TCT Sevan bis Hors
24.08.2026 Aggressive Hunde und gastfreundliche Menschen
Aufgrund der Aufregung über die nächste Etappe schlafe ich anfangs unruhig, dann aber doch gut. Am nächsten Morgen zieht es sich etwas, mit so viel Futter ist der Rucksack schwerer zu packen als sonst. Erst um halb zehn komme ich los und bestelle mir ein Taxi bis zum Ende von Lchashen. So spare ich mir 6km Roadwalk durch die Stadt.
Uff, der Rucksack fühlt sich an, als wiege er eine Tonne. Es müsste mit 3 Liter Wasser und etwa 3.7 kg Essen rund 12kg ergeben. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und mir wird sofort warm. Zum Glück habe ich daran gedacht, mein Tuch nass zu machen. So ist es ein klein wenig erträglicher.
Anfangs bin ich verwundert, weil ich tatsächlich durch die Industrieanlage am Steinbruch durchgehen muss. Danach geht es auf trockenen Dirtroads weiter, wo zunächst noch einige Traktoren herumfahren.
Nach und nach lassen die breiten Dirtroads nach und ich folge 4x4 Spuren und Pfaden. An den ersten Hirten komme ich gut vorbei. Die meisten Hunde sind angekettet, nur einer von den frei laufenden kläfft mich an, hält aber Abstand. Der Kuhteich in der Nähe ist tiefgrün.
Zwischendurch finde ich ein hüfthohes Gewächs, in dessen Schatten ich eine kurze Pause machen kann. Dann besteht die größte Herausforderung des Tages bevor: eine Hirtensiedlung, wo die Hunde sehr aggressiv sein sollen. Schon von weitem sehe ich viele Schafe und Rinder. Ein paar Menschen und leider auch Hunde. Während ich überlege, ob ich dieses XXL Nomadencamp unauffällig umgehen kann, kommen drei der sehr großem Hunde auf mich zugestürmt. Sie bellen laut und fletschen die Zähne. Einen Stein hebe icg schnell auf und halte sie mit Trekkingstöcken auf Abstand. Sie versuchen mich einzukreisen und ich trete vorsichtig ein paar Schritte zurück, stolpere dann aber über einen großen Fels. Meine Angst wird riesig und ich habe keine Ahnung, wie ich diesen Bestien entkommen soll. Zu meinem Glück kommt ein Hirte mit Pferd hergeritten und vertreibt die Bestien. Er begleitet mich bis zum Camp und verjagt die Hunde mehrfach. Dankbar schüttele ich ihm die Hand und kann dann weitergehen.
Ein Stück gehe ich noch weiter, dann mache ich eine Mittagspause mit etwas Schatten von ein paar Felsen. Etwas besseres konnte ich nicht finden.
Die nächsten Kilometer sind eher einfach. Es geht zwar permanent bergauf, aber nicht steil. In der Ferne sehe ich einen Wanderer mit großem Rucksack und freue mich schon auf einen Plausch. Doch er scheint einen anderen Weg zu gehen, zumindest kommt er mir nicht entgegen. Schade.
Ich wandere am Nachmittag so vor mich hin und habe bei den nächsten Farmen zum Glück keine Probleme mit Hunden. Doch plötzlich kommt mir eine Herde Rinder entgegen, die von einem Cowboy begleitet wird. Er steigt ab und bietet mir an, mich zu einem Kaffee einzuladen. Dazu weist er mir den Weg zu seiner Farm und zeigt, dass er erst noch die Rinder wegbringen muss. Ich bin etwas skeptisch, habe mir aber vorgekommen so eine Einladung mal anzunehmen und zu schauen, wie sie hier leben. Ich gehe also auf ein Camp mit großen Zelten und Wohnwägen zu. Ein paar Hunde kommen auf mich zu, werden aber schnell von den Hirten abgewiesen. Ich versuche zu erklären, dass Timaj mich geschickt hat, aber das ist gar nicht so einfach. Niemand spricht Englisch, nur russisch und natürlich armenisch. Zunächst setzt sich eine ältere Frau zu mir. Ich bekomme Wasser und mir werden Stücke einer saftigen Wassermelone gegeben. Es schmeckt köstlich, erst recht nun wo ich so durstig bin. Dann wird mir eine kleine Tasse Kaffee gebracht und Timaj kommt zurück. Sein Sohn, der mit einem Fahrzeug gekommen ist, setzt sich dazu. Wir versuchen uns zu unterhalten, aber das geht nur mit Händen und Füßen. Überraschend bekomme ich auch noch Lavash mit selbst hergestelltem Käse und Tomatenstücke. Der Käse schmeckt super. Ich zeige auf den Käse und mache einen Daumen hoch. Dann verabschiede ich mich und will als Dank etwas Geld dalassen, was von allen drei vehement abgelehnt wird. Der jüngste zeigt mir den Weg zurück und ich gehe weiter.
Aber lange gehe ich nicht mehr, nur bis zu einer Stelle, wo es Bänke, Tische und ein paar alte Gräber gibt. Das soll für heute reichen, immerhin sind es fast 25km. Nach den langen Tagen habe ich mir den etwas kürzeren Tag verdient.
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| Zeltplatz bei einem Unterstand und einem alten Friedhof |
25.08.2026 Mount Azhdahak und die Schönheit
Ich baue das Zelt noch vor dem Frühstück ab und das ist auch gut so. Es ergibt sich, dass eine Herde Rinder herkommt und wie es der Zufall will, wird diese von Timaj angeführt. Wir begrüßen uns und nach ein paar Lavash mit Nussnugatcreme geht es los.
Leider habe ich nur noch ein Liter Wasser und hoffe, bei dem nächsten Reservoir auffüllen zu können. Auf dem Weg dorthin weiche ich einer Schafsherde unterhalb aus und sehe einen Fuchs, der schnell verschwindet.
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| Voller Vorfreude nähere ich mich diesem Teich... |
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| ... nur um festzustellen, dass das Wasser absolut ungenießbar ist. |
Als ich bei dem Reservoir ankomme, habe ich nur noch einen halben Liter Wasser. Blöderweise ist das Wasser sehr grün und weit davon entfernt, trinkbar zu sein. Enttäuscht ging ich weiter. Bis zum Lake Akna sind es noch weitere 5km. Ich versuche nicht zu schnell alles auszutrinken, bin aber ziemlich durstig. Es zieht sich, aber um Viertel nach zehn komme ich an. Am Ufer fülle ich einen Liter klares Wasser ab. Erleichterung macht sich breit.
Am Ufer gibt es auch mehrere Picknick-Tische mit Überdachung. An einem davon parken mehrere Jeeps und einige Menschen sind dort. Als ich vorbeilaufe werde ich direkt angequatscht und zu einem Tisch bugsiert. Man bietet mir Essen, Cola und Vodka. Vodka bzw. Alkohol generell lehne ich vehement ab. Mehrere Männer sitzen mit mir am Tisch und versuchen mit mir auf russisch zu sprechen, was natürlich nicht klappt. Mir fällt auf, dass keine Frauen dabei sind und fühle mich deshalb etwas unwohl. Einer der Männer, Ahmed, hat wohl Geburtstag und feiert hier. Sie trinken viel Vodka und dann legt einer plötzlich einen Arm um meine Schulter und will ein Foto machen. Ich fühle mich zunehmend unwohl. Nachdem ich eine halbe gegrillte Aubergine gegessen und zwei kleine Becher Cola getrunken habe, stehe ich auf um mich zu verabschieden. Man lässt mich durch und ich schultere meinen Rucksack. Einer zieht an meiner Evazote, die am Rucksack hängt, und es werden weitere Fotos gemacht. Dann schüttele ich einigen Herren die Hände und gehe schnell von dannen. Wohl habe ich mich nicht gefühlt, die Männer wirkten angetrunken und unangenehm aufdringlich. Ich bin sehr erleichtert, als ich außer Sichtweite komme.
Es weht ein kräftiger Wind und Podcast hören ist dadurch mühselig. Es geht überwiegend bergauf und es ist anstrengend. Aber durch den Wind und die niedrigeren Temperaturen ist es deutlich angenehmer als gestern.
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| Die Landschaft betört durch ewige Weite. |
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| Und auch mein Rucksack ist nun nicht mehr ganz so schwer. |
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| Eine der wenigen natürlichen Wasserquellen. |
Eine Quelle entströmt direkt unterhalb von einem Schneefeld. Die Landschaft ist wunderschön weit und karg gleichzeitig. Einige Vulkane sind zu sehen, manche sind schwarz oder rötlich. Ich steige zum Basecamp unterhalb vom Mount Azhdahak ab und werde zu einem Tee eingeladen. Wasser darf ich hier auch auffüllen, sowie das Toilettenzelt nutzen. Man stellt mir zusätzlich noch Käse lokalen Hirten hin, der zusammen mit Lavash köstlich schmeckt. Und das alles umsonst bzw. gegen eine Spende, die ich gerne gebe. Hier kann man auch übernachten und warme Mahlzeiten gegen Gebühr bestellen. Das Personal ist sehr freundlich und spricht Englisch.
Nach einer ausgiebigen Pause steige ich auf dem neuen Trail mit schönen Spitzkehren hinauf zum Azhdahak. Schon beim Aufstieg ist es wunderschön, der Kratersee ist aber ein richtiges Highlight. Richtig krass sieht die Landschaft aus. Ein paar Franzosen machen Fotos von mir und ich von ihnen.
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| Ich genieße den Ausblick hier oben. |
Mein Ziel ist der Lake Badi, wo man zelten können soll. Dort treiben sich jedoch sehr viele Rinder rum und ich traue mich nicht, dort zu zelten. Dort sehe ich auch einen Hund, aber der ignoriert mich zu Glück. Etwas oberhalb auf sehr kurzem Gras stelle ich mein Zelt auf uns genieße die restliche Sonne. Bei Sonnenuntergang gibt es noch einen Adrenalinschub, denn die Cowboys treiben die Rinder nahe meines Zeltes zurück in die Nomadensiedlung.
26.08.2026 Die Nachteile, wenn man als Frau alleine in Armenien unterwegs ist
Der Morgen bleibt ruhig und die Rinder kehren zumindest bis acht Uhr noch nicht zurück. Im Tal fülle ich an einem kleinen Bach mein Wasser auf und beginne einen steilen Anstieg auf den Bergrücken oberhalb von Lake Badi. In der Ferne sehe ich oberhalb Schafe und Rinder. Es war gut, frühzeitig aufzubrechen.
Oben genieße ich eine herrliche Aussicht auf die Vulkane, an denen ich am Vortag entlang gewandert bin. Im sanften Morgenlicht sehen sie besonders schön aus.
Während ich den einfachen Weg am Kamm folge, höre ich Rockmusik und bin sehr positiv gestimmt und denke dabei über vieles nach. Auch wie besonders es im Vergleich zu Deutschland ist, dass in Armenien Cowboys und Hirten den ganzen Sommer draußen in der Natur verbringen. Bei uns hingegen verkleiden sich die Kinder als Cowboys, einen Beruf den es heutzutage in Deutschland nicht mehr gibt.
Dann sehe ich in der Ferne eine große Herde Schafe. "Fuck", denke ich. "Da sind bestimmt mehrere Hunde dabei". Vorsichtig umrunde ich diesen Bereich oberhalb und stoße auch auf eine Herde Rinder mit einem Cowboy. Höflich begrüßt mich der ältere Mann und gibt mir die Hand. Bald bin ich zurück auf dem Trail. Es dauert nicht lange, bis ich zwei weitere Schafsherden sehe. Eine direkt am Trail, eine unterhalb. Vorsichtig gehe ich oberhalb vorbei und der Hirte winkt mir freundlich zu. Hunde begegnen mir zum Glück hier keine.
Danach kann ich wieder vor mir her träumen. Die Camps der Hirten sind unten im Tal und ich steige auf etwa 3300m auf. Der Pfad ist nur manchmal erkennbar, aber intuitiv weiß ich, wie man gehen muss. Oben finde ich einen Schmelzwasserbach. Viele Obsidiane liegen hier rum - schwarzer sehr glatter Vulkanstein.
Das nächste Camp umgeht der TCT leicht unterhalb. Ich vergrößerte den Abstand noch ein wenig mehr. Doch schon bald passiert der Trail einen Bereich, wo links und rechts Hirtencamps sind. In Farout gibt es eine Warnung wegen aggressiver Hunde. Bailey schrieb, er wurde nur angekläfft. Ein schwarzweißer Hund kläfft und kommt in meine Richtung. Nach und nach kommt er näher, bis auf 3m. Mir gefällt das nicht und ich zeige ihn den Stein, den ich in den Händen halte. Eine Hirtin schimpft gerade mit einem weißen Hund, der plötzlich auf mich zustürmt und in meinen Trekkingstock beißt. Ich rufe die Frau um Hilfe und die Hirtin kommt und verscheucht die Hunde. Erschrocken wandere ich den steilen Anstieg bis zu einer Ruine hoch. Dort mache ich eine längere Pause. Vier deutsche kommen und ich warne sie vor dem Hunden. Als Gruppe haben sie es vermutlich leichter. Sie geben an, die anderen Hirtencamps oberhalb umgangen zu haben.
Mein E-Reader spinnt, der Bildschirm ist eingefroren und reagiert nicht. Genervt packe ich ihn ein. Es geht aussichtsreich über einen Bergrücken entlang. Die Strecke gefällt mir sehr.
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| In der Ferne sehe ich den Ararat, welcher in der Türkei liegt. Früher gehörte er zu Armenien. |
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| Über einen Kammweg geht es weiter |
Doch dann biegt der TCT rechts ins Tal ab. Dort sehe ich ein Camp und Schafe. Schon vorher biege ich weglos rechts ab und steige durch einen Graben bis zu einer Quelle am Trail ab. Dort fülle ich mir 2 Liter ab und bin gerade mit der Desinfektion beschäftigt, als ein junger Hirte herkommt. Er fragt, ob ich russisch spreche, was ich verneine. Dann fragt er, ob ich alleine sei und ich nicke. Meinen Ehering entdeckt er und fragt irgendwas - ich vermute, wo man mein ist oder so. Er redet immer weiter, aber ich verstehe ihn nicht. Mit dem Finger zeigt er auf mein Bein, wo Kratzer und Moskitostiche zu sehen sind. Mit dem Finger zeige ich auf eine Distel. Dann zeigt er wieder auf meinen Ehering und zeigt zu sich. Ich fühle mich unwohl in seiner Gegenwart und schultere den Rucksack. Als ich weggehe, ruft er mir etwas hinterher und ich sehe gerade noch, wie er sich die Hose runterzieht und seine Genitalien entblößt. Eilig gehe ich so schnell ich kann von ihm weg.
Mit klopfendem Herzen jogge ich fast den Trail entlang und ausgerechnet jetzt taucht auch noch ein Hund auf, der mich anbellt. Ein (anderer) Hirte ist nicht weit und ich zeige in Richtung des Hundes, der aber schon abgehauen ist. Er schüttelt den Kopf und ich kann es ihm nicht verdenken.
Der Trail ist hier sehr einfach zu wandern, führt aber an zahlreichen Camps entlang. So gut es geht, umgehe ich diese. Auch ein paar Herden Schafe und Rinder sehe ich, aber zum Glück sehen die Hirten mich schnell und winken freundlich. Schneller als gedacht bin ich sehr nahe an einem Camp, wo der Trail durchgeht und es in Farout eine Warnung wegen Hunden gibt. Dieses Camp umgehe ich oberhalb, wobei ich nervös bin, da oberhalb eine Schafsherde weidet. Dann bin ich vorbei und steige weglos ins Tal hinab.
Einen richtigen Trail gibt es auch weiter unten nicht. Mal ist es zugewachsen, mal führt der Track einfach am Hang entlang. Langsam ebbt die Nervosität ab. Den Bereich mit den vielen Hirtencamps habe ich geschafft und der Exhibitionist ist mir nicht nachgelaufen.
Durch Kniehohes Gestrüpp steige ich weiter ab, bis ich nahe von zugewachsenen Weg ein flaches Stück Gras entdecke. Perfekt für Zelte. Vorne kommen dunkle Wolken in meine Richtung und ich höre Donnergrollen. Doch es regnet nur ein klein wenig, dann ist das Gewitter auch schon weg.
27.08.2026 Monotonie in der Steppe
Im Zelt fühle ich mich sicher, denn der Ort, wo ich diese Nacht stehe, wirkt einsam. Von Hirten oder Viehherden keine Spur. So kann ich trotz der beängstigenden Begegnung gut schlafen.
Diesmal gehe ich etwas später los, erst um halb neun. Ich komme an einer Quelle vorbei, an der ich mich säubern kann. Es geht bergab und so komme ich in ein Tal, wo Heu geerntet wird. Der Weg wird zu einer relativ breiten Dirtroad. Abgesehen von einer einfachen Flussquerung gibt es keinerlei Hindernisse. Der Weg ist völlig flach.
So komme ich immerhin gut vorwärts. Der Fluss mäandert ganz natürlich in zahlreichen Kehren vor sich hin. Etwas, was es in Deutschland kaum noch gibt.
Die Dirtroad führt viele Kilometer geradeaus, u.a. auch durch den Weiler Karadzi. Hin sind zum Glück keine Hunde. Leider gibt es in dieser monotonen Steppe auch keinerlei Schatten. Erbarmungslos brennt die Sonne vom Himmel. In der Ferne fahren Männer mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen herum, um Heu zu ernten. Unter einer Brücke kann ich mich zumindest ein paar Minuten vor der Sonne retten. Frösche quaken munter.
Ich komme durch ein weiteres Dorf, wo ich niemanden sehen kann. Der Weg bleibt einfach und flach. Unerwartet muss ich einen knietiefen Fluss queren. Bei der Hitze ziehe ich mich kurzerhand aus und tauche kurz im Wasser ab. Schnell ziehe ich mich wieder an, denn es könnte jederzeit ein Fahrzeug kommen.
Als ich um eine Kurve biege, fährt ein Laster mit vorbei, in dessen Ladefläche zwei Männer mitfahren. Natürlich hält das Fahrzeug an und ich werde hergewunken. Durch kopfschütteln zeige ich, dass ich nicht mitfahren möchte. Trotzdem steigen zwei junge Männer auf. Sie rufen "How old are you" und "foto". Ich rufe "no", gehe weiter und fühle mich unwohl. Hoffentlich lassen sie mich in Ruhe. Was meinen die überhaupt mit "foto"? Eine seltsame Art jemanden zu begrüßen, den man nicht kennt! Zum Glück fahren sie dann doch weiter.
Es ist bereits halb zwei und noch immer gibt es keine Möglichkeit eine Pause im Schatten zu machen. Links erspähe ich einen Busch und nehme den Umweg in Kauf. In dessen Schatten lege ich mich hin und lese. Hier werde ich auch nicht gesehen, gut so.
Als ich nach der Pause meine Flaschen an einer Quelle auffülle, kommen zwei Traktoren angefahren. Während ich bereits wieder unterwegs bin, fährt eins vorbei und ruft etwas, aber ich verstehe es nicht. Kirz darauf fährt auch der andere Mann vorbei und bleibt kurz stehen. Er ruft etwas, was ich wieder nicht verstehe. Es wirkt, als halte er etwas in der Hand, aber ich eile weiter. Wollte er mir was geben? Seit dem Vorfall vom Vortag habe ich Angst vor den Begegnungen mit den Männern hier bekommen. Die Sprachbarriere vergrößert die Angst noch mehr.
Ich in froh, als der TCT endlich das flache Tal verlässt. Ich lasse die Heuarbeiter hinter mir und beginne mich zu entspannen. Auch die Aussicht auf die trockenen Berge gefällt mir. Sie erinnern mich an Arizona.
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| Die Landschaft erinnert an Arizona. |
28.08.2026 Nearo im Dorf Hors
Der Wind hält noch bis in die Nacht an und ich bin froh, den Zeltplatz gewechselt zu haben. Erst in der Nacht lässt er irgendwann nach. Meine Sorge, es könnte jemand kommen, ist unbegründet. Ich bin völlig alleine und auch die Wege sind ziemlich zugewachsen. Das stelle ich gleich in der Früh fest.
Zum Glück sind die Wege zwar zugewachsen, aber immerhin erkennbar. Markierungen gibt es aber gar keine, wie in den letzten Tagen auch nicht.
Die Umgebung erinnert mich an Arizona. Steile Berge mit vertrocknetem Gras als Bewuchs. Nur hin und wieder ein Busch. Wasserquellen gibt es hier aber deutlich mehr. Während meiner 11km bis ins Dorf Hors komme ich locker an zehn Bächen vorbei.
Bereits um 11:30 Uhr komme ich beim Homestay "MyHomeIsYourHome" an. Die Besitzer sprechen zwar kein Englisch, gleichen diesen Mangel aber mit großer Gastfreundschaft aus. Ich werde mit Kaffee sowie Obst und Nüssen aus dem eigenen Garten verköstigt. Das Abendessen ist mehr als reichhaltig und absolut köstlich. Viele Produkte stammen aus der eigenen Landwirtschaft. Und das schmeckt man! Das tut gut nach den Erfahrungen der vergangenen Tage.
Bei Sonnenuntergang gibt es ein mega Gewitter. Da bin ich froh, diesmal nicht im Zelt zu sein und frage mich, wie es wohl Sam ergeht.
























































