Freitag, 9. Oktober 2026

Transcaucasian Trail Fazit und FAQ

Transcaucasian Trail - Mein Fazit und FAQ zum Trail


Frequently asked questions: 


- Braucht man für den TCT ein Zelt?


- Ist der TCT durchgängig markiert?


- In welchem Zustand sind die Wege?


- Gibt es Tiere, die mir gefährlich werden können?


- In welchen Orten kann ich Lebensmittel einkaufen?


- Wie sicher ist der TCT für alleinwandernde Frauen?


- Wie verständigt man sich mit den Einheimischen?


- Wo bekomme ich eine Gaskartusche?


- Wo finde ich weitere Informationen?



Meine Erfahrungsberichte: 

Stepanavan bis Alaverdi

Alaverdi bis Dilijan

Dilijan bis Sevan

Sevan bis Hors

Hors bis Spandaryan Reservoir

Spandaryan Reservoir bis Tatev

Tatev bis Kapan

Donnerstag, 10. September 2026

TCT Tatev bis Kapan

TCT Tatev bis Kapan 


07.09.2026 Schlapp

Das Bett im Guesthouse ist diesmal nicht ganz so bequem. Die Matratze ist so weich, dass die Hüfte komplett durchdrückt. Aber das ist es nicht, was mich stört. Bereits in der Nacht fühlt sich mein Bauch etwas flau an. Frühstück gibt es um acht und das reichlich. Ich nehme mir eine ganze Stunde dafür Zeit, schaffe aber ohnehin nicht alles. Man bietet mir sogar an, die Reste mitzunehmen, aber ich lehne ab. Zuviel Gewicht!

Der Rücken ist leider immer noch schmerzhaft und steif. Zum Glück ist der Abstieg von Tatev bis zur "Great Hermitage of Tatev" einfach und in wirklich gutem Zustand. Vor mir wandert eine kleine Gruppe Touristen.

Über einen gepflegten Trail geht es wieder in den Canyon hinab.

Innenhof der Hermitage of Tatev

Blick von oberhalb auf die Hermitage

In der Hermitage lebt ein alter Mann ganz alleine. Die Gruppe hat offensichtlich einen Termin mit ihm. Sie bekommen eine Besichtigung, leider nicht auf Englisch. Ich schaue mich ein wenig um, trinke etwas Wasser und ruhe mich ein wenig aus. Der Rücken tut immer noch weh und das nervt mich.

Danach beginnt der "Vorotan Canyon Loop", der früher ein Teil vom Haupttrail war. Im Slack-Channel habe ich mich zum Zustand des Weges erkundigt und eine Antwort bekommen. Er sei in gutem Zustand, ein wenig überwuchert, aber nicht schlimm.

Zunächst passt diese Beschreibung sehr gut. Der Weg ist herrlich, einsam, es geht auf und ab und dann eben in der Nähe von Fluss entlang. Im Schatten von ein paar Bäumen mache ich eine Stunde Pause und nehme eine Ibuprofen, da der Rücken nicht besser wird.

Der Vorotan Canyon Loop beginnt zauberhaft

Offensichtlich leben hier Stachelschweine.

Oft gibt es angenehmen Schatten.


Nicht mehr lange bleibt der Trail so gut erkennbar. Sobald der Anstieg beginnt, wird er schlechter. Beinahe finde ich den Einstieg nicht. Hier ist er schon deutlich mehr zugewachsen, aber es geht noch. Dann wird es aber sehr steil und in der prallen Sonne bei der intensiven Hitze heute ist das echt eine Qual. Der Weg sieht aus, als wäre es mal ein Flussbett gewesen. Der Untergrund ist stark aufgewühlt und Brombeerranken breiten sich aus.


Dann wird der Untergrund wieder fester, aber das Gestrüpp nimmt zu. Irgendeine Pflanze wächst hier, die buchstäblich an meinen Schuhen festklebt. Ist das ätzend! Das bleibt nicht die einzige Herausforderung, denn zusätzlich gibt es hier unzählige umgefallene Bäume. Als ich diesen Part geschafft habe, muss ich mich durch dichtes Brombeergestrüpp zwängen. Erst als ich einen Bach erreiche, ist der Zustand des Trails urplötzlich viel besser. Hier fanden wohl Pflegearbeiten statt und man sieht genau, wie weit sie gekommen sind. Meine Unterschenkel sind total zerkratzt und auch etwas blutig.


Der Zustand des Trails bleibt leider nicht so.
Zunächst bedeckt Brombeergestrüpp bloß den Boden.

Auch unangenehm klebriges Gestrüpp wächst hier. Bald sind die kompletten Schuhe und Gamaschen voll damit.



Schlagartig verbessert sich der Wegzustand!


Ich pfeife aus dem letzten Loch, als ich endlich nach einer gefühlten Ewigkeit an der Trinkwasserquelle ankomme. Den Rucksack setze ich ab, wasche mich und zupfe so gut es geht die Kletten von der Kleidung.

Soll ich hier bleiben? Die Frage stelle ich mir, doch nach erst 14.5km erscheint es mir doch arg früh. Dabei ist es bereits 16 Uhr. Also gehe ich noch weiter. Zum Glück ist der Trail von hier an vernünftig und meistens auch als solcher erkennbar. Irgendwann ist auch der steile Anstieg geschafft und es geht auch mal wieder flacher vorwärts. Das tut gut.


Sobald ich den Rand des Canyons erreicht habe, ist der Weg wieder ein Genuss.

Zur Entschädigung gibt es tolle Ausblicke. War es das wert?

Wolken ziehen auf. Regen ist vorhergesagt.


Um 18 Uhr nach 19.5km befinde ich mich in einem lichten Wald und suche nach einem Zeltplatz. Gar nicht so einfach, denn meistens ist der Untergrund doch nicht ganz flach. Nach längerer Suche werde ich fündig und bin heilfroh, als ich mich hinlegen kann. Die Rückenschmerzen sind nun erstmal weg, aber dafür ist der Magen in den letzten Stunden schon wieder flau. In der Nacht soll es windig sein und auch gewittern.

Die Nacht bleibt aber trocken und mild.


08.09.2026 Tierische Begegnung 

Den Abend verbringe ich liegend im Bett. Das vorhergesagte Gewitter kommt gar nicht, es regnet nur ganz leicht. Ich schlafe sehr gut in der Stille des Waldes. Doch am nächsten Morgen wache ich mit einem dringenden Bedürfnis auf. Durchfall, ohje. Mir bleibt diesmal auch kein Pech erspart. Zusammen mit dem Frühstück werfe ich eine Loperamid ein.

Der Himmel ist dicht bewölkt und das ist gut so. Es geht wieder bergauf durch diesen wunderschönen Wald mit vielen Eichen und Buchen. Plötzlich bewegt sich etwas im Unterholz, ein graues hundeartiges Tier hat mich erspäht und flüchtet nun in die Sicherheit des dichten Waldes. Moment, dass ist doch ein Wolf! Ich habe gerade eben einen Wolf gesehen und kann es noch gar nicht fassen. Tränen der Rührung kommen mir in die Augen. Einen Moment bleibe ich stehen, doch der Wolf ist verschwunden.

Zwischendurch ist der Weg nicht immer sofort erkennbar.

Hier in der Nähe sehe ich einen Wolf!


Es scheint als würde dieser Weg nicht mehr so häufig benutzt werden. Er ist schon etwas zugewachsen, aber hier nicht auf störende Art und Weise. Am Boden entdecke ich mehrere Bauten. Ob hier die Wölfe wohnen? Ich könnte es mir gut vorstellen.

Dann komme ich an den Rand des Canyons und kann sehr weit bis auf die andere Seite schauen. Die Wolken bedecken den höchsten Teil der Berge, aber es stört mich gar nicht. Es ist auch so wunderschön.

Ein spektakulärer Aussichtspunkt

Wahnsinn oder?!

Nun geht es weiter nach Tandzaver. Hier nehme ich nicht die neue Wegführung vom TCT, sondern eine ältere und kürzere Variante. Diese geht sich gut und ist auch markiert. Nur die letzten zwei Kilometer an der viel befahrenen Asphaltstraße sind nicht so toll.

Abkürzung nach Tandzaver



In Tandzaver biege ich auf den Magic Forest Trail ab. Hier wurden im Wald ein paar Kunstwerke versteckt, die die mystische Stimmung in diesem Wald mit seinen moosbewachsenen Felsen, verstärkt.

Eines der verschiedenen Kunstwerke am Magic Forest Trail





Der Abstieg führt über eine neu wirkende breite Dirtroad viele hunderte Höhenmeter bergab bis an den Rand vom nächsten Dorf. Eine geeignete Stelle für eine Pause will einfach nicht auftauchen. Erst um halb eins kann ich mich zumindest irgendwo ins Gras hocken. Dort habe ich guten Empfang und lese eine Antwort auf meine Frage mit dem Transport von Kapan nach Yerevan. Mir wird der Shuttle von gg empfohlen. Spontan stelle ich fest, dass es für den morgigen Tag am Nachmittag eine Fahrt gibt, danach erst wieder am Wochenende. Kurzfristig buche ich. Der Plan steht nun also!

Über eine neue Dirtroad geht es steil bergab ins Tal

Grabsteine in Armenien sind mit Bildern der Verstorbenen versehen

Hier erinnert mich die Landschaft an Italien. Es wachsen hier viele Buchen.


Der TCT führt mich durch schöne Laubwälder und an kleinen Dörflein wie Dzorastan und Vanek vorbei. Es geht auf und ab und ist oft auch recht flach, was mir zur Abwechslung sehr zusagt. Eine Mineralwasserquelle schmeckt stark nach Eisen und ist sogar etwas sprudelig. Zum Glück finden sich noch weitere Quellen.

Breite Wege und schmale Trails wechseln sich ab.

Der Tag ist angenehm kühl

Abendstimmung am letzten Tag

Schwalbenschanz



Am späten Nachmittag erwartet mich ein weiterer Anstieg. Es zieht sich etwas, doch dann habe ich es geschafft. Der Weg war heute durchgängig markiert, was schon etwas besonderes darstellt. Beim Beginn des Abstiegs habe ich einen magischen Blick auf Kapan und die wildromantische Berglandschaft. Sie erinnert mich hier sehr an Süditalien. Etwas Brombeergestrüpp gibt es auch, aber man kommt gut durch.

Die letzte Nacht im Zelt


Auf einer Lichtung im Wald finde ich gegen 18 Uhr einen einigermaßen flachen Platz für mein Zelt. Die Aussicht ist herrlich und das Wetter ruhig und immer noch bewölkt. Doch so wirklich kann ich den Ausblick nicht genießen, denn ich muss noch eine Unterkunft in Yerevan buchen. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt eine riesige Auswahl, aber die Bewegungen sind weniger erfreulich als in den bisherigen Städten in Armenien. Letztendlich entscheide ich mich für ein Hostel im Zentrum. Der Zeltplatz ist relativ schief und ich muss meinen Rucksack unter die Isomatte legen.


09.09.2026 Der letzte Tag auf dem Transcaucasian Trail 

Die Nacht ist sehr ruhig und mit dem Rucksack unter der Isomatte liege ich ganz gut. Am nächsten Morgen sehe ich das ganze Ausmaß der Bergwelt, nun wo der Himmel klar ist. Beeindruckend sieht das aus.

Der Abstieg nach Shgharshik gefällt mir gut. Das Dorf wirkt verschlafen, aber ein nerviger Hund meint vom Grundstück zu mir herlaufen und mich anbellen zu müssen. 

Auf einer Asphaltstraße geht es hoch zum Vahanavank Monastery. Dort bin ich in der Früh noch ganz alleine.

Road Walk

Vahanavank von innen


Der anschließende süße Singletrail gefällt mir richtig gut und ich werde wehmütig. So gerne würde ich auch noch die restlichen 68 bzw. 78km (je nach Variante) wandern, aber dazu fehlen mir zwei volle Tage. Vielleicht würde der Mount Khustup noch mit der Brechstange gehen, aber so einen krassen Stress möchte ich mir zum Schluss auch nicht mehr machen.

Mein nächster Stop ist die Festung Halidzor, eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die von Davit Bek etwas später in eine Festung umgebaut wurde.

Am letzten Tag gefallen mir die Trails wieder richtig gut. 

Kapan ist bereits erkennbar. Ich habe gemischte Gefühle.

Festung Halidzor

Von hier ist es nicht mehr weit bis nach Bekh. Der Singletrail ist wunderschön und macht den Abschied schwer. Insbesondere da auch meine Rückenschmerzen seit gestern endlich besser geworden sind.

Die letzte Quelle, hier mit einem schönen Cross Stone

Nach Kapan gehe ich zu Fuß


Dann erreiche ich Bekh am Rande von Kapan. Über Asphalt wandere ich bis in die Stadt runter. Leider finde ich auch hier mit der Yandex App kein Taxi und laufe den kompletten Weg in die Innenstadt zu Fuß. Der Shuttle fährt pünktlich um 15:30 Uhr ab und am späten Abend komme ich in Yerevan an. 

Goodbye Transcaucasian Trail!!

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