Sonntag, 27. August 2023

Abisko bis Altevasshytta

Abisko bis Altevasshytta


Nach dem Wetter entscheiden 


27.08.2023 Mal ausnahmsweise trockene Wege


Nach einer angenehmen Nacht im Hostel frühstückte ich noch gemütlich zusammen mit einer deutschen Familie, ehe ich um neun Uhr loslief. 

Das Wetter war wie erwartet ein Traum: blauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Auf einer Schotterstraße lief ich die zwei Kilometer bis zur Abisko Turistststion, wo ich unkompliziert eine 100g Gaskartusche erstehen und meine fast leere abgeben konnte. Darüber freute ich mich sehr, denn oftmals gibt es nur mind. 230er zu kaufen. 

Anschluss folgte ich dem Rallarvägen, einem gut markierten Wanderpfad, der immer nahe der E10 verläuft. Der Abstand zur Straße ist dennoch groß genug, um kaum etwas von ihr mitzukriegen. Ich genoss das Wandern auf diesem Weg sehr, es war einfach und überwiegend eben. Zwischendurch gab es Sitzgelegenheiten oder sogar Unterstände. Einen besonders idyllisch gelegenen nutze ich für eine Rast im Schatten. 

Irgendwann kreuzte der Rallarvägen die E10 und ich bog auf den Weg zur Pålnostugan ab. Ab sofort ging es wieder ruppig zur Sache. Es ging rauf und runter und das oft über grobes Gestein. Ein besonders grobes Blockfeld konnte ich komfortabel auf Planken überqueren. 

Das ständige auf und ab ließ den Schweiz rinnen und ich sehnte mich nach einem Bad. Wie gerufen kam ich an einem kleinen See vorbei. Dort erfrischte ich mich im kalten Wasser: herrlich! 

Blöderweise tat mein Bauch durch den engen Hüftgurt mal wieder etwas weh. Verhindern kann ich dies oft nicht, da sonst das ganze Gewicht auf den Schultern lastet. Und das geht gar nicht. Wieso muss ich auch so einen empfindlichen Bauch haben?!

Die Pålnostugan liegt direkt am riesigen Torneträsk. Der See ist so groß, dass es am Ufer sogar eine Brandung gibt. Die Hütte ist offen zugänglich und mit sechs komfortablen Betten ausgestattet. Hätte Daniel mir nicht geschrieben, dass er heute in der Lappjordhytta nächtigt, wäre ich vielleicht dort geblieben. Doch die nette Gesellschaft wollte ich nicht verpassen. Alleine werde ich noch oft genug unterwegs sein. 

Nach einem Kilometer erreichte ich die norwegische Grenze, von der man eine sehr schöne Aussicht hat. Markiert ist sie bloß durch einen großen gelben Steinblock. 

Dahinter ging es richtig steil bergauf durch den Birkenwald, der schon teilweise gelbe Blätter bekommen hatte. Ich kämpfte mich hoch und erreichte um 17 Uhr die Lappjordhytta mit ihrem tollen Ausblick auf den Torneträsk. Daniel war vor etwa 30 Minuten angekommen und hatte bereits Wasser geholt. Wir blieben alleine und konnten einen sehr gemütlichen Abend miteinander verbringen. 

Ausblick von der Hütte aus:


28.08.2023 Die Huskyfarm Innset


Daniel brach früher auf als ich, sodass ich die ersten Stunden alleine unterwegs war. Der Aufstieg war zwar immer noch schweißtreibend, aber nicht mehr so steil wie der Aufstieg zur Lappjordhytta. 

Schon kurz oberhalb der Hütte war die Baumgrenze erreicht und ich hatte freie Sicht auf die schöne Bergwelt. Hier war der Pfad erstaunlich trocken. 

Erst nach der Querung vom breiten aber flachen Riksojohka wurde es zwischenzeitlich sumpfig. In der Ferne sah ich Daniel laufen, es dauerte aber noch, bis ich ihn eingeholt hatte. 

Linkerhand hatte ich einen ganz tollen Blick auf den Gletscher vom Riksočohkka. Perfekt für eine Snackpause!

Im Tal des Láirevággi war es ebenfalls etwas sumpfig. Rechterhand sah ich eine Häusersiedlung der Sami. Aktuell schien dort keiner zu wohnen. Bald hatte ich Daniel eingeholt und quasi im gleichen Moment fing es an zu regnen. So war das aber nicht vorhergesagt gewesen! Genervt zogen wir die Regenjacken an. Der Regen war zwar nicht stark, aber durch den Wind war es eiskalt. Meine Finger waren schon ziemlich steif. Gerne hätte ich Handschuhe angezogen, nur blöd, wenn diese ganz unten im Rucksack sind. 

Als wir eine Fahrspur erreichten, hörte der Regen langsam auf, der Wind war weiterhin kalt und lästig. Abwechselnd folgten wir dem Fahrweg oder dem DNT-Weg, der parallel verlief. Irgendwann gab es nur noch den Fahrweg, der nach unten hin breiter wurde. 

Über einen unbewohnten Wohnmobilstellplatz kürzten wir zur Straße ab. Inzwischen war es auch wieder wärmer und die Sonne schien. 

Die letzten vier Kilometer auf der Straße waren gefühlt doppelt so lang. Um halb drei kamen wir bei der Huskyfarm in Innset an, wo wir zunächst eine große Baustelle sahen. Die Huskyfarm wird aktuell um ein großes Gebäude mit Restaurant, Sanitärraum und Sauna erweitert. Besonders erstaunlich ist, dass alle Helfer unentgeltlich gegen Kost & Logis arbeiten. Die Helfer haben sich alle freiwillig gemeldet und sind teilweise schon mehrere Monate da. Daher können Wanderer dieses Jahr auch nur im Zelt übernachten. Dennoch wurden wir herzlich empfangen und bekamen prompt unsere Pakete. Nachdem wir unsere Zelt auf der Wiese aufgestellt hatten, machten Daniel und ich uns gleichzeitig an die Arbeit. In einer grossen Gamme konnten wir den Inhalt unserer Pakete ausbreiten und die Sachen umpacken. Mein Beutel mit Hauptmahlzeiten war zu groß geraten, daher blieb ein Teil dort. Auch die Batterien konnte ich nicht gebrauchen. Das beste jedoch war ein neues Paar Schuhe! Meine alten waren schon mehr als abgetragen und mussten dringend ersetzt werden. Das Laufen fühlt sich mit neuen Schuhen gleich viel besser an!

Als wir fertig waren, kam Max Baudrexl aus dem Chiemgau dazu. Er läuft auch NPL und war bisher hinter uns. Sofort kamen wir drei ins Gespräch. 

Anschließend schaute ich mich bei den Huskys (Grönlandhunde) um und streichelte einige von den 85 Hunden. Einige sind im freien an einer Kette angebunden. Andere sind in einer Gruppe im Zwinger. Zudem hat jeder Hund eine kleine Hundehütte, in die er sich zurückziehen kann. Später begrüßte uns Morten Klauer, der aktuelle Chef der Huskyfarm. 

Den Abend verbrachten wir zu dritt bei Kerzenschein in der großen Gamme. Max, es war toll, dich nun auch endlich kennengelernt zu haben!


29.08.2023 Ein Ruhetag und drei Schulklassen


Den letzten Ruhetag hatte ich in Sulitjelma und so langsam merke ich, dass ich mal wieder einen brauchen könnte. Da man in Innset aktuell nur zelten kann, hielt ich einen Ruhetag dort für eher suboptimal. Die Altevasshytta ist bloß 4.5km von der Huskyfarm entfernt und da man dort vorbuchen muss, hatte sowohl Daniel als auch ich ein Bett reserviert. Die Hütte hat nämlich ein Zahlenschloss. 

Die Nacht in Innset war erholsam und die Hunde waren in der Nacht erstaunlich ruhig. Obwohl es regnete, schliefen viele von ihnen im freien. Nur ein paar lagen in den Hundehütten. 

Nach dem Frühstück lernten wir den sehr systematischen Alex kennen. Dieser deutsche junge Mann ist vor ein paar Jahren selbst NPL gelaufen und arbeitet inzwischen als Arctic Nature Guide auf der Huskyfarm. Klingt nach einem richtigen Traumjob! Er bot uns an, uns ein Stück die Straße hochzufahren. Das Angebot nahmen wir dankend an und so mussten wir nur noch eine kurze Strecke von einem Kilometer zur Hütte laufen. Alex setzte uns dort ab, wo wir aufgehört hatten. Max blieb auf der Huskyfarm für einen Ruhetag im Zelt. 

Um halb elf kamen wir bei der Hütte an. Nur ein Gast war dort noch abwesend, wollte aber bald abreisen. Gerade als ich Wasser holen wollte, kamen plötzlich unzählige Kinder zur Hütte. "Oh nein, ist das etwa eine Schulklasse?" Es stellte sich heraus, dass es gleich drei Schulklassen waren, die eine Nacht in der bzw. eine Nacht im Zelt neben der Hütte nächtigen wollten. Frustriert packten Daniel und ich unser Zeug wieder ein und zogen in die kleine Nebenhütte um. So hatten wir uns den Ruhetag nicht vorgestellt...

Egal. Man muss das beste draus machen, also machten wir uns es in der kleinen Hütte so gemütlich, wie es eben geht. Später sagte Hans Viktor "Hallo", denn er wollte hier zwei Nächte bleiben. Er entschied, das von uns gebuchte Zimmer in der Haupthütte zu belegen. 

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