Transcaucasian Trail in Armenien - Mein Fazit und FAQ zum Trail
Mein persönliches Fazit zum Trail:
Es fällt mir wirklich schwer den Transcaucasian Trail eindeutig und abschließend zu beurteilen. Kein anderer Trail war bisher so zwiespältig für mich wie dieser. An manchen Tagen war ich völlig überwältigt von der Schönheit diesen Landes, welches genauso klein ist wie das Bundesland Brandenburg. Selbst Nordrhein-Westfalen ist größer, aber von der landschaftlichen Diversität gar kein Vergleich zu Armenien. Von der Diversität an Landschaftsformen hat Armenien alles getoppt, was ich in den Jahren zuvor erwandert hatte. Es kam mir vor, als würde ich jeden Tag durch ein ganz anderes Land wandern, dabei hatte ich bloß wenige Kilometer Wegstrecke zurückgelegt.
Die hohe Schwierigkeit des Trails hat mir in vielen Momenten Kräfte gekostet und vor immer neuen Herausforderungen gestellt. Zähe Anstiege, die nie enden wollende Sommerhitze, zugewucherte Wege oder aggressive Hunde - der Trail bietet alles an Anforderungen, was man sich vorstellen kann.
Definitiv ist der TCT kein Wanderweg für Anfänger - wer seine Ausrüstung perfekt kennt und mal eine richtiges Abenteuer sucht ist auf diesem Trail genau richtig.
Ich bin froh über meine Zeit, die ich auf dem Trail verbracht habe. Trotz der Entbehrungen gibt es nur wenige Situationen, auf die ich im Endeffekt gerne verzichtet hätte.
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| Dramatische Landschaften sind garantiert |
Frequently asked questions:
Wie ist das Wetter in Armenien?
Es gibt in Armenien trotz der kleinen Fläche, die das Land für sich beansprucht, verschiedene Klimazonen, da der Südkaukasus für beträchtliche Höhenunterschiede sorgt. Im Vergleich zu Deutschland ist es dennoch im Prinzip trockener und sonniger. Die Sommer sind in der Regel heiß und trocken, Herbst und Frühling sind eher mild. Dennoch kann es insbesondere im Gebirge zu heftigen Unwettern oder Gewittern kommen. In den Gegham Mountains liegt bis in den Frühsommer hinein Schnee.
Braucht man für den TCT ein Zelt?
Auf jeden Fall braucht man ein Zelt, möchte man einen Großteil vom TCT wandern. Zwar gibt es in vielen Ortschaften und Städten Unterkünfte, aber es gibt auf dem TCT auch einige Abschnitte, wo man tagelang an keiner Übernachtungsoption vorbeikommt.
Folgende Abschnitte sind auch ohne Zelt möglich: Stepanavan bis Alaverdi; Dilijan bis Sevan; Hors bis Yeghegnadzor; Yeghegnadzor bis Artavan und Sisian bis Tatev
Ist der TCT durchgängig markiert?
Der Transcaucasian Trail ist nur teilweise markiert. Große Teile vom Trail sind nicht markiert.
In welchem Zustand sind die Wege?
Die Wegzustände variieren stark. Die sehr gut gepflegten Anteile sind gering. Häufig ist der Weg zwar gut erkennbar, aber stellenweise zugewachsen oder sehr unscheinbar. Leider gibt es auch mehrere Passagen, wo der Trail nicht vorhanden oder sehr stark zugewachsen ist.
Gibt es Tiere, die mir gefährlich werden können?
Es gibt in Armenien zwar viele wilde Tiere, auch Schlangen, aber diese sind für den Menschen normalerweise ungefährlich.
Anders sieht es mit den domestizierten Tieren aus. Die größte Gefahr für Wanderer stellen die aggressiven Hirtenhunde dar. Diese bewachen das Vieh (insb. Schafe), sind nicht nur sehr groß und aggressiv, sondern laufen frei bei den Herden oder in den Camps der Nomaden und Hirten herum. Meistens sind auch Menschen in der Nähe, aber meiner Erfahrung nach sind die Hunde schneller als die Menschen. Manchmal haben mich bereits Hunde zähnefletschend verfolgt, obwohl ich noch hunderte Meter vom Camp bzw. der Herde entfernt war. Hier ist auf jeden Fall die Hilfe der Hirten nötig, damit man passieren kann. Wenn möglich, bin ich solche "Gefahrenstellen" weiträumig umgangen. Von anderen Wanderern und aus der Far Out App weiß ich, dass hin- und wieder Touristen gebissen wurden. Dies ist auch deshalb gefährlich, weil die Gefahr besteht, sich mit der sehr gefährlichen Krankheit Tollwut anzustecken. Diese ist nämlich in Armenien verbreitet.
Um sich zu schützen, nehmen manche Wanderer Pfefferspray mit, welches man in Richtung der Hunde sprühen kann, sollten diese einem zu nahe kommen. Ich selbst habe mir auf Anraten von anderen Hikern ebenfalls ein kleines Spray besorgt, habe dies aber nicht angewendet, war aber einmal kurz davor.
Die meisten Hirtenhunde traf ich in den Gegham Mountains und auf der Etappe zwischen Alaverdi und Dilijan.
In welchen Orten kann ich Lebensmittel einkaufen?
Folgende Städte und Dörfer verfügen über einen gut sortierten Supermarkt: Stepanavan, Odzun, Alaverdi, Dilijan, Sevan, Shatin, Yeghegnadzor, Angeghakot, Sisian, Harzhis, Kapan und Meghri. Viele weitere Dörfer verfügen zudem über Miniläden, in denen man zwar nur eine beschränkte Auswahl hat, aber die vorhandenen Vorräte aufstocken kann.
Wie sicher ist der TCT für alleinwandernde Frauen?
Mit dieser Frage habe ich mich selbst etwas zu wenig beschäftigt, bevor ich losgereist bin. Zuvor habe ich in Europa, den USA und Südamerika die Erfahrung gemacht, dass man als Frau beim Wandern keine besonderen Nachteile hat. In Armenien habe ich zum ersten Mal einen deutlichen Unterschied gespürt. Man kommt auf dem TCT häufig durch kleine sehr ländlich gelegene Dörfer. Sehr häufig hatte ich dort das Gefühl unangenehm angeschaut zu werden, ja regelrecht taxiert zu werden. Insbesondere die Blicke von Männern empfand ich als störend. Dass ich manchmal mit kurzer Hose durch ein Dorf marschiert bin, mag nicht hilfreich gewesen sein, aber mir persönlich war es bei 30 Grad Celsius einfach zu warm.
In den Unterkünften waren meine Erfahrungen hingegen insbesondere auf dem Land sehr positiv. Die Gastgeber habe ich als sehr gastfreundlich und hilfsbereit wahrgenommen, was trotz der oft großen Sprachbarriere dazu geführt hat, dass ich mich wohlfühlte.
In der Caltopo-Karte und der Trail App von Farout werden an mehreren Stellen sogenannte Harrasment-Warnungen angezeigt, die auf frühere Belästigungserfahrungen von meistens Frauen hinweisen. Die belästigenden Personen waren in diesen Fällen bisher ausschließlich männlichen Geschlechts. Auch ich habe einmal in den Gegham Mountains eine sehr unangenehme Erfahrung mit einem jungen Hirten gemacht, die mich noch eine lange Zeit beschäftigt hat.
Aufgrund der Sprachbarriere ist es im Kaukasus besonders schwer die Situationen zu lesen bzw. zu analysieren. Erst recht spät habe ich ein paar (ablehnende) Sätze auf russisch auswendig gelernt, um sie bei Begegnungen schnell sagen zu können. Den Kontakt zu Männern habe ich dann auch bewusst gemieden. Zwar verhindert man dadurch auch potenzielle sehr freundliche Begegnungen, von denen ich einige hatte, aber mir war das sicherer.
Wie verständigt man sich mit den Einheimischen?
Nur wenige Armenier, insbesondere in den Dörfern und kleinen Städten, sprechen Englisch. Fast jeder spricht jedoch neben armenisch noch russisch. Da beide Sprachen sich sehr stark von den romanischen Sprachen unterscheiden, ist auch eine Kommunikation mit Hand und Fuß schwierig. Google-Translate oder Yandex-Translate können hier Abhilfe schaffen.
Wo kann ich eine Gaskartusche kaufen?
Gaskartuschen sind in Armenien nur selten zu finden, weshalb es am besten ist, eine Kartusche in Yerevan zu kaufen. Dort gibt es mehrere Outdoor-Läden. In Dilijan gibt es einen Army-Shop, der große 500g-Kartuschen verkauft.
Wo finde ich weitere Informationen?
Website der Transcaucasian Trail Association
Trailguide von Farout - besonders die Kommentare von anderen Wanderern sind hilfreich.
Meine Erfahrungsberichte:
Stepanavan bis Alaverdi
Alaverdi bis Dilijan
Dilijan bis Sevan
Sevan bis Hors
Hors bis Spandaryan Reservoir
Spandaryan Reservoir bis Tatev
Tatev bis Kapan