150km auf dem Trockenmauerweg GR 221 auf der Insel Mallorca
Die Serra de Tramuntana
Entgegen der Vorurteile so mancher bietet die Balearische Insel Mallorca nicht nur für Partygänger und Sonnenanbeter zahlreiche Möglichkeiten, sondern auch für passionierte Wanderer. Im Nordwesten der Insel erstreckt sich auf 1.067 km² das Gebirge der "Serra de Tramuntana" mit seinen bis zu 1445m hohen Gipfeln auf eine Breite von 90km. Insgesamt gibt es 54 Gipfel, die die 1000m-Marke knacken. Viele markierte Wanderwege laden dazu ein das Gebirge mit seinen Gipfeln, Wäldern und pittoresken Dörfern zu erkunden. 2011 ist das Gebiet zum UNESCO-Welterbe erklärt worden.
Die Natur in diesem Gebirge ist noch weitestgehend ursprünglich und bietet spektakulär schöne mediterrane Landschaften. Vom Massentourismus ist diese Seite Mallorcas zum Großteil bisher verschont geblieben. Der 150km lange Fernwanderweg GR 221 hat ca. 6000 Höhenmeter im Aufstieg und stellte eine ideale Möglichkeit dar, diese wilde Landschaft ausgiebig zu erkunden. Starten bzw. enden kann man den Trail in Port d’Andratx und Port de Pollença.
Die Wege sind oft steinig
Überraschend gut markiert fand ich den GR 221 vor und dies gilt nicht nur für bestimmte Abschnitte, sondern für den gesamten Trail. Neu wirkende hölzerne Wegweiser zeigen die jeweilig nächsten Ortschaften, Pässe und Berghütten in Kombination mit einer realistischen Einschätzung an Zeitbedarf an. Zwischendurch gibt es regelmäßig hölzerne Pfeiler mit Richtungspfeilen. Verlaufen ist zumindest schon mal nicht einfach.
Dennoch empfand ich den GR 221 durchaus als nicht einfach, denn die Wege erklimmen die Höhenmeter mit ordentlich Steigung. Überwiegend wanderte ich auf ursprünglichen Wegen, die mit unterschiedlich großen Natursteinen als Untergrund angelegt wurden. Die Untergründe sind entsprechend fast immer hart und nur selten ist der Boden unter den Füßen gleichmäßig. Schuhe mit einer gutem Dämpfung sind daher empfehlenswert.
Logistik und Versorgung
Von zahlreichen Flughäfen kann man Mallorca in etwa zwei Flugstunden von Deutschland aus erreichen. Für mich ging es per vollbesetzter Ryanair-Maschine es zum ersten Mal in meinem Leben auf die inoffizielle deutsche Insel im Mittelmeer.
Vom Aeropuerto aus fährt man entspannt mit dem Bus A1 in die Hauptstadt Palma de Mallorca. Mit der Buslinie 101 erreicht man Port d’Andratx in einer Stunde Fahrzeit. Pollença oder Port de Pollença erreicht man mit der Buslinie 301 in etwa 90 Minuten Fahrzeit. Bezahlen kann man die Bustickets ganz unkompliziert per Bank- oder Kreditkarte.
Gaskartuschen kann man in Palma de Mallorca kaufen. Dort gibt es mehrere Sportgeschäfte und Filialen vom Sportdiscounter Decathlon, die auch sonntags geöffnet haben.
Die Versorgungslage mit Geschäften und Supermärkte ist sehr gut. Fast täglich kommt man an mind. einem Dorf vorbei und kann in kleinen Läden oder Supermärkten einkaufen. Die Orte verfügen alle über öffentliche Wasserspender oder man kauft einfach Flaschenwasser im Geschäft. Es gibt auch mehrere natürliche Quellen, die in OSM vermerkt sind, jedoch führen nicht immer alle auch wirklich Wasser. Es hängt sehr von der Jahreszeit und von der Niederschlagsmenge im Winter ab, ob die Quellen ausgetrocknet oder gut gefüllt sind. Tendenziell sind die Chancen auf gefüllte Wasserquellen zu Jahresbeginn besser als im Herbst. Ich hatte hier großes Glück, denn der Winter soll 2025/26 nass und kühl gewesen sein. Selbst wenn man nur in Ortschaften und Refugios Wasser auffüllen könnte, sollte man nicht mehr als drei Liter pro Person brauchen.
Die ideale Jahreszeit
Die beliebtesten Wandermonate sind März bis Mai und Oktober bis November, da die Temperaturen dann warm sind und das Wetter meistens stabil ist. In den Wintermonaten von Dezember bis Februar ist es kühler und die Regenwahrscheinlichkeit ist höher, ansonsten steht einer Wanderung auf dem GR 221 aber nichts entgegen. Zumindest wenn man Regenkleidung und eine warme Jacke einpackt. Ich war Mitte Februar unterwegs und hatte tagsüber angenehme 10-15 Grad in Kombination mit Sonnenschein und teils starken Winden. Für mich das dieses Klima ideal. In den Sommermonaten wird es sehr heiß und es gibt weniger Schatten, weshalb ich diese Jahreszeit als nicht empfehlenswert einschätze.
Ruhig, aber nicht einsam
Der GR 221 ist durchaus beliebt, dies viel mir bereits am ersten Tag auf. Neben einigen Tageswanderern, die ebenfalls auf den Wegen am und in der Nähe vom Trail unterwegs sind, sah ich auch mehrere Personen mit (sehr) großen Rucksäcken. Dennoch war es insbesondere in den höheren Lagen eher ruhig und nicht überlaufen, aber eben auch nicht einsam. Wer alleine in der Wildnis sein will, wird vom GR 221 wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Wer unterwegs auch mal auf Mitwanderer treffen und die ein oder andere Bekanntschaft machen möchte, wird den Trail genießen können.
Übernachten am GR 221
Da man tägl. durch Dörfer oder Städte kommt, kann man den GR 221 bequem und komfortabel von Hotel zu Hotel gehen. Zudem gibt es direkt am Trail sechs offizielle Refugios vom Consell de Mallorca.
Diese sind mit 14€ pro Person im Schlafsaal sehr günstig und schlicht gehalten. Jedoch sollte man sowohl Unterkünfte als auch die Refugios rechtzeitig, am besten mehrere Wochen im Vorhinein buchen. Dies gilt insbesondere für die beliebten Jahreszeiten im Frühling und im Herbst, da die Schlafplätze bereits lange Zeit im Vorhinein ausgebucht sein können. In der Nebensaison kann man auch telefonisch versuchen spontan einen Schlafplatz im Refugio zu bekommen. Will man spontan in den Ortschaften übernachten, kann es sehr teuer werden. Da es zwischen Sant Elm und Estellencs keine offizielles Refugios gibt, weichen viele auf die private Unterkunft "Ses Fontanelles" aus. Hier gibt es allerdings sehr kontroverse Erfahrungen, die mich persönlich abgeschreckt haben.
Wildzelten ist auf Mallorca offiziell verboten und kann daher nicht einfach empfohlen werden. Die auffällig vielen flachen und glatten Flächen am Wegesrand, die selbst in steilen Abschnitten zu finden sind, sprechen jedoch eine andere Sprache. Interessanterweise fand ich diese fast immer sehr sauber vor - keine Spur von dem Müll den manche schwarze Schafe sonst hinterlassen. Aber wie es in der Hauptsaison aussieht weiß ich nicht.
In Lluc gibt es den einzigen offiziellen Campingplatz direkt am Weg. Diesen plante ich zu nutzen, konnte jedoch kurzfristig kein Plätzchen mehr für mich reservieren. Zumindest am Wochenende scheint auch hier eine rechtzeitig Vorbuchung nötig zu sein.
Hier mein Tourbericht:
16.02.2026 Start mit Meerblick
Um 8:50 Uhr nahm ich die Buslinie 101 direkt nach Port d' Andratx. Bezahlt wird hier ganz modern mit der Karte. Man hält die Bankkarte jeweils beim Ein- und Ausstieg an ein Gerät. Ganz einfach und unkompliziert. Nach rund einer Stunde Fahrzeit kam ich an und wollte direkt loslaufen. Doch vorher wollte ich noch meine brandneue GPS-Uhr aktivieren. Dies gestaltete sich leider schwieriger als gedacht - die Topokarte, die ich zuvor Zuhause runtergeladen hatte, wollte einfach nicht sichtbar sein. Die KI war auch keine wirkliche Hilfe. Frustriert zog ich ohne los.
Direkt geht es bergauf durch einen lichten Kiefernwald zum Coll des Vent, einer Anhöhe mit Ausblick. Der darauffolgende Höhenweg war sehr angenehm. Richtig schön wurde es am pas Vermell. Auf dem Weg überholte ich zwei große geführte Gruppen. Natürlich aus Deutschland. Alleine scheint man auf diesem Trail nicht zu sein.
Das Örtchen Sant Elm war nicht mehr weit. Dort gönnte ich mir nach dem Frust mit der Uhr eine Kugel Eis. Die Pause tat gut. Bevor ich den Ort verließ, füllte ich mir 2.8l Wasser ab und begann den nächsten Anstieg. Dieser war nicht einfach, aber sehr schön. Es waren auch einige Dayhiker unterwegs. Nach dem steilen Anstieg auf Fels, tat der ebene Weg bei La Trapa gut. Hier war es geplant ein Refugio zu bauen, aber dieses Vorhaben wurde bisher nicht abgeschlossen. So ging es lange, bis der Abstieg zur Straße begann. Nach der Querung dieser, kam natürlich der nächste Anstieg. Aufgrund der vielen negativen Rezensionen, hatte ich mich gegen die Privatunterkunft Ses Fontanelles entschieden.
Dahinter wurde es endlich einsam und landschaftlich auch wieder reizvoller. Stetig ging es über holprige Pfade den Berg hoch. Schon seit Sant Elm wurde ich vom kräftigen Wind begleitet. Nahe einer Hütte, entschied ich mich, noch weiter anzusteigen. Oben soll es eine windgeschütze Stelle geben. Der Trail war sehr steil und anstrengend mit dem vielen Fels. Hinter mir ging bereits die Sonne unter.
Gerade noch rechtzeitig erreichte ich die Anhöhe. Tatsächlich gibt es dort eine kleine windgeschützte Stelle für ein kleiner Zelt. Und diesen Windschutz brauchte ich auch. Der Himmel verfärbte sich flammend rot - es war atemberaubend. Dabei baute ich mein Biwak auf und zog mir warme Kleidung an.
17.02.2026 Puig de Galatzó
Die Nacht war eher von der ungemütlichen Sorte, denn der Wind drehte in der Nacht noch weiter auf und machte einen Heidenlärm. Zu. Glück war ich gut geschützt zwischen den Mauern. Bei Sonnenaufgang ging ich los. Der Wind war immer noch sehr stark und störte beim Gehen. Die mediterrane Berglandschaft mit Meerblick gefiel mir richtig gut. Etwas unterhalb vom Weg sollte es eine versteckte Wasserquelle geben. Daher nahm ich den kleinen Umweg in Kauf und konnte meine Vorräte auffüllen und mich etwas frisch machen.
Bei der Gruppenunterkunft "Coma d'en Vidal" waren Bauarbeiter am arbeiten. Der darauffolgende Abstieg auf einer Schotterstraße war steil und unangenehm. Ich war froh, als ich rechts in Richtung "Puig de Galatzó" abbiegen konnte. Diesen Umweg wollte ich gehen, denn er versprach spannender zu sein als der originale Weg. Er war tatsächlich sehr reizvoll angelegt und gefiel mir bis zur Weggkreuzung sehr gut. Ab dort begann der finale Aufstieg, der mit 40min ausgeschildert war. Diese 40min zogen sich und kamen mir viel länger vor. Anfangs war der Weg noch angenehm, wurde nach und nach aber anspruchsvoller. Ganz oben pfeifte der Wind wie verrückt und Markierungen fand ich auch keine mehr. Oben angekommen war ich nicht mehr alleine wie bisher. Dort saß eine große Gruppe und genoss die Aussicht bis nach Palma.
Den Abstieg brachte ich schnell hinter mich. Hatte sich der Abstecher auf den Gipfel gelohnt? Ich weiß es nicht so recht. Nach Estellencs nahm ich nicht den kürzesten Weg, sondern einen etwas längeren, der eine längere ebene Passage versprach. Durch einen dunklen Steineichenwald führte mich der Weg. In der Mitte sogar durch ein Gebiet, was als privat gekennzeichnet ist. Jedoch sah ich keine Zäune oder sonstige Hindernisse.
Am späten Mittag kam ich in Estellens an und kaufte ein paar Snacks ein. Dort war ich nicht alleine, mindestens vier weitere Trekker traf ich in der kurzen Zeit, die ich dort verbrachte. Interessanterweise hatten sie alle riesengroße Rucksäcke mit mind 50 Liter Volumen. Dabei ist die übliche Vorgehensweise in Unterkünften zu nächtigen. Ob sie auch zelten? Selbst dafür braucht es nicht derart viel Gepäck. Naja ultra heavy ist wohl immer noch sehr beliebt bei Mehrtageswanderern.
Die nächsten Kilometer blieben zivilisationsnah und einfach, aber trotzdem lieblich geführt. Auf der Hälfte der Strecke bis Banyalbufar gibt es eine Quelle und eine offene Schutzhütte. Die Quelle war abgestanden und sah wenig appetitlich aus. Trotzdem füllte ich mir was ab, nur um es später auszukippen. Die Hütte war tatsächlich offen, aber es war erst 16 Uhr und ich wollte gerne noch zwei Stunden weitergehen.
Banyalbufar umging ich weiter oben, da ich mir die unnötigen Höhenmeter sparen wollte. Ich wählte aber nicht die offizielle Alternative, da diese auf einer breiten Forststraße führt. In der Karte fand ich eine dünne Linie, der ich folgte. Am Abzweig fand ich fließendes Wasser und tauschte das unappettitliche aus. Der Pfad entpuppte sich als leicht abenteuerlicher Weg auf einer vergrabenen Wasserleitung entlang der Trockensteinmauern. Offensichtlich nur bei den Locals bekannt und unscheinbar. Dieser Abschnitt gefiel mir richtig gut!
Er mündete ich einer schmalen Straße, die sich steil bergauf windet. Nach und nach ging diese in Steinstufen und Fußwege über. Am flachen Coll des Pi fand ich keine Biwakstelle, aber etwas weiter unten oberhalb vom Weg fand ich einen perfekten Platz.
18.02.2026 Steineichenwald mit Ausblick
Die Nacht war im Gegensatz zur gestrigen sehr erholsam und ruhig. Bis nach Esporles blieb der GR 221 ein richtig schöner Wanderweg durch den Wald, bestehend aus Steineichen. Der Untergrund bestand überwiegend aus alten Steinwegen. An einem Bach kurz vor dem Dorf konnte ich meinen schokoverschmierten Daypack und den Liner mit Wasser säubern. Ich hängte den Daypack außen an den Rucksack um ihn zu trocknen. In Esporles kaufte ich eine Dose Pringles und gönnte mir eine Kugel Eis + Cappuccino in einem Café.
Im weiteren Verlauf ging es, wie sollte es auch anders sein, wieder bergauf. Diesmal auf einer kleinen Straße, die an mediterranen Bauernhöfen vorbeiführte. Im Schatten aß ich etwas mehr als die Hälfte der Pringles - ich war hungrig. Der GR ging auf einen idyllischen Wanderweg über, der erst steil uns dann wieder flach zum pla de l' Aljub führte, einer gemauerten Schutzhütte und einer Wasserquelle. Diese führte heuer reichlich Wasser und ich konnte mich nach dem schweißtreibenden Anstieg etwas frisch machen. Kurz darauf gesellten sich Sarah und Stefan aus dem Allgäu dazu. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass sie bereits das sechste Mal auf dem GR 221 unterwegs sind. Denn dieser ist einfach super schön!
Kurz darauf wurde es wieder schweißtreibend, den es ging hoch auf den felsigen Mola de sa Comuna. Erstaunlicherweise gibt es trotzdem viele tolle Zeltstellen, sogar ein kleines teils überdachtes Biwak. An manchen Stellen konnte ich bis zum Meer sehen.
Der Abstieg war ebenso toll angelegt wie der Aufstieg. Eine große Trockenmauer wurde mittels Treppenstufen überwunden. Kreativ!
Valldemossa wirkt lieblich, aber auch nicht untouristisch mit seinen vielen Cafés und Restaurants. Leider waren alle Eiscafés an diesem Tag geschlossen. Schade! Im Supermarkt kaufte ich ein und ruhte mich noch auf einer Bank aus, ehe es gegen 16 Uhr weiterging.
Auch diesmal waren die Wege zunächst breit und wurden nach und nach schmaler. Wieder kam ich durch dichten Steineichenwald. Das Gefälle nahm immer weiter zu. Trotzdem sah ich einige auffällig flache und saubere Stellen. Stefan und Sarah hatten mir das Refugi de son Moragues als Spot für die Nacht empfohlen. Die Hütte ist zwar verschlossen, aber außen ist Platz. Dies war auch der Fall, doch der unebene Steinboden wirkte nicht so gemütlich wie ein weicher Waldboden. Auch wirkten die Asche und die Orangenschalen am Boden wenig einladend. Etwa eine Stunde Tageslicht hatte ich noch, daher ging ich spontan noch weiter bergauf. Wie vorhergesagt, nahm der Wind an Geschwindigkeit zu - ich brauchte definitiv ein geschütztes Plätzchen. Falls ich keines finde, könnte ich immer noch umdrehen. Oben am Puig Gros wehte es die Wolken von einer Seite auf die andere. Die Aussicht am Kammweg hier war genial!
An einem Wegabzweig fand ich ein Kiefernwäldchen mit mehreren flache Stellen, von denen einige gut geschützt waren. In der Nähe befindet sich sogar eine gefasste Quelle. Der Wind wurde immer stärker, aber dort hatte ich top Windschutz.
19.02.2025 Herzrasen zum Schluss
Der Windschutz war auch bitter nötig, denn in der Nacht stürmte es richtig heftig. Am nächsten Morgen war ein Baum direkt am Trail entwurzelt. Das war am Vorabend noch nicht der Fall gewesen.
So konnte ich am Donnerstag frisch und erholt weiterwandern. Der stürmische Wind erschwerte das Vorankommen und ich war erleichtert, als es bergab ging. Auf wenigen Kilometern verliert der GR 221 hier 800hm auf dem Weg runter nach Deia. Spektakulär ging es in Serpentinen nach unten. Selbst hier kam ich an ein paar auffälligen flachen und sauberen Stellen vorbei. In Deia kaufte ich in der Bäckerei ein Stück Pizza, aß dieses aber erst etwas später. Hätte ich sie gleich gegessen, hätte ich Nachschub gekauft. Die Bäckerei ist definitiv zu empfehlen.
Zwischen Deia und Sóller geht es beständig auf und ab, wenn auch nie lange. Der Weg ist auch bei Tageswanderern sehr beliebt. Beim Hotel Corazón kann man zwischen der originalen, etwas längeren Variante, und einer Abkürzung entscheiden. Ich wählte die längere Variante. Diese führte die erste Hälfte langweilig auf Nebenstraßen, ehe es auf Pfaden weiterging. Der Weg zog sich und erst um 14:30 Uhr erreichte ich Sóller. Hier kaufte ich für die nächsten 50km ein und gönnte mir eine warme Mahlzeit in einem indischen Restaurant.
Um 16 Uhr wanderte ich weiter in Richtung Biniaraix. Oberhalb von dem Ort kommt man in die beliebte Schlucht von Biniaraix. Als Spot für die Übernachtung steuerte ich das Refugi de Xim Joy an, welches laut meiner Recherche als Campingplatz dienen soll. Durch treppenartig angelegte Olivenhaine kam ich auf dem sehr gepflegten Weg immer weiter nach oben. Das Refugi Xim Joy fand ich allerdings hinter einem Zaun mit Vorhängeschloss vor. So wurde nichts aus diesem Plan und planlos stieg ich weiter bergan. Vor dem steilsten Anstieg blieb ich stehen und überlegte. Bis zum Einbruch der Dunkelheit würde ich es nicht mehr in flacheres Gelände schaffen und für diese Nacht waren erneut sehr starke Winde vorhergesagt. Ich suchte etwas und fand auch eine versteckte Stelle. Doch beim Probeliegen stellte ich fest: sie ist schief. Arrgh. In der Nähe eines kleinen Wasserfalls gibt es eine große runde Ebene. Als es bereits dunkel war, legte ich mich dort hin. Kurz bevor ich fertig war, erschreckte mich ein Mann mit einem großen Rucksack mit seinem "Hola!". Ich ging davon aus ab nun meine Ruhe zu haben, doch mind. zwei Trailrunner kamen mit Kopflampen vorbei und das obwohl ich nicht am Hauptweg war. Zumindest dachte ich dies. Mir wurde es dort zu belebt und spontan baute ich ab und stieg die Treppen herunter. Weiter unten errichtete ich erneut mein Biwak auf einer ebenen Stelle. Hier wäre ich zwar bei Tageslicht vom Weg aus einsehbar, aber im dunkeln weit genug weg für Nachtwanderer.
20.02.2026 Der schönste Abschnitt auf dem GR 221
Die restliche Nacht blieb dann ruhig. Dennoch baute ich noch vor dem Morgengrauen ab und aß zum Frühstück zwei Müsliriegel bevor ich losging. Den Beginn des neuen Tages hier oben zu beginnen war ein besonderes Erlebnis, welches mir lieber ist, als unten in der Stadt aufzuwachen.
Mit der kühlen Morgenluft waren die letzten 480hm bis zum Coll de Lofra entspannt zu erklimmen. Dort oben gab es wohl auch passable Zeltplätze, denn zwei Wanderer packten gerade ihr Zeug zusammen. Vom Pass hatte ich einen weiten Blick bis zum Stausee Cúber. An diesem See ging es danach entlang - hier war ich nicht mehr alleine. Ein Parkplatz war nämlich ganz in der Nähe.
Ich wählte die anspruchsvollere Alternative über den "Pas de Llis". Dieser lohnt sich meiner Meinung nach, denn die Panoramen sind spektakulär und der Trail selbst ist es auch. Es gibt sogar eine seilversicherte Passage. Am Mittag kam ich am Refugi Tossal Verds vorbei und ein weiterer längerer Anstieg begann. Das Ziel ist der höchste Pass vom GR 221 namens "Coll des Prat" auf 1205m Höhe. Bis dahin zog sich der Weg, die Steigung war ausnahmsweise moderat. Angenehm ging es im Schatten der Steineichen sanft nach oben, vorbei an mehreren Wasserquellen. Auch hier gibt es Überreste von den zahlreichen Köhlerplattformen. Ab 1000m lichtete sich der Wald immer mehr und wurde durch hoch wachsende Gräser ersetzt. Hier gibt es die Möglichkeit den zweithöchsten Berg der Insel mitzunehmen, wozu für mich die Zeit aber etwas zu knapp war. Aber schon vom Pass aus hat man eine ganz tolle Aussicht in zwei Richtungen.
Über kleinere Pässe ging es bergab. Dabei kam ich auch an den Ruinen der Schneehäuser vorbei, wo früher Einheimischen Schnee gesammelt haben. Den Puig Galileu nahm ich noch mit - für den kleinen Abzweig reichte die Zeit noch. Die tief stehende Sonne zauberte Glanz ins grasige Umland - einfach zauberhaft.
Dann ging es über steinerne Treppenstufen steil nach unten und rasch verlor ich an Höhe. Unterhalb der Baumgrenze im Eichenwald baute ich mein Biwak auf einem alten Köhlerplatz auf. Der ursprüngliche Plan war es nach Lluc abzusteigen und auf dem dortigen Campingplatz zu nächtigen. Jedoch schaffte ich es nicht online einen Platz zu reservieren, was obligatorisch ist. Wahrscheinlichkeit war er ausgebucht, zumindest konnte ich das entsprechende Datum gar nicht eingeben. Weder auf der Website noch bei Booking funktionierte es.
21.02.2026 Nach der Kür kommt die Pflicht
Die Nacht war ruhig und ich konnte gut schlafen, wenn ich auch immer noch mit der rutschigen Oberfläche meiner Therm-a-rest Xlite NXT zu kämpfen hatte. Der Abstieg über die treppenartigen Wege mit Natursteinen dauerte noch rund eine Stunde. In Lluc war ich einen Blick auf den religiösen Wallfahrtsort "Santuari de Lluc" mit seinem botanischen Garten. Dieser ist sehr kreativ mit vielen Wasserläufen und Grünpflanzen angelegt, bietet aber leider wenige Informationen zur einheimischen Flora.
Zum Refugi Son Amer muss man noch einen kleinen gut ausgebauten Anstieg bewältigen. Danach geht es fast nur noch bergab durch einen ewig erscheinenden Steineichendwald. Der Wanderweg ist meistens eher breit, aber durch grobes Geröll etwas mühselig. Durch die nordwestliche Lage wanderte ich angenehm kühl im Schatten der Bergkette. Wasserquellen gibt es mehrere am Wegesrand.
Etwa sechs Kilometer vor der Stadt Pollenca erreicht man das zivilisiertes Gebiet im Stadtumfeld. Bevor man die Stadt erreicht, wandert man auf Nebenstraßen und Wanderwegen an Bauernhöfen und dem Muntanya-Bach vorbei. Mir kam dieser Abschnitt eher langweilig vor.
Offiziell endet der GR 221 in Port de Pollenca, doch die letzten sieben Kilometer führt er nur noch direkt an der vielbefahrenen Landstraße entlang. Zwar gibt es dort einen betonierten Fußweg mit feiner Kiesauflage, doch lohnenswert erschien mir diese letzten Kilometer definitiv nicht. Im Urlaub empfinde ich so etwas als Zeitverschwendung, auf die ich verzichten kann. Daher wanderte ich nur noch bis zum Lidl und nahm an der Haltestelle gegenüber den nächsten Bus zurück nach Palma.




