Vorher kam ich noch bei der halb ausgetrockneten Laguna Hornitos vorbei. 


An der Straße wuchsen bereits erste Kiefern. Mit jedem Kilometer änderte sich das Landschaftsbild dramatisch: große Bäume wuchen hier, es war vergleichsweise grün. 

Nach zwei Stunden hatte ich Los Cipreses erreicht, wo sogar Äpfel, Esskastanien und Walnüsse wuchsen. Als ich das Eingangstor zu dem Gebiet des Wasserkraftwerks passierte, wurde ich gefragt wo ich herkomme und ob ich mich bei den Carabinieros oder Conaf registriert hatte. Da ich mich nur bei der Conaf registriert hatte, erklärte ich die Familie Galdames wisse Bescheid und ich durfte gehen. An der Straße nahm mich nach wenigen Minuten Wartezeit ein Auto mit bis zur nächsten Bushaltestelle mit regelmäßigem Fahrplan. Dort wartete ich noch rund 40 Minuten auf den Bus nach Talca. Etwa zwei Stunden später checkte ich erneut im sehr empfehlenswerten Hostel 1760 ein. 




Dienstag, 18. März 2025

GPT 16 Villarica Traverse

GPT 16 Villarice Traverse


Vulkanlandschaft in der Nähe von Pucón



10.03.2025 Regnerischer Start

Da ich erst in der Nacht am Tag zuvor in Pucón angekommen bin, startete ich erst spät. Der Startpunkt der Villarica Traverse liegt oberhalb der Stadt beim Skizentrum. Dorthin gelangt man nur über eine Straße. Auf diese und die zusätzlichen 1000 Höhenmeter hatte ich keine Lust und bestellte mir ein Uber. Der Fahrer hatte bei der Schlussrampe Schwierigkeiten hochzukommen, schaffte es aber. Der eigentliche Startpunkt liegt noch etwas höher und so lief ich die ersten drei Kilometer auf der Kiesstraße. 

Danach begann der ausgeschilderte Trail und führte in leichtem Auf- und Ab durch die von Vulkanismus und Lava geprägte Landschaft. Leider konnte ich davon kaum etwas sehen. Denn es war nebelig und regnete beständig - die Wettervorhersage meinte 2 Liter am Mittag. Es waren aber deutlich mehr, etwa drei Stunden lief ich durch den Regen, bevor der Himmel langsam Stück für Stück aufriss. 

Zum Glück! Meine Finger waren schon so kalt, dass ich zum pinkeln kaum meine Hose öffnen konnte. Die Regenkleidung hielt auch nicht dicht: Bauch und Unterschenkel waren nass. Mir war echt kalt! Weit und breit hatte ich keine Möglichkeit gesehen, mich irgendwo unterzustellen und hatte schon überlegt das Zelt aufzubauen. Die Sonnenstrahlen taten wirklich gut!

Nun konnte ich die grandios schöne Landschaft auch sehen und genießen. Auch den vergletscherten Vulcan Villarica sah ich nun zum ersten Mal. 

Immer wieder führte der immer gut erkennbare Pfad durch den Regenwald, wo unter anderem Auraukarien wachsen. Diese Urbäume wachsen nur hier und in den angrenzenden Regionen Chiles, eine ist sogar danach benannt. Im Süden und im Norden gibt es diese Bäume nicht. 

Wasserquellen fand ich mehrere doch manche waren wirklich dreckig und nicht als Trinkwasser geeignet. Insbesondere die vom Ñilfe fällt negativ auf. 

Um 18 Uhr suchte ich mir eine Zeltstelle mit tollem Ausblick. Ok, der Weg führt noch viele Kilometer so weiter und es hätten bestimmt alle möglichen Zeltplätze eine tolle Aussicht. Es wurde empfindlich kalt sobald die Sonne verschwunden war. Der bunte Sonnenuntergang lockte mich trotzdem nach draußen. Mit Regenhose als Windschutz und der Daunenjacke hielt ich es zumindest eine Weile aus. 


11.03.2025 Sonne pur

Ich hatte erholsam geschlafen und der Tag begann mit einem tollen Sonnenaufgang. Jedoch war es zu kalt, um ihn sich intensiv anzusehen, denn in der Nacht hatte es gefroren. Doch sobald die Sonne herkam, wurde es beim Wandern schnell warm und ich konnte den Pullovern ausziehen. Es war kein Wölkchen am Himmel und so sollte es den ganzen Tag bleiben. 

Araukarien:

Überwiegend eben lief ich bis in den Vormittag hinein in der von ehemaligen Vulkanausbrüchen geprägten Landschaft. Abgesehen von einer Strecke durch erkaltete Lava, war der Weg klar erkennbar. 

Beim Abstieg durch den Wald kam mir eine Gruppe mit schwer beladenen Rucksäcken entgegen. Es war also doch etwas los im Nationalpark. Durch die Sonne war es so warm, dass ich sogar in kurzer Hose gehen konnte. Ich weiß gar nicht, wann dies das letzte Mal der Fall war. In Patagonien war es die letzten Wochen zu kalt.

Zur Mittagszeit lief ich bergab auf einer Forststraße, die zwar monoton war, aber immerhin einen weichen Belag aus Erde und Laub hatte. Bei der Rangerstation vom Nationalpark Villarica trug ich mich in eine Liste ein und zeigte mein Eintrittsticket, was ich vor Tourbeginn online auf pasesparques.cl gekauft hatte. Der Ranger erklärte mir noch, wo sich die nächsten Wasserquellen befinden und wünsche mir viel Glück. 

Dann begann ein anstrengender Anstieg von 700 Höhenmeter zum Mirador Los Pinos mit guter Aussicht auf den Volcán Quetrupillán. Ich benötigte zwei Stunden für diesen gut gepflegten Pfad. Oben hatte ich Empfang und gönnte mir eine Pause. Ich war total hungrig!

Bergab ging es sehr lange an einem bewaldeten Kamm entlang, leider ohne jede Trinkwasserquelle. Daher musste ich weiterlaufen als geplant, denn erst um 19 Uhr nach etwa 29km fand ich eine Quelle. Passenderweise befand sich gleich daneben eine idyllische Zeltstelle. Den letzten Abend wollte der Alkoholkocher nicht so recht in Gang kommen, nur mit Mühe konnte ich das Wasser erhitzen, obwohl ich den Alkohol vorher am Körper erwärmt hatte. Heute hatte ich keinerlei solche Probleme und konnte entspannt meine Couscous-Mahlzeit zubereiten. Im Gegensatz zur letzten Nacht war die Aussicht am Camp weniger spektakulär, aber trotzdem schön. Kurzzeitig wurde der Volcán Quetrupillán vor mir von der Abendsonne rötlich angestrahlt. 



12.03.2025 Windige Mondlandschaft

Ich schlief diesmal nicht so gut, weil ich so oft aufs Klo musste. Entsprechend verschlafen war ich in der Früh und kam auch nur schleppend mit dem Abbau vom Camp vorran. Erst um neun Uhr schaffte ich es aufzubrechen. Da es vergleichsweise warm war, wollte ich erst im T-Shirt laufen, doch nach wenigen 100 Metern kam ich ins offene Gelände, wo starker Wind wehte. Also zog ich den Pullover wieder an. 

Der Weg auf den 1924m hohen Pass zog sich und war teils sehr steil. Reifenspuren deuteten darauf hin, dass hier Motorcrossfahrer unterwegs sind, obwohl es im Nationalpark verboten ist. Sobald ich den Pass erreicht hatte, erwartete mich eine unbeschreibliche Mondlandschaft aus dunkelgrauem Gestein, gekrönt mit ein paar Schneefeldern. 

Ich unternahm noch einen kleinen weglosen Abstecher, um einen Blick auf eine namenlose Lagune zu erhalten. Diese war mit ihrer hellen Farbe auffällig schön. 

Laguna Azul:

Ich stieg zur Laguna Azul ab, wo ich eine Pause machen wollte. Dort war ich nicht alleine, ein paar Einheimische hatten hier ihr Camp aufgeschlagen und waren am Angeln. Nur ein Mann war bei meiner Ankunft am Camp und bot mir freundlicherweise gekochte Piñones an. Das sind die Samen der Araucarias, die in dieser Jahreszeit reif sind. Sie schmecken einer Kartoffel nicht ganz unähnlich. Ich tat mich schwer den Mann mit seinem Dialekt zu verstehen, doch er redete immer weiter auf mich ein und fragte z.B. wieviel Geld ich auf meiner Reise ausgebe. Diese Frage empfand ich als unangenehm und aufdringlich, schließlich kannte ich ihn gar nicht. Zunehmend begann ich mich unwohl zu fühlen und verabschiedete mich von ihm. Ich lief rund einen Kilometer weiter und machte im Schatten eines Felsens eine Pause, diesmal ganz in Ruhe. 

Blick vom Pass bis zur Laguna Blanca:

Laguna Blanca:

Der weitere Verlauf des Trails bis zur Laguna Blanca war einfach und überwiegend flach. Prominent hingegen war der beständig starke Wind. Die Laguna Blanca befindet sich nicht direkt am Weg, man muss einen kleinen Umweg gehen. Dieser lohnt sich meiner Meinung nach total, denn dieser See ist mit seiner hellbeigen Farbe ein ganz spezieller Anblick. 


Weiter ging es durch diese windige Mondlandschaft mit einem kleinen Abstecher auf die argentinische Seite. Der offizielle Weg hat diese Wegführung gewählt und ist daher auch nicht illegal. Zurück in Chile auf dem 1841m hohen Pass blies der Wind ganz besonders kräftig. Von hier kann man den mächtigen Volcán Lanin mit seinen 3747m auf argentinischer Seite sehen. 

Mal steil, mal flach ging es nun beständig bergab. Mein Tagesziel war die Laguna Las Avutardas, wo es Zeltstellen geben soll. Kurzzeitig war der Weg im Wald etwas zugewachsen, aber nie zu stark. Hier war der Wind dafür so gut wie weg und auf einen Schlag war es wärmer. Der Pfad zum Ufer der Laguna stellte sich als zu sumpfig heraus. Da ich aber bei der letzten Quelle nicht aufgefüllt hatte, brauchte ich Wasser. Auf einer großen Wiese fand ich einen Campspot, um Wasser zu holen, musste ich noch auf einem anderen Pfad zum Ufer der Laguna gelangen. Das klappte gut und ich konnte die Flaschen auffüllen. 

Später am Abend liefen zwei Frauen vorbei, vermutlich wollen sie direkt am Ufer des Sees campen. 


13.03.2025 Lauf durch den Wald

Ich hatte bei der Zeltplatzwahl eine blöde Wahl getroffen. Die Wiese erschien tagsüber noch total trocken, doch in der Nacht taute es extrem. Es kühlte nicht nur stärker ab als gedacht, sondern die Menge an Kondenswasser im Zelt war abartig. Durch die dämliche Konstruktion mit der Bodenwanne, die direkt mit der Zeltwand vernäht ist, bildeten sich Pfützen am Kopf- und Fußende. Unter der Isomatte hatte sich das Wasser gesammelt. Normalerweise weiß ich es besser, doch bei dem warmen Wetter habe ich nicht damit gerechnet. Dabei hätte es nicht sehr weit im Wald auch flache Stellen gegeben. 

Mit dem nassen Zelt im Gepäck lief ich los, teilweise befand sich sogar minimal Reif an den Grashalmen. Der Weg im Wald war nicht schwierig, aber die vielen umgestürzten Bäume, sorgten für ein eher langsames Tempo. Entweder lief ich außen herum oder kletterte drüber. 

Als ich den größten Teil vom Abstieg geschafft hatte, fand ich nach längerer Suche eine geeignete Stelle um das Zelt in der Sonne trocknen zu lassen. Auch die Isomatte legte ich raus, allerdings in den Schatten. 

Ich überquerte die Straße, um auf einem Pfad bis zum offiziell Eingang in den Sektor Puesco vom Parque Nacional Villarica zu gelangen. Hier trug ich mich in eine Liste ein, damit die Conaf weiß, dass der Trek erfolgreich beendet ist. Dann wollte ich bis in den Ort Currarehue hitchen, doch eine ganze Weile hielt kein Auto an, obwohl genügend vorbeifuhren. Schlussendlich stoppte ein Pick-Up mit deutschen Auswanderern, die in der Nachkriegszeit nach Chile gekommen sind. Es ergaben sich interessante Gespräche. In Currarehue nahm ich den Bus nach Pucón. 


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