Freitag, 9. Oktober 2026

Transcaucasian Trail Fazit und FAQ

Transcaucasian Trail - Mein Fazit und FAQ zum Trail


Mein persönliches Fazit zum Trail:

Text folgt


Frequently asked questions: 


Braucht man für den TCT ein Zelt?

Auf jeden Fall braucht man ein Zelt, möchte man einen Großteil vom TCT wandern. Zwar gibt es in vielen Ortschaften und Städten Unterkünfte, aber es gibt auf dem TCT auch einige Abschnitte, wo man tagelang an keiner Übernachtungsoption vorbeikommt. 

Folgende Abschnitte sind auch ohne Zelt möglich: Stepanavan bis Alaverdi; Dilijan bis Sevan; Hors bis Yeghegnadzor; Yeghegnadzor bis Artavan und Sisian bis Tatev


Ist der TCT durchgängig markiert?

Der Transcaucasian Trail ist nur teilweise markiert. Große Teile vom Trail sind nicht markiert.


In welchem Zustand sind die Wege?

Die Wegzustände variieren stark. Die sehr gut gepflegten Anteile sind gering. Häufig ist der Weg zwar gut erkennbar, aber stellenweise zugewachsen oder sehr unscheinbar. Leider gibt es auch mehrere Passagen, wo der Trail nicht vorhanden oder sehr stark zugewachsen ist.


Gibt es Tiere, die mir gefährlich werden können?

Es gibt in Armenien zwar viele wilde Tiere, auch Schlangen, aber diese sind für den Menschen normalerweise ungefährlich. 

Anders sieht es mit den domestizierten Tieren aus. Die größte Gefahr für Wanderer stellen die aggressiven Hirtenhunde dar. Diese bewachen das Vieh (insb. Schafe), sind nicht nur sehr groß und aggressiv, sondern laufen frei bei den Herden oder in den Camps der Nomaden und Hirten herum. Meistens sind auch Menschen in der Nähe, aber meiner Erfahrung nach sind die Hunde schneller als die Menschen. Manchmal haben mich bereits Hunde zähnefletschend verfolgt, obwohl ich noch hunderte Meter vom Camp bzw. der Herde entfernt war. Hier ist auf jeden Fall die Hilfe der Hirten nötig, damit man passieren kann. Wenn möglich, bin ich solche "Gefahrenstellen" weiträumig umgangen. Von anderen Wanderern und aus der Far Out App weiß ich, dass hin- und wieder Touristen gebissen wurden. Dies ist auch deshalb gefährlich, weil die Gefahr besteht, sich mit Tollwut anzustecken. 

Die meisten Hirtenhunde traf ich in den Gegham Mountains und im Gebirge zwischen Alaverdi und Dilijan.


In welchen Orten kann ich Lebensmittel einkaufen?

Folgende Städte und Dörfer verfügen über einen gut sortierten Supermarkt: Stepanavan, Odzun, Alaverdi, Dilijan, Sevan, Shatin, Yeghegnadzor, Angeghakot, Sisian, Harzhis, Kapan und Meghri. Viele weitere Dörfer verfügen zudem über Miniläden, in denen man zwar nur eine beschränkte Auswahl hat, aber die vorhandenen Vorräte aufstocken kann. 


Wie sicher ist der TCT für alleinwandernde Frauen?


Wie verständigt man sich mit den Einheimischen?

Nur wenige Armenier, insbesondere in den Dörfern und kleinen Städten, sprechen Englisch. Fast jeder spricht jedoch neben armenisch noch russisch. Da beide Sprachen sich sehr stark von den romanischen Sprachen unterscheiden, ist auch eine Kommunikation mit Hand und Fuß schwierig. Google-Translate oder Yandex-Translate können hier Abhilfe schaffen.


Wo kann ich eine Gaskartusche kaufen?

Gaskartuschen sind in Armenien nur selten zu finden, weshalb es am besten ist, eine Kartusche in Yerevan zu kaufen. Dort gibt es mehrere Outdoor-Läden. In Dilijan gibt es einen Army-Shop, der große 500g-Kartuschen verkauft.


Wo finde ich weitere Informationen?



Meine Erfahrungsberichte: 

Stepanavan bis Alaverdi

Alaverdi bis Dilijan

Dilijan bis Sevan

Sevan bis Hors

Hors bis Spandaryan Reservoir

Spandaryan Reservoir bis Tatev

Tatev bis Kapan

Donnerstag, 10. September 2026

TCT Tatev bis Kapan

TCT Tatev bis Kapan 


07.09.2026 Schlapp

Das Bett im Guesthouse ist diesmal nicht ganz so bequem. Die Matratze ist so weich, dass die Hüfte komplett durchdrückt. Aber das ist es nicht, was mich stört. Bereits in der Nacht fühlt sich mein Bauch etwas flau an. Frühstück gibt es um acht und das reichlich. Ich nehme mir eine ganze Stunde dafür Zeit, schaffe aber ohnehin nicht alles. Man bietet mir sogar an, die Reste mitzunehmen, aber ich lehne ab. Zuviel Gewicht!

Der Rücken ist leider immer noch schmerzhaft und steif. Zum Glück ist der Abstieg von Tatev bis zur "Great Hermitage of Tatev" einfach und in wirklich gutem Zustand. Vor mir wandert eine kleine Gruppe Touristen.

Über einen gepflegten Trail geht es wieder in den Canyon hinab.

Innenhof der Hermitage of Tatev

Blick von oberhalb auf die Hermitage

In der Hermitage lebt ein alter Mann ganz alleine. Die Gruppe hat offensichtlich einen Termin mit ihm. Sie bekommen eine Besichtigung, leider nicht auf Englisch. Ich schaue mich ein wenig um, trinke etwas Wasser und ruhe mich ein wenig aus. Der Rücken tut immer noch weh und das nervt mich.

Danach beginnt der "Vorotan Canyon Loop", der früher ein Teil vom Haupttrail war. Im Slack-Channel habe ich mich zum Zustand des Weges erkundigt und eine Antwort bekommen. Er sei in gutem Zustand, ein wenig überwuchert, aber nicht schlimm.

Zunächst passt diese Beschreibung sehr gut. Der Weg ist herrlich, einsam, es geht auf und ab und dann eben in der Nähe von Fluss entlang. Im Schatten von ein paar Bäumen mache ich eine Stunde Pause und nehme eine Ibuprofen, da der Rücken nicht besser wird.

Der Vorotan Canyon Loop beginnt zauberhaft

Offensichtlich leben hier Stachelschweine.

Oft gibt es angenehmen Schatten.


Nicht mehr lange bleibt der Trail so gut erkennbar. Sobald der Anstieg beginnt, wird er schlechter. Beinahe finde ich den Einstieg nicht. Hier ist er schon deutlich mehr zugewachsen, aber es geht noch. Dann wird es aber sehr steil und in der prallen Sonne bei der intensiven Hitze heute ist das echt eine Qual. Der Weg sieht aus, als wäre es mal ein Flussbett gewesen. Der Untergrund ist stark aufgewühlt und Brombeerranken breiten sich aus.


Dann wird der Untergrund wieder fester, aber das Gestrüpp nimmt zu. Irgendeine Pflanze wächst hier, die buchstäblich an meinen Schuhen festklebt. Ist das ätzend! Das bleibt nicht die einzige Herausforderung, denn zusätzlich gibt es hier unzählige umgefallene Bäume. Als ich diesen Part geschafft habe, muss ich mich durch dichtes Brombeergestrüpp zwängen. Erst als ich einen Bach erreiche, ist der Zustand des Trails urplötzlich viel besser. Hier fanden wohl Pflegearbeiten statt und man sieht genau, wie weit sie gekommen sind. Meine Unterschenkel sind total zerkratzt und auch etwas blutig.


Der Zustand des Trails bleibt leider nicht so.
Zunächst bedeckt Brombeergestrüpp bloß den Boden.

Auch unangenehm klebriges Gestrüpp wächst hier. Bald sind die kompletten Schuhe und Gamaschen voll damit.



Schlagartig verbessert sich der Wegzustand!


Ich pfeife aus dem letzten Loch, als ich endlich nach einer gefühlten Ewigkeit an der Trinkwasserquelle ankomme. Den Rucksack setze ich ab, wasche mich und zupfe so gut es geht die Kletten von der Kleidung.

Soll ich hier bleiben? Die Frage stelle ich mir, doch nach erst 14.5km erscheint es mir doch arg früh. Dabei ist es bereits 16 Uhr. Also gehe ich noch weiter. Zum Glück ist der Trail von hier an vernünftig und meistens auch als solcher erkennbar. Irgendwann ist auch der steile Anstieg geschafft und es geht auch mal wieder flacher vorwärts. Das tut gut.


Sobald ich den Rand des Canyons erreicht habe, ist der Weg wieder ein Genuss.

Zur Entschädigung gibt es tolle Ausblicke. War es das wert?

Wolken ziehen auf. Regen ist vorhergesagt.


Um 18 Uhr nach 19.5km befinde ich mich in einem lichten Wald und suche nach einem Zeltplatz. Gar nicht so einfach, denn meistens ist der Untergrund doch nicht ganz flach. Nach längerer Suche werde ich fündig und bin heilfroh, als ich mich hinlegen kann. Die Rückenschmerzen sind nun erstmal weg, aber dafür ist der Magen in den letzten Stunden schon wieder flau. In der Nacht soll es windig sein und auch gewittern.

Die Nacht bleibt aber trocken und mild.


08.09.2026 Tierische Begegnung 

Den Abend verbringe ich liegend im Bett. Das vorhergesagte Gewitter kommt gar nicht, es regnet nur ganz leicht. Ich schlafe sehr gut in der Stille des Waldes. Doch am nächsten Morgen wache ich mit einem dringenden Bedürfnis auf. Durchfall, ohje. Mir bleibt diesmal auch kein Pech erspart. Zusammen mit dem Frühstück werfe ich eine Loperamid ein.

Der Himmel ist dicht bewölkt und das ist gut so. Es geht wieder bergauf durch diesen wunderschönen Wald mit vielen Eichen und Buchen. Plötzlich bewegt sich etwas im Unterholz, ein graues hundeartiges Tier hat mich erspäht und flüchtet nun in die Sicherheit des dichten Waldes. Moment, dass ist doch ein Wolf! Ich habe gerade eben einen Wolf gesehen und kann es noch gar nicht fassen. Tränen der Rührung kommen mir in die Augen. Einen Moment bleibe ich stehen, doch der Wolf ist verschwunden.

Zwischendurch ist der Weg nicht immer sofort erkennbar.

Hier in der Nähe sehe ich einen Wolf!


Es scheint als würde dieser Weg nicht mehr so häufig benutzt werden. Er ist schon etwas zugewachsen, aber hier nicht auf störende Art und Weise. Am Boden entdecke ich mehrere Bauten. Ob hier die Wölfe wohnen? Ich könnte es mir gut vorstellen.

Dann komme ich an den Rand des Canyons und kann sehr weit bis auf die andere Seite schauen. Die Wolken bedecken den höchsten Teil der Berge, aber es stört mich gar nicht. Es ist auch so wunderschön.

Ein spektakulärer Aussichtspunkt

Wahnsinn oder?!

Nun geht es weiter nach Tandzaver. Hier nehme ich nicht die neue Wegführung vom TCT, sondern eine ältere und kürzere Variante. Diese geht sich gut und ist auch markiert. Nur die letzten zwei Kilometer an der viel befahrenen Asphaltstraße sind nicht so toll.

Abkürzung nach Tandzaver



In Tandzaver biege ich auf den Magic Forest Trail ab. Hier wurden im Wald ein paar Kunstwerke versteckt, die die mystische Stimmung in diesem Wald mit seinen moosbewachsenen Felsen, verstärkt.

Eines der verschiedenen Kunstwerke am Magic Forest Trail





Der Abstieg führt über eine neu wirkende breite Dirtroad viele hunderte Höhenmeter bergab bis an den Rand vom nächsten Dorf. Eine geeignete Stelle für eine Pause will einfach nicht auftauchen. Erst um halb eins kann ich mich zumindest irgendwo ins Gras hocken. Dort habe ich guten Empfang und lese eine Antwort auf meine Frage mit dem Transport von Kapan nach Yerevan. Mir wird der Shuttle von gg empfohlen. Spontan stelle ich fest, dass es für den morgigen Tag am Nachmittag eine Fahrt gibt, danach erst wieder am Wochenende. Kurzfristig buche ich. Der Plan steht nun also!

Über eine neue Dirtroad geht es steil bergab ins Tal

Grabsteine in Armenien sind mit Bildern der Verstorbenen versehen

Hier erinnert mich die Landschaft an Italien. Es wachsen hier viele Buchen.


Der TCT führt mich durch schöne Laubwälder und an kleinen Dörflein wie Dzorastan und Vanek vorbei. Es geht auf und ab und ist oft auch recht flach, was mir zur Abwechslung sehr zusagt. Eine Mineralwasserquelle schmeckt stark nach Eisen und ist sogar etwas sprudelig. Zum Glück finden sich noch weitere Quellen.

Breite Wege und schmale Trails wechseln sich ab.

Der Tag ist angenehm kühl

Abendstimmung am letzten Tag

Schwalbenschanz



Am späten Nachmittag erwartet mich ein weiterer Anstieg. Es zieht sich etwas, doch dann habe ich es geschafft. Der Weg war heute durchgängig markiert, was schon etwas besonderes darstellt. Beim Beginn des Abstiegs habe ich einen magischen Blick auf Kapan und die wildromantische Berglandschaft. Sie erinnert mich hier sehr an Süditalien. Etwas Brombeergestrüpp gibt es auch, aber man kommt gut durch.

Die letzte Nacht im Zelt


Auf einer Lichtung im Wald finde ich gegen 18 Uhr einen einigermaßen flachen Platz für mein Zelt. Die Aussicht ist herrlich und das Wetter ruhig und immer noch bewölkt. Doch so wirklich kann ich den Ausblick nicht genießen, denn ich muss noch eine Unterkunft in Yerevan buchen. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt eine riesige Auswahl, aber die Bewegungen sind weniger erfreulich als in den bisherigen Städten in Armenien. Letztendlich entscheide ich mich für ein Hostel im Zentrum. Der Zeltplatz ist relativ schief und ich muss meinen Rucksack unter die Isomatte legen.


09.09.2026 Der letzte Tag auf dem Transcaucasian Trail 

Die Nacht ist sehr ruhig und mit dem Rucksack unter der Isomatte liege ich ganz gut. Am nächsten Morgen sehe ich das ganze Ausmaß der Bergwelt, nun wo der Himmel klar ist. Beeindruckend sieht das aus.

Der Abstieg nach Shgharshik gefällt mir gut. Das Dorf wirkt verschlafen, aber ein nerviger Hund meint vom Grundstück zu mir herlaufen und mich anbellen zu müssen. 

Auf einer Asphaltstraße geht es hoch zum Vahanavank Monastery. Dort bin ich in der Früh noch ganz alleine.

Road Walk

Vahanavank von innen


Der anschließende süße Singletrail gefällt mir richtig gut und ich werde wehmütig. So gerne würde ich auch noch die restlichen 68 bzw. 78km (je nach Variante) wandern, aber dazu fehlen mir zwei volle Tage. Vielleicht würde der Mount Khustup noch mit der Brechstange gehen, aber so einen krassen Stress möchte ich mir zum Schluss auch nicht mehr machen.

Mein nächster Stop ist die Festung Halidzor, eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die von Davit Bek etwas später in eine Festung umgebaut wurde.

Am letzten Tag gefallen mir die Trails wieder richtig gut. 

Kapan ist bereits erkennbar. Ich habe gemischte Gefühle.

Festung Halidzor

Von hier ist es nicht mehr weit bis nach Bekh. Der Singletrail ist wunderschön und macht den Abschied schwer. Insbesondere da auch meine Rückenschmerzen seit gestern endlich besser geworden sind.

Die letzte Quelle, hier mit einem schönen Cross Stone

Nach Kapan gehe ich zu Fuß


Dann erreiche ich Bekh am Rande von Kapan. Über Asphalt wandere ich bis in die Stadt runter. Leider finde ich auch hier mit der Yandex App kein Taxi und laufe den kompletten Weg in die Innenstadt zu Fuß. Der Shuttle fährt pünktlich um 15:30 Uhr ab und am späten Abend komme ich in Yerevan an. 

Goodbye Transcaucasian Trail!!

Sonntag, 6. September 2026

TCT Spandaryan Reservoir bis Tatev

TCT Spandaryan Reservoir bis Tatev


03.09.2026 Ein Kampf-Tag

Wie erwartet gibt es in der Nacht reichlich Kondenswasser und ich packe am nächsten Morgen das Zelt nass in den Rucksack. Leider wache ich mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule auf. Der ganze Bereich ist steif. Der erste Kilometer ist sehr einfach und führt an der Straße entlang. Dort komme ich an ein paar größeren Gebäuden vorbei, wo in Farout eine Warnung vermerkt ist. Ein Anwohner soll Wanderer belästigt haben. Ich sehe zum Glück niemanden und gehe schnell weiter.

Weglos geht es durch ein Feld, doch es passiert etwas richtig gruseliges.


Schon bald zeigt der TCT wieder seine nervige Seite, denn es soll mitten durch irgendein Feld gehen. Es wirkt zum Teil abgeerntet. Trotzdem finde ich die Wegführung blöd und suche mir einen möglichst einfachen Weg hindurch. Kurz bevor ich zu einem steilen Abstieg komme, höre ich zwei Schüsse. Erst denke ich mir nichts dabei, doch als ich mich umdrehe, sehe ich weiter hinten jemanden. Ich bekomme es mit großer Angst zu tun. Keine Ahnung, ob diese Person diejenige ist, die geschossen hat oder nicht. Mir kommt die Idee, es könnte der Typ sein, vor dem gewarnt wurde. Vielleicht geht es inzwischen dazu über Wanderer mit Schüssen abzuschrecken? Oder werden hier Tiere gejagt? Aber selbst dann sollte ein vernünftiger Mensch nicht schießen, wenn andere Menschen in der Nähe sind! Ich bin schockiert und renne so schnell es geht bergab. Das ist gar nicht leicht, da die Vegetation schon wieder höher ist. Ich habe Angst um mein Leben und versuche so schnell wie möglich Kilometer zu machen, um von hier wegzukommen. Zum Glück geht es nicht viel bergauf und ich sehe auch niemanden mehr. Langsam beruhige ich mich.

Blick auf den Spandaryan Reservoir


Der restliche Weg am Spandaryan Reservoir entlang ist herrlich unspektakulär und sehr einfach. Ich biege etwas früher rechts ab, da man sonst an einer Hütte mit aggressiven Hunden entlangkommen würde. Dann entdecke ich links oberhalb allerdings eine Schafsherde. Der Schäfer ist auch da und ich kann ungestört vorbeilaufen.

Es geht wieder hinauf...

... und hinab in den Vorotan Canyon.

In Serpentinen geht es steil hinunter in die Vorotan-Schlucht. Hier mache ich einen kleinen Umweg, um zu einer Trinkwasserquelle zu gelangen. Doch auf der Brücke werde ich von einem aggressiven Hund aufgehalten. Die Besitzer kommen schnell und stoppen den Hund und lassen mich Wasser an deren Grundstück zapfen. Sie bieten mir auch einen Kaffee an, aber ich lehne ab.

Der Vorotan muss gequert werden. Eine Brücke gibt es nicht.


Im Schatten eines Baumes mache ich eine Mittagspause. Dann geht es weiter. Der Trail ist leider ziemlich zugewachsen, aber noch gut sichtbar. Den knietiefen Fluss Vorotan muss ich queren. Etwa einen Kilometer weiter verschwindet der Trail komplett. Der Hang ist steil, es liegt überall loses Geröll und der komplette Boden ist mit Riesenbärenklau zugewachsen. Ich sehe nicht die Spur eines Weges, wie das zuvor noch der Fall war. Egal wo ich schaue, keine Chance. Ich fühle mich ziemlich verzweifelt und denke nach, was ich machen kann. Es soll einen Pfad hoch nach Spandaryan geben. Dies wird mein Plan B. Doch schon sehr bald stelle ich fest, dass auch dieser Weg gar nicht existiert. Die Verzweiflung kommt wieder. Was nun? In der Karte sehe ich einen anderen Weg, der etwas oberhalb anfangen soll. Vielleicht komme ich dorthin? Ich finde eine Trittspur, die vielversprechend aussieht. Sie führt jedoch in eine andere Richtung, nämlich in die des eigentlichen Trail nach Spandaryan! Demnach ist der Weg dorthin falsch eingezeichnet. Dies klappt nun und erschöpft komme ich in dem Dorf an. Dort gibt es eine Wasserquelle, wo ich mich kurz hinsetze.

Noch gibt es einen Pfad. Noch...

Überall Riesenbärenklau und loses Geröll am Boden. Hier komme ich nicht weiter!



Dann folge ich rund acht Kilometer einer breiten Straße bis ich in Angeghakot ankomme. Hier wollte ich eigentlich schon deutlich früher ankommen, denn es gibt hier einen guten Laden und ich habe fast nichts mehr zu essen. Der Shop ist gut sortiert und ich kaufe ein paar Sachen ein. Auch ein Eis gönne ich mir.

Alternativ schlage ich mich zu einer Straße hoch.


Um 18 Uhr geht es weiter. Es geht bergab in Richtung Angeghakot Reservoir. Ein Hirte treibt seine Kühe bergauf. Als ich in der Nähe von Damm rauskomme, bellt untergalb ein aggressiver Hund. Der gleiche Hirte kommt noch mal mit weiteren Kühen und es scheint ihn abzulenken. Dann bin ich endlich auf dem Trail entlang des Vorotan. Dieser ist einfach zu gehen. Nach 30 Minuten finde ich eine große Ebene, wo ich um 19 Uhr nach 37km mein Zelt aufstelle. Ohne den Umweg wären es etwa 5km weniger gewesen.

Blick auf den Angeghakot Reservoir

Mein Zeltplatz am Fluss Vorotan



04.09.2026 Nearo in Sissian

Der Wind, der Am Abend noch geweht hatte, verschwand in der Nacht vollkommen und ich wache mit reichlich Kondenswasser auf. Bereits um Viertel nach sechs werde ich wach und kann nicht mehr schlafen. In der Ferne höre ich Stimmen und bin dadurch angeregt frühzeitig abzubauen. Vielleicht kommt der Hirte mit seinen Kühen. Doch als ich um 8:20 Uhr fertig bin, bin ich immer noch alleine.

Aggressive Hunde vermeiden



Anfangs geht es gemütlich am Fluss entlang, dann folgt ein Anstieg um eine Hirtenhütte mit aggressiven Hunden zu umgehen. Der Umweg ist gut erkennbar, aber dort zugewachsen, wo Bäche runterkommen. Auch der Weg, wo man angeblich zurück zum Fluss kommt ist zu früh angesetzt.

Hier muss der Vorotan gleich 2x gequert werden

Die Shaki Wasserfälle

Zweimal hintereinander muss der Vorotan gefurtet werden. Dann komme ich zu einem Parkplatz, wo es zur Touristenattraktion "Shaki Waterfalls" geht. In der Früh habe ich schönen die Wasserfälle ganz für h alleine. Das gefällt mir sehr.


Armenian´s Stone Henge

Karge Landschaft weit und breit


Oberhalb davon folge ich einem Pfad, der mich zu einer Dirtroad führt. So verbinde ich die Wasserfälle mit dem Karahunj Loop. Da ich noch genügend Zeit bis zum Check-In habe und der normale Weg an der Straße entlangführt, nehme ich den Umweg in Kauf. Diese Gegend ist einsam und führt an Weizenfeldern entlang. Neben Dirtroads gibt es auch Pfads, die anfangs nicht immer sofort auch als solcher erkennbar sind. Das Highlight ist Zsorats Karer, das Stonehenge von Armenien. Auch dort bin ich alleine.

Danach ist es nicht mehr weit bis Sissian. Dort kaufe ich im Supermarkt reichlich ein und gehe dann weiter zur Unterkunft. Gegen Mittag komme ich an und darf sogar ohne Aufpreis meine Wäsche waschen.


05.09.2026 Canyon und Hot spring 

Ich schlafe gut in dem Bett, aber mein Rücken ist immer noch steif. Selbst die mit einer Plastikflasche improvisierte Wärmeflasche hat nicht viel gebracht. Später als sonst komme ich los, erst um zwanzig vor neun. Dafür sind die ersten sieben Kilometer auf der Asphaltstraße sehr einfach. In Aghitu kaufe ich ein Eis und darf mit in den Laden setzen, um es zu verspeisen. Heute gibt es mal wieder Sonne satt.

Auf der Straße nach Aghitu

Dann geht es bergab in die Schlucht vom Vorotan. Dort soll man eine Brücke, die zu einem Industriegebiet führt, auf gar keinen Fall überqueren. Ich gehe an dem Gebiet vorbei und es passiert nichts. 1.5km später jedoch ist der Weg von einem Steinrutsch zerstört worden und ich muss über die Felsen klettern. Oberhalb finden gerade Bauarbeiten statt und ich fühle mich dabei nicht ganz wohl.

Im Vorotan Canyon

Hier musste ich einen Felsrutsch passieren


Der Rest ist sehr angenehm zu gehen und zudem teilweise schattig. Es gibt sogar einen Picknick-Platz. Zum Schluss komme ich an einem Wasserkraftwerk vorbei. Hier hatte jemand berichtet, nicht durchgelassen worden zu sein. Ich kann zum Glück ungestört passieren und sehe auch niemanden.

Vorotnavank

Schon bald habe ich es zur Kirche Vorotnavank geschafft, die ich mir ansehe. Danach erreiche ich das Dorf Vaghatin. Es gibt hier mehrere öffentliche Wasserstellen. Der weitere Verlauf des Weges ist schön und führt leicht oberhalb vom Dorf entlang. Im Schatten eines Baumes mache ich eine Stunde lang Pause. Das tut gut.

Dieser Weg gefällt mir sehr gut



Bis ich Vorotan erreiche, ist der Weg leider etwas zugewachsen, aber immerhin erkennbar. Das Highlight in diesem Dorf sind die Hot Springs. Dort bin ich nicht alleine, lasse es mir aber nicht nehmen, zu baden. Die Temperatur ist nicht wirklich heiß, aber angenehm. So kann ich ganz gut entspannen.

Vorotan Hot Springs

Um vier Uhr geht es weiter mit einem Anstieg. Ursprünglich hatte ich geplant, dort oben zu zelten, doch es ist noch etwas früh und so sehr sagt mir die Gegend auch nicht zu. Am Wegesrand sehe ich die ein oder andere illegale Müllkippe. Daher steige ich nach Shamp ab, obwohl der Pfad im Anschluss von den Höhenlinien her sehr abschüssig aussieht. Irgendwas werde ich schon finden, hoffe ich...

Ich bleibe nicht in Shamp, sondern gehe weiter, obwohl der Trail am Steilhang entlang führt.

Werde ich in diesem Gelände einen Zeltplatz finden?



Beinahe hätte ich den Einstieg verpasst, so unscheinbar ist er. Doch dann geht es ganz gut, auch wenn der Trail wie üblich recht zugewachsen ist. Nach einer Stunde sehe ich tatsächlich einen vielversprechenden Hang. Etwas oberhalb vom Wanderweg finde ich tatsächlich eine Stelle, die gerade so passt. Der Wind ist recht stark und nervt etwas.

Gefunden!


06.09.2026 Tatev

Der Wind verschwindet in der Nacht sogar komplett. Zwar ist der Stellplatz nicht ganz eben, aber es schläft sich dort ganz passabel.

Am nächsten Morgen geht es um acht Uhr weiter mit der Wanderung. Der unscheinbare Pfad bleibt unscheinbar und zugewachsen. Aber dafür treffe ich keine Menschenseele und der Anstieg ist auch ganz angenehm sanft. Nach fast zwei Stunden finde ich die erste richtige Quelle und fülle die Flaschen auf. 

Der Pfad ist unscheinbar, gefällt mir aber sehr gut.

Weite Blicke



Nun ist es nicht mehr weit bis nach Harzhis. Dort bin ich überrascht wie gut ausgestattet der kleine Supermarkt ist. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich in Sisian weniger Proviant kaufen müssen.

Am Vormittag steige ich auf einer Gravelroad hinab in den Canyon vom Vorotan. Auf halber Höhe befinden sich die Überreste vom alten Harzhis. Es gefällt mir durch die Ruinen zu streifen, von denen manche noch intakt sind. Auch eine Kirche gibt es dort. Im Schatten dieser mache ich eine längere Pause und lese etwas.

Es lohnt sich, die Ruinen des Dorfes zu erkunden.

Grandiose Blicke garantiert

So langsam gibt es mehr Bewuchs.

Auf dem restlichen Abstieg bietet sich mir ein absolut grandioser Ausblick auf den Vorotan-Canyon. Spektakuläre Steilwände mit dichter Bewaldung auf der einen Seite und eine karge Grasteppe auf der anderen. Hinten in der Mitte gibt es sogar einen kleinen See. 

Männer mit Metalldetektoren sind hier unterwegs. Suchen sie einen Schatz? Den Fluss überquere ich auf einer sehr hübschen geschwungenen Steinbrücke. Dann folgt der lange Anstieg, diesmal angenehmerweise auf einem guten Wanderweg durch einen dichten Eichenwald. Zwischendurch tröpfelt es ein klein wenig, aber davon wird nicht mal der Boden richtig nass. 

Eine alte romantische Brücke

Und schon wieder ändert sich das Landschaftsbild!


Den kurzen Abstieg bis nach Tatev, ein Dorf mit guter touristischer Infrastruktur habe ich schnell geschafft und komme um kurz nach vier in dem Guesthouse an, welches ich bei booking.com gebucht habe. Dort werde ich freundlich empfangen und stelle mich zuerst unter die Dusche. Sauber fühle ich mich gleich wohler und mache mich noch auf den Weg um das örtliche Kloster anzusehen. Das lohnt sich durchaus, ebenso der Stop in einem der Restaurants. 

Das Kloster von Tatev ist gut besucht.


Dieses Blog durchsuchen