Freitag, 21. August 2026

TCT Stepanavan bis Alaverdi

TCT Teil 1 Stepanavan bis Alaverdi

14.08.2026 Nasse Begrüßung in Armenien 

Arno steht bereits mitten in der Nacht auf, um seinen Flug zu erwischen. Ich selbst darf noch ein paar nervöse Stunden schlafen. Mein Bus nach Armenien geht erst um 9 Uhr. Gerade noch rechtzeitig informiert mich das Busunternehmen per WhatsApp, bei dem ich einen Sitzplatz reserviert habe, über eine Veränderung des Abfahrtsorts. Fünf Minuten später und ich wäre im Taxi zum falschen Terminal gewesen. Eine halbe Stunde vor planmäßiger Abfahrt komme ich am Busbahnhof Ortachala an. Ein Mann gibt mir einen Schnipsel Papier und nimmt mir 50 GEL ab. Ich bin sehr aufgeregt und sorge mich, dass unterwegs Probleme entstehen. Nervös gehe ich auf und ab, bis der Minibus mit 20 Minuten Verspätung kommt. Nun bin ich etwas erleichtert.

Die Grenzkontrolle ist problemlos und die Fahrt ist kurzweilig. In Vanadzor steige ich aus, muss aber noch ins Zentrum gehen. Nun fängt es an zu regnen. Dort hebe ich mir gebührenfrei Bargeld ab und bestelle mir mit der Yandex-Go-App ein Taxi nach Stepanavan. Jedoch wundere ich mich, warum es nicht ankommt und starre verwirrt auf den Bildschirm und auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Plötzlich springt der Punkt mit dem zuständigen PKW zu einem anderen Ort oder ist es mein Standort, der springt? Ich habe mich nahe eines Kreisverkehrs hingestellt und nun zeigt er mir einen anderen Kreisverkehr an. Joggend mache ich mich auf den Weg zu dem Taxi und muss dabei zweimal die Straße queren. Völlig verschwitzt und zusätzlich nass vom Regen finde ich das richtige Fahrzeug. Die Wartezeit vom Taxi wird extra berechnet.


Jetzt bin ich endlich auf dem Trail. Am Lori Adventure Park geht es in einen dichten Wald auf einen breiten Fußweg. Direkt am Einstieg finde ich eine TCT-Markierung. Bald lichtet sich der Wald und ich komme auf eine weite Wiese. In der Ferne höre ich leises Donnergrollen. Von rechts kommt ein Hirte mit seiner Kuhherde samt Hund in die gleiche Richtung, wie ich gehe.


Ich lege einen Zahn zu und gleichzeitig fängt es an zu regnen. Schnell ziehe ich die Regenjacke an und der Regen wird bald so richtig kräftig. Eher weglos geht es eine Wiese bergab bis zu einer Erdstraße. Inzwischen rinnen dreckige braune Bäche die Straße entlang. Blöderweise habe ich meine Regenhose nicht angezogen, weil ich nicht in die Rindeherde gelangen wollte. Nun ist meine Hose völlig durchweicht und klebt am Körper.


Der starke Gewitterregen hat einen Bach anschwellen lassen. Na gut, dann gibt es heute die erste Furt in Armenien. Die Socken sind ohnehin schon flatschnass! 

Als ich Pushkino erreiche, lässt der Regen nach und die Sonne fängt an zu scheinen. Am Weg gibt es einen kleinen Laden, wo ich einen Joghurt erstehe. Schneller als erwartet erreiche ich Gargar und das Hostel Geologist's Home. Die Verständigung mit dem alten Mann geht nur mit Händen und Füßen und Google Translate. Davit kommt bald dazu und kann übersetzen. Meinen Rucksack räume ich leer und dann kaufe ich noch im Shop in Gargar fürs Abendessen ein. Ich bin dabei so ungeschickt, dass ich eine Packung lose Kekse umwerfe. Ich schäme mich und fühle mich wie ein Elefant im Porzellanladen. Die Verständigung ist nicht möglich, da die Verkäuferin kein Englisch spricht und ich kein Armenisch. Aber immerhin bekomme ich etwas fürs Abendessen.


Im Hostel bin ich alleine und mache es mir nach dem Abendessen gemütlich. Der Tag war turbulent und die meiste Zeit war ich nervös. Angekommen bin ich von Gefühl her noch nicht in Armenien.

15.08.2026 Canyon-Walk

Die Nacht im Hostel ist erholsam und ich hole etwas Schlaf nach. Gemütlich frühstücke ich in der Küche mein Müsli aus Deutschland mit Pfirsichjoghurt. Erst um neun Uhr komme ich weg.

Laut Wetterbericht soll es den Tag über leicht regnen. Der Himmel ist bedeckt und ich fühle mich beobachtet, als ich Gargar verlasse. Schon bald tauche ich in einen dichten Wald ein. Die Wege sind im Prinzip einfach, aber der teils sehr matschige Untergrund macht es nicht einfach. Viele Schlammlöcher müssen umgangen werden. 


Nahe vom Dendropark ist der Pfad kaum noch erkennbar. Junge Bäume haben sich hier ausgebreitet. Bald wird der Weg wieder klar, aber der Matsch bleibt, bis ich die freien Wiesen erreiche. 


Die Ausblicke auf die Dörfer im Tal gefallen mir sehr gut. Ich komme an einem Hirten vorbei und grüße auf armenisch. Das Wort wird "barew" ausgesprochen. Mehr Kommunikation ist leider nicht möglich.


In Kurtan erstehe ich ein spottbilliges kleines Eis. Die Einwohner und auch die Kinder starren mich an. Sehe ich mit meinem Rucksack so außergewöhnlich aus? Oder liegt es an den Shorts? Das Klima ist sommerlich warm und für mich zu warm für eine lange Hose. 


Hinter Kurtan verändert sich die Landschaft dramatisch. Ich steige einen steilen Canyon hinab. Der Pfad ist etwas abenteuerlich, aber gut markiert. Auf der anderen Seite vom Fluss Gargar steht die Ruine vom Kloster Hnevank. Den Umweg dahin spare ich mir, auch wenn ich mir zunächst unsicher bin. 

Am Fluss folge ich der breiten Straße. Hier sind einige PKWs unterwegs und am Ufer verbringen die Einheimischen ihren Samstag. Der Aufstieg nach Tsater ist richtig toll. Ich sehe einen Fuchs auf einer freien Fläche wegrennen. Oben am Rand vom Canyon an einer Viehtränke begegnet mir ein Hirte. Leider verstehe ich nicht, was er sagt. Es ist schade, die Kommunikation hier ist wirklich schwierig.


Es geht auf einem guten Wanderweg ein Stück hinab, danach folgt der Weg dem Verlauf des beeindruckenden Canyons. Die Blicke sind richtig spektakulär! Schon bald ist der Pfad mit hohen vertrocknetem Gras und sonstigem Gestrüpp überwachsen. Dennoch bleibt er gut erkennbar.



Um 18 Uhr finde ich eine sandige Stelle unterhalb eines Felsabhangs. Dort könnte man zelten, aber es treibt mich weiter. An der Stelle scheinen öfters Steine runterzukommen.


Der weitere Weg zieht sich. Keinerlei Zeltmöglichkeiten! Steil geht es durch einen dichten Wald hinab, bis ich den Weg zur Ruine Kobayr kreuze. Dort gibt es Möglichkeiten mein Zelt aufzustellen. Selbst zu später Stunde sind noch Menschen unterwegs. Ein russischer Hippie verankert seine Hängematte etwas unterhalb im Wald.

16.08.2026 2 weitere TCT-Hiker

Die Nacht ist erholsam, aber am nächsten Morgen habe ich unzählige Mückenstiche am Bauch. Die Mistviecher stechen einfach durch die Kleidung durch, besonders wenn ich nachts nicht zugedeckt bin.


Am nächsten Morgen erkundige ich noch ein wenig die Ruinen und wandere dann weiter. Der Russe schläft noch. Die Wolken hängen heute tief, der Rand von Canyon ist damit bedeckt.

Auf halber Strecke befindet sich Ruinen von Horomayr Kloster. Hier gäbe es auch eine Zeltstelle in einer Höhle.


Zurück am Trail treffe ich den ersten anderen TCT-Hiker. Ein Mann aus Spanien wandert in die gleiche Richtung und hat die Nacht im Tal verbracht. Ich überhole ihn, da er seine Schnürsenkel reparieren muss. 


Bergauf verlasse ich den spektakulären und wunderschönen Canyon in Richtung des Dorfes Odzun. In einem Shop kaufe ich einen Schokoriegel mit den verbliebenen Münzen, aber er schmeckt nicht so gut. Einige Menschen grüßen freundlich, manche schauen mich seltsam an. 

Vor Beginn des nächsten Wanderweges komme ich an einer ausgemergelten Hündin vorbei. Der Anblick des armen Geschöpfes stimmt mich traurig.


Der Trail ist gut markiert, auf den Wiesen aber nicht so gut erkennbar. Das liegt teilweise aber auch am dichten Nebel, der mich hier umgibt. Es bleibt unspektakulär bis Hagvi. Sehr feiner Sprühregen fällt vom Himmel, aber der ist so fein, dass ich trocken bleibe. 


Am Picknick Platz mache ich eine Pause, ehe die Schleife Richtig Sedvi Monastry startet. Auf einem 4x4 Track geht es durch den Wald, als es richtig zu regnen anfängt. Ein flacher Fluss muss gequert werden. Das geht sogar barfuß. 

Am Abzweig danach folge ich einem sehr unscheinbaren Pfad, bis er sich kurz vor einer Bachquerung im Brombeergestrüpp verliert. Darauf habe ich gar keine Lust und kehre um. Stattdessen gehe ich den 4x4 Track, der mit "Sanahin train station" ausgezeichnet ist. Dieser ist wunderbar zu gehen und schnell bin ich zurück auf dem TCT.


Nahe der Bahngleise befindet sich ein Lebensmittel-Laden, unweit von TCT. Das Iris B&B erreiche ich schon um 16 Uhr und habe den restlichen Abend zum entspannen. Mir geht es also gut, nur mein linkes Knie schmerzt etwas. Das Zimmer teile ich mir mit Sam aus England, der ebenfalls den TCT wandert. Er allerdings ist bereits durch Georgien gewandert und berichtete von einem sehr schlechten Zustand des Trails an vielen Stellen. In Armenien sei er bisher deutlich besser.


Zum Abschluss des Tages servierte uns die Gastgeberin Irina ein köstliches Abendessen.

Montag, 13. Juli 2026

GR 53 in Frankreich

 

GR 53 und der Hexatrek in Frankreich

In Frankreich gibt es eine große Anzahl an GR-Wegen, die für "Grande Randonnée" stehen. Im späten Frühling 2026 habe ich mit dem GR 53 in den Vogesen zum ersten Mal einen französischen Weitwanderweg unter die Füße genommen. Dieser ist 430km lang und startet in Wissembourg an der dt. Grenze und führt bis nach Belfort in Frankreich. Dieser Weg teilt sich den Trail zu etwa 90% mit dem immer bekannter werdenden Hexatrek. Der Hexatrek ist ein 3034km langer Fernwanderweg, der das Land einmal durch verschiedene spektakuläre Gebirge von der deutschen Grenze bis zum Atlantik an der spanisch-französischen Grenze durchquert.



Der GR 53 Zwischen mittelalterlichen Burgen und alten Wäldern

Im Vergleich zu Wanderwegen in den Alpen oder in Skandinavien, führt der GR 53 fast ausschließlich unterhalb der Baumgrenze durch Mittelgebirge bis zu 1424m Höhe durch dichte Buchenwälder. Insbesondere im Nordteil gibt es nur selten Panoramablicke, aber dies sind auch nicht die wahren Reize, die der GR 53 zu bieten hat. So muss man zwar zum Großteil auf große Fernsichten verzichten, aber dafür kommt man regelmäßig an halb verfallenen und frei zu besichtigenden Burgruinen  aus der Zeit des Mittelalters vorbei. Das besondere im Vergleich zu deutschen Burgen ist die Bauweise aus rötlichem Sandstein. Diese Sandsteinfelsen finden sich im Norden regelmäßig am Weg und geben der Region so einen ganz besonderen Flair. Im Südteil ändert sich der Charakter deutlich - die Burgen werden seltener und die Ausblicke deutlich schöner.






Markierungen, Navigation und Wegbeschaffenheit

Die Markierungen mit einem roten Rechteck auf weißem Hintergrund finden sich sehr regelmäßig am Weg und auch an Wegabzweigungen. Wegabzweigungen gibt es in den Vogesen sehr viele, denn es gibt eine sehr große Anzahl an Wander- und Radwegen. Eine Offline-Karte ist daher durchaus nützlich. So kann man spontan sehen, wo sich in der Nähe noch eine interessante Sehenswürdigkeit versteckt. 



Die Wanderwege des GR 53 sind vorbildlich gepflegt und fast immer sehr angenehm zu gehen. Häufig sind es Singletrails mit weichem Waldboden, die teilweise überraschend sandig sind. Die ein oder andere Forststraße gibt es auch, Asphalt findet man hauptsächlich in und um den Ortschaften. 


Übernachtungen auf dem GR 53 - Wo wildzelten noch legal ist

Obwohl die deutsche Grenze gar nicht weit entfernt ist, sind die Regeln und Gesetze in den Wäldern der Vogesen deutlich entspannter als bei uns. Abgesehen von den höheren Lagen im Südteil, ist freies zelten meistens erlaubt. Ab und zu weisen Schilder auf besondere Schutzgebiete hin, die man natürlich respektieren sollte. In den Ortschaften finden sich ansonsten auch Hotels und Pensionen. Man kann also entspannt mit Zelt wandern, muss es aber nicht.




Resupply - Ideal für ultraleichtes Gepäck

Dort wo freies zelten erlaubt ist, ist man meist auch so weit von der Zivilisation entfernt, dass man viele Tagesmärsche an Verpflegung schleppen muss. Das ist auf dem GR 53 anders! Je nach Gehtempo, kommt man spätestens nach drei bis vier Tagen an einem Supermarkt vorbei. Meistens braucht man nur für ein bis zwei Tage Nahrungsmittel tragen. Zwischendurch kommt man zusätzlich noch an Cafés und Restaurants vorbei, wo man sich eine warme Mahlzeit oder einen guten Kaffee gönnen kann. Gute Einkaufsmöglichkeiten gibt es in: Wissembourg, Niederbronn-les-Bains, Saverne, Rothau, Le Hohwald, Châtenois, Ribeauville, Thann und Belfort.


Klima in den Vogesen - Das Zeitfenster ist lang

Klimatisch kann man sich auf kühles bis warmes Mittelgebirgsklima einlassen. D.h. die Sommer können unangenehm heiß sein, ebenso kann es auch mal nasskalt sein. Im Winter kann es auch kräftig schneien, wobei hier der höher gelegene Südteil deutlich mehr Schnee abbekommt. Dort hat es mit seinen freien Wiesen schon einen leichten Alpenflair. Empfehlenswert ist der GR 53 zwischen April und November. 






Meine Tourberichte: 

Wissemborg bis Saverne

Saverne bis La Grande Bellvue

La Grande Bellvue bis Refuge Trois Fours

Refuge Trois Fours bis Thann


Freitag, 5. Juni 2026

GR 53 Refuge Trois Fours bis Thann und weiter

GR 53 / Hexatrek 

Refuge Tros Fours bis Thann / Masevaux / Thann

03.06.2026 Abgesoffen am Kammweg ohne Panorama 

Es fällt mir schwer, mich von meinen neuen Freunden zu verabschieden. Die Gesprächsthemen an Frühstückstisch ebben nicht ab. Aber um spätestens 9 Uhr müssen alle raus, denn die Hütte macht heute einen Ruhetag. Um 8:30 Uhr geht es bei dichter Bewölkung und Nebel los. Zuerst geht´s hoch zum Hohneck auf 1360m. Die Sicht: grau in grau. 

Am Hohneck sehe ich rein gar nichts

Gemse am Wegesrand


Auf dem Kammweg mit angeblich ganz tollem Panorama geht es weiter. Zwei Gämse schauen mich neugierig an. Um neun Uhr fängt es an zu regnen. Ich hoffe auf einen kurzen Schauer. 

Trotz Frühsommers sind manche Buchen bereits bräunlich verfärbt

Stundenlang regnet es ohne Unterlass


Meine Hoffnung wird jedoch nicht erfüllt. Stundenlang regnet es mal mehr, mal weniger kräftig mit ordentlich Wind aus Westen. Es ist kalt und ich gehe flotten Schrittes. Warm wird mir jedoch nicht. Nach 12km erreiche ich eine einfache Schutzhütte und mache eine Pause im trockenen. Alles tropft, die Regenjacke hat versagt, die Regenhose sowieso. Sie hat ein Loch am Po, da ist es kein Wunder. Diesmal verfluche ich meine ultraleichte und ultra-undichte Regenkleidung. Außerdem wünsche ich mir Handschuhe. Meine Hände frieren nämlich. 

Aber ich will tapfer bleiben! Also gehe ich nach einer Snackpause weiter. Es regnet immer noch und immer wenn ich meine, es wird weniger, wird es gleich wieder mehr. Aussicht habe ich hier eh keine. Wenn es zwischendurch mal kurz durch den Wald geht, bin ich froh. Die Socken sind durch das nasse Gras ohnehin völlig durch.

Le Markstein


Ich eile nach Le Markstein, einer Ansammlung von Restaurants. In der öffentlichen Toilette suche ich Zuflucht und durchsuche meinen Rucksackinhalt. Der Liner ist nämlich undicht und siehe da: es ist wieder etwas Wasser drin. Mit Klopapier wische ich es weg und tupfe auch meine nasse Kleidung gründlich ab. Erst eine halbe Stunde später verlasse ich dieses wunderbare WC. Ich bin soo dankbar für diese kostenlosen öffentlichen WCs in Frankreich. Es macht das Leben unterwegs einfacher. 

Endlich steigen die Wolken auf!

Es hat um 14 Uhr tatsächlich aufgehört und der Nebel steigt sichtlich auf. Die Wolkendecke reißt auf und die ersten Sonnenstrahlen kommen an. Gott, tut das gut!!

Das Refuge du Storkenkopf erreiche ich grob um 15 Uhr. Ursprünglich wollte ich dort übernachten und sie sieht wirklich gemütlich aus. Seitdem die Sonne durchkam, habe ich wieder neue Energie. Außerdem soll es morgen erneut viel regnen. Es lohnt sich also das Wetter auszunutzen.

Die kleine Schutzhütte ist gemütlich


Um 16 Uhr habe ich das große Bällchen, den höchsten Gipfel der Vogesen, erklommen. Und hier habe ich eine weite Sicht, wie schön! Es sind nun bei besserem Wetter einige Touristen unterwegs.

Monument am Grande Ballon


Nun geht es nur noch bergab. Erst durch den nassen Buchenwald, dann über die Skipiste. Am Ende dieser finde ich eine Wellenliege, während gerade die Sonne scheint. Hier ist der perfekte Platz für eine Pause! Die Schuhe ziehe ich aus, tatsächlich trocknen die Socken merklich.

Blick zurück

Hier verbringe ich die Nacht


Ich möchte es bis zum Bächerkopf-Hislà schaffen. Der Weg bis dorthin ist einfach und oft eben. So komme ich schnell vorwärts. Nur in der Nähe der Ruine Freudenstein ist der Pfad etwas überwuchert. Die Regenhose habe ich inzwischen ausgezogen, damit die Unterhose trocknen kann. Statt Mütze trage ich nun den nassen Hut, auch der soll trocknen. Es klappt.

Die letzte Stunde werde ich müde, aber ich schaffe es. Und dann, oh schreck: es kommen Männerstimmen aus der Hütte. Ich befürchte schon, sie ist bereits voll, aber alle Männer gehen wieder und nur eine Frau bleibt mit mir dort. Sie geht den Hexatrek, ist aber nicht so gesprächig. Das passt mir aber ganz gut, ich bin nämlich ohnehin sehr erschöpft. 


04.06.2026 Thann und weiter

Diesmal schlafe ich nicht ganz so gut und bin am nächsten Morgen müde. Ich bin froh, dass der Weg einfach ist. Bis Thann wandere ich etwa 5km auf Pfaden und Forstwegen. Direkt oberhalb der Stadt ist die Burgruine Engelbourg. Beim Panorama von Thann fällt mir sofort die auffällige Kirche im Stil der Renaissance auf.

Thann von oben

Resupply


In Thann kaufe ich ein und gönne mir auch ein paar weniger ungesunde Sachen. Dann geht es ohne richtige Pause weiter, da es ab Mittag regnen soll. Ich folge zunächst einem Mix aus dem GR 53 und einer Eigenkreation. Bei der Baumann-Hütte treffe ich eine 30 köpfige Gruppe. Am Col Hunsrück treffe ich wieder auf den GR53 und folge dem Pfad bergauf. Etwas über 1000 Höhenmeter stehen mir bis zu meinem Tagesziel bevor.


Schöne Wanderwege im Wald


Blumen säumen den Weg


Ab der Schutzhütte des Ski-Clubs Rossberg geht es auch mal mit Panorama über wunderschön blühendes Wiesengelände. Nun ist es Mittag und noch regnet es nicht. Doch als ich über die Bergkuppe komme, kommen mir die dunklen Wolken entgegen. Kurz darauf fängt es leicht an zu regnen.


Das Blätterdach bietet etwas Schutz vor dem Regen.


Zum Glück führt der Trail hier überwiegend durch dichten Wald. Das schützt mich etwas vor dem Regen, sodass ich nicht die volle Ladung abbekomme. Der Anstieg ist sanft und nicht zu anstrengend.

Das Highlight ist der Blick auf den Lac des Perches, welcher wild und traumhaft schön ist. Inzwischen regnet es kräftig und bis zur Schutzhütte Haute Bars ist es nicht mehr weit. Das letzte Stück führt durch die nasse Wiese und ich bin mit jedem Schritt vorsichtig.

Lac des Perches

Schutzhütte Haute Bars


Als ich in der Schutzhütte ankomme, sind bereits drei Personen dort. Kurz darauf kommen noch zwei weitere und ein Hund. Die beiden entscheiden sich dann aber doch, weiterzuziehen. Zum Ende hin kommt noch ein französischer Wanderer, der kreuz und quer durch sein Land wandert, um unterwegs Verwandte und Freunde zu besuchen. Das ist auch eine richtige coole Idee. Für den Abend entsteht eine sehr fröhliche und herzliche Hüttengemeinschaft. Dieses kurze Gefühl der Trailgemeinschaft genieße ich sehr und schlafe in dieser Nacht sehr gut.


05.06.2026 Wieder zurück 

Nadine und ich gehen die ersten zwei Stunden gemeinsam, bis mein Weg abzweigt. Sie folgt dem Hexatrek und ich einer selbst geplanten Route, die mich in einem großen Bogen zurück nach Thann führen wird.

Alles ist mit Moos bewachsen

Der Tag startet mit Nebel und einigen Regenschauern

Während des Abstiegs zum Lac Alfeld kommt die Sonne raus


Als ich zum Stausee Lac Alfeld absteige, klart es endlich auf. Zuvor war es noch nebelig und auch etwas regnerisch. Der Abstieg vom See nach Sewen führt spektakulär entlang eines Canyons. Das Wasser bahnt sich hier laut tosend seinen Weg in die Tiefe, vorbei an moosbewachsenen Felsen und Bäumen. Abgebrochene Baumstämme liegen herum.

Die Klamm ist beeindruckend!

Es gibt mehrere Wasserfälle

Lac Sewen

Rückblick


Vor Sewen komme ich am gleichnamigen See vorbei. Hinter dem Dorf will ich einem Weg in Richtung "Fennmatt" folgen, aber der untere Teil ist durch Forstarbeiten völlig zerstört. Genervt weiche ich auf eine Straße aus, ehe ich wieder zurück zum Weg kommen kann.

Forstmaschinen haben den Weg zerstört



Steil geht es nun in Serpentinen nach oben. An der wunderschönen Abri du Graber Breitenstein mache ich eine längere Pause.

Das Abri du Graber gefällt mir mit seinem natürlichen Bewuchs

Masevaux


Danach geht es nur wenig auf und ab, ehe der steile Abstieg nach Mausevaux startet. Inzwischen bin ich schon relativ erschöpft, aber einen Zeltplatz gibt es hier weit und breit nicht. Erstmal kaufe ich ein paar Kleinigkeiten im riesigen Supermarkt ein.

Um Richtung Houppach nicht auf der Straße laufen zu müssen, gehe ich über einen Pfad, der sich als stellenweise zugewachsen herausstellt. Erinnerungen an Italien werden dabei wach.

Dieser Weg ist überwachsen


In Oberburbach kann ich Wasser auffüllen. Der Plan ist es auf dem Gipfel des Kohlbergs zu zelten. Das Gelände sieht vielversprechend aus. Der Weg hoch ist ausgeschildert, aber stark überwuchert. Leider auch mit Himbeeren, nur ohne die süßen Früchte. Oben stellt sich die Idee als Flop heraus. Es grasen hier mehrere Kühe und am Gipfel liegt ein (verwaistes?) Kalb herum. Das ist mir zu heikel!

Dieser auch

Blick vom Kohlberg


Daher gehe ich über zu Plan B: Das Monument Chasseurs Alpin. Hier sieht es besser aus. Da noch Leute dort sind, warte ich noch etwas ab und stelle dann das Zelt auf. 

Versteckter Aussichtspunkt in der Nähe von meinem Zeltplatz

Die letzte Nacht im Zelt, bevor es nach Hause geht




06.06.2026 Heimreise und Bahn-Chaos oder die Frage, ob ich heute noch Zuhause ankommen werde

Ganz offensichtlich zelten hier öfters Leute. Es gibt zwei Feuerstellen, plattes Gras und leider auch Müll. Die Nacht auf der Wiese bringt, wie erwartet, größere Mengen an Kondenswasser. Auch der Hirtenhund, der am Abend noch gekläfft hat, zieht irgendwann weiter und ich kann schlafen. 

Gleich habe ich Thann erreicht!



Es geht heute zurück nach Thann. Zum Teil auf bereits bekannten Wegen, zum Teil auf für mich neuen. Erneut zeigt sich der Tag mit blauem Himmel und angenehm warmem Sonnenschein. Zufrieden betrete ich Thann, kaufe für die Heimfahrt ein und bewege mich langsam zum Bahnhof. 

Gebucht hatte ich ein Ticket für 13:33 Uhr, aber mein Anschlusszug wurde um ganze zwei Stunden vorverlegt. Zwar wurde auch meine Zugbindung aufgehoben, sicherheitshalber möchte ich trotzdem frühzeitig fahren, um Problemen auszuweichen. Am Bahnhof wird der Zug für 11:11 Uhr als pünktlich angezeigt, er kommt aber nicht. Ebenso wie der nächste. Plötzlich sind auf der Anzeige alle Züge für den Rest des Tages durchgestrichen. Eine Gruppe von Franzosen diskutiert aufgeregt und erzählt, die SNCF streike heute. Werde ich heute noch nach Hause kommen? Besorgt diskutiere ich mit. Dann kommt ein Ersatzbus, der mit großer Verspätung langsam nach Mulhouse fährt und die Fahrgäste an einer beliebigen Tram-Haltestelle aussteigen lässt. Meine zwei geplanten direkten Verbindungen Richtung Deutschland sind bereits weg. Die nächste soll über Straßburg führen und laut den Richtlinien der aufgehobenen Zugbindung darf ich diese benutzen. Der Schaffner im Zug sieht das anders und bedroht mich zusammen mit bewaffnetem Sicherheitspersonal während ich weinend dasitze und Angst habe, nicht mehr nach Hause zu kommen. Er akzeptiert nur französische Tickets, ICE Ticket mit Sparpreis Europa hin oder her. Letztendlich muss ich für 30€ ein neues Ticket kaufen. In Straßburg erkundige ich mich beim Schalter und werde auf die Schaffner vom TGV verwiesen. Die akzeptieren mein ICE-Europa-Ticket anstandslos und ich kann mitfahren. Ein paar Stunden und ein Umstieg später bin ich in München Pasing angekommen, doch der Schienenersatzverkehr in Richtung Starnberg taucht nicht auf und auch die Münchner Fahrgäste haben keinen Plan, wo dieser sein soll. 

Die Fahrt war das reine Chaos mit ungewissem Ausgang. Nein, aus diesem Grund mag ich keine langen Bahnfahrten!


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