Samstag, 21. Februar 2026

Trockenmauerweg GR221 auf Mallorca

150km auf dem Trockenmauerweg GR 221 auf der Insel Mallorca 

Die Serra de Tramuntana


Entgegen der Vorurteile so mancher bietet die Balearische Insel Mallorca nicht nur für Partygänger und Sonnenanbeter zahlreiche Möglichkeiten, sondern auch für passionierte Wanderer. Im Nordwesten der Insel erstreckt sich auf 1.067 km² das Gebirge der "Serra de Tramuntana" mit seinen bis zu 1445m hohen Gipfeln auf eine Breite von 90km. Insgesamt gibt es 54 Gipfel, die die 1000m-Marke knacken. Viele markierte Wanderwege laden dazu ein das Gebirge mit seinen Gipfeln, Wäldern und pittoresken Dörfern zu erkunden. 2011 ist das Gebiet zum UNESCO-Welterbe erklärt worden. 

Spektakuläre Ausblicke sind in der Serra de Tramuntana garantiert.




Die Natur in diesem Gebirge ist noch weitestgehend ursprünglich und bietet spektakulär schöne mediterrane Landschaften. Vom Massentourismus ist diese Seite Mallorcas zum Großteil bisher verschont geblieben. Der 150km lange Fernwanderweg GR 221 hat ca. 6000 Höhenmeter im Aufstieg und stellte eine ideale Möglichkeit dar, diese wilde Landschaft ausgiebig zu erkunden. Starten bzw. enden kann man den Trail in Port d’Andratx und Port de Pollença. 


Die Wege sind oft steinig

Überraschend gut markiert fand ich den GR 221 vor und dies gilt nicht nur für bestimmte Abschnitte, sondern für den gesamten Trail. Neu wirkende hölzerne Wegweiser zeigen die jeweilig nächsten Ortschaften, Pässe und Berghütten in Kombination mit einer realistischen Einschätzung an Zeitbedarf an. Zwischendurch gibt es regelmäßig hölzerne Pfeiler mit Richtungspfeilen. Verlaufen ist zumindest schon mal nicht einfach. 

Natursteinwege




Dennoch empfand ich den GR 221 durchaus als nicht einfach, denn die Wege erklimmen die Höhenmeter mit ordentlich Steigung. Überwiegend wanderte ich auf ursprünglichen Wegen, die mit unterschiedlich großen Natursteinen als Untergrund angelegt wurden. Die Untergründe sind entsprechend fast immer hart und nur selten ist der Boden unter den Füßen gleichmäßig. Schuhe mit einer gutem Dämpfung sind daher empfehlenswert. 


Logistik und Versorgung

Von zahlreichen Flughäfen kann man Mallorca in etwa zwei Flugstunden von Deutschland aus erreichen.  Für mich ging es per vollbesetzter Ryanair-Maschine es zum ersten Mal in meinem Leben auf die inoffizielle deutsche Insel im Mittelmeer. 

Vom Aeropuerto aus fährt man entspannt mit dem Bus A1 in die Hauptstadt Palma de Mallorca. Mit der Buslinie 101 erreicht man Port d’Andratx in einer Stunde Fahrzeit. Pollença oder Port de Pollença erreicht man mit der Buslinie 301 in etwa 90 Minuten Fahrzeit. Bezahlen kann man die Bustickets ganz unkompliziert per Bank- oder Kreditkarte. 

Gaskartuschen kann man in Palma de Mallorca kaufen. Dort gibt es mehrere Sportgeschäfte und Filialen vom Sportdiscounter Decathlon, die auch sonntags geöffnet haben.

Die Versorgungslage mit Geschäften und Supermärkte ist sehr gut. Fast täglich kommt man an mind. einem Dorf vorbei und kann in kleinen Läden oder Supermärkten einkaufen. Die Orte verfügen alle über öffentliche Wasserspender oder man kauft einfach Flaschenwasser im Geschäft. Es gibt auch mehrere natürliche Quellen, die in OSM vermerkt sind, jedoch führen nicht immer alle auch wirklich Wasser. Es hängt sehr von der Jahreszeit und von der Niederschlagsmenge im Winter ab, ob die Quellen ausgetrocknet oder gut gefüllt sind. Tendenziell sind die Chancen auf gefüllte Wasserquellen zu Jahresbeginn besser als im Herbst. Ich hatte hier großes Glück, denn der Winter soll 2025/26 nass und kühl gewesen sein. Selbst wenn man nur in Ortschaften und Refugios Wasser auffüllen könnte, sollte man nicht mehr als drei Liter pro Person brauchen. 


Die ideale Jahreszeit

Die beliebtesten Wandermonate sind März bis Mai und Oktober bis November, da die Temperaturen dann warm sind und das Wetter meistens stabil ist.  In den Wintermonaten von Dezember bis Februar ist es kühler und die Regenwahrscheinlichkeit ist höher, ansonsten steht einer Wanderung auf dem GR 221 aber nichts entgegen. Zumindest wenn man Regenkleidung und eine warme Jacke einpackt. Ich war Mitte Februar unterwegs und hatte tagsüber angenehme 10-15 Grad in Kombination mit Sonnenschein und teils starken Winden. Für mich das dieses Klima ideal. In den Sommermonaten wird es sehr heiß und es gibt weniger Schatten, weshalb ich diese Jahreszeit als nicht empfehlenswert einschätze.


Ruhig, aber nicht einsam

Der GR 221 ist durchaus beliebt, dies viel mir bereits am ersten Tag auf. Neben einigen Tageswanderern, die ebenfalls auf den Wegen am und in der Nähe vom Trail unterwegs sind, sah ich auch mehrere Personen mit (sehr) großen Rucksäcken. Dennoch war es insbesondere in den höheren Lagen eher ruhig und nicht überlaufen, aber eben auch nicht einsam. Wer alleine in der Wildnis sein will, wird vom GR 221 wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Wer unterwegs auch mal auf Mitwanderer treffen und die ein oder andere Bekanntschaft machen möchte, wird den Trail genießen können. 


Übernachten am GR 221

Da man tägl. durch Dörfer oder Städte kommt, kann man den GR 221 bequem und komfortabel von Hotel zu Hotel gehen. Zudem gibt es direkt am Trail sechs offizielle Refugios vom Consell de Mallorca.
Diese sind mit 14€ pro Person im Schlafsaal sehr günstig und schlicht gehalten. Jedoch sollte man sowohl Unterkünfte als auch die Refugios rechtzeitig, am besten mehrere Wochen im Vorhinein buchen. Dies gilt insbesondere für die beliebten Jahreszeiten im Frühling und im Herbst, da die Schlafplätze bereits lange Zeit im Vorhinein ausgebucht sein können. In der Nebensaison kann man auch telefonisch versuchen spontan einen Schlafplatz im Refugio zu bekommen. Will man spontan in den Ortschaften übernachten, kann es sehr teuer werden. Da es zwischen Sant Elm und Estellencs keine offizielles Refugios gibt, weichen viele auf die private Unterkunft "Ses Fontanelles" aus. Hier gibt es allerdings sehr kontroverse Erfahrungen, die mich persönlich abgeschreckt haben. 

Blick auf Valldemossa


Wildzelten ist auf Mallorca offiziell verboten und kann daher nicht einfach empfohlen werden. Die auffällig vielen flachen und glatten Flächen am Wegesrand, die selbst in steilen Abschnitten zu finden sind, sprechen jedoch eine andere Sprache. Interessanterweise fand ich diese fast immer sehr sauber vor - keine Spur von dem Müll den manche schwarze Schafe sonst hinterlassen. Aber wie es in der Hauptsaison aussieht weiß ich nicht. 

Am Wegesrand gibt es viele flache Stellen.


In Lluc gibt es den einzigen offiziellen Campingplatz direkt am Weg. Diesen plante ich zu nutzen, konnte jedoch kurzfristig kein Plätzchen mehr für mich reservieren. Zumindest am Wochenende scheint auch hier eine rechtzeitig Vorbuchung nötig zu sein. 



Hier mein Tourbericht:


16.02.2026 Start mit Meerblick

Um 8:50 Uhr nahm ich die Buslinie 101 direkt nach Port d' Andratx. Bezahlt wird hier ganz modern mit der Karte. Man hält die Bankkarte jeweils beim Ein- und Ausstieg an ein Gerät. Ganz einfach und unkompliziert. Nach rund einer Stunde Fahrzeit kam ich an und wollte direkt loslaufen. Doch vorher wollte ich noch meine brandneue GPS-Uhr aktivieren. Dies gestaltete sich leider schwieriger als gedacht - die Topokarte, die ich zuvor Zuhause runtergeladen hatte, wollte einfach nicht sichtbar sein. Die KI war auch keine wirkliche Hilfe. Frustriert zog ich ohne los.

Direkt geht es bergauf durch einen lichten Kiefernwald zum Coll des Vent, einer Anhöhe mit Ausblick. Der darauffolgende Höhenweg war sehr angenehm. Richtig schön wurde es am pas Vermell. Auf dem Weg überholte ich zwei große geführte Gruppen. Natürlich aus Deutschland. Alleine scheint man auf diesem Trail nicht zu sein. 

Das Örtchen Sant Elm war nicht mehr weit. Dort gönnte ich mir nach dem Frust mit der Uhr eine Kugel Eis. Die Pause tat gut. Bevor ich den Ort verließ, füllte ich mir 2.8l Wasser ab und begann den nächsten Anstieg. Dieser war nicht einfach, aber sehr schön. Es waren auch einige Dayhiker unterwegs. Nach dem steilen Anstieg auf Fels, tat der ebene Weg bei La Trapa gut. Hier war es geplant ein Refugio zu bauen, aber dieses Vorhaben wurde bisher nicht abgeschlossen. So ging es lange, bis der Abstieg zur Straße begann. Nach der Querung dieser, kam natürlich der nächste Anstieg. Aufgrund der vielen negativen Rezensionen, hatte ich mich gegen die Privatunterkunft Ses Fontanelles entschieden. 

Dahinter wurde es endlich einsam und landschaftlich auch wieder reizvoller. Stetig ging es über holprige Pfade den Berg hoch. Schon seit Sant Elm wurde ich vom kräftigen Wind begleitet. Nahe einer Hütte, entschied ich mich, noch weiter anzusteigen. Oben soll es eine windgeschütze Stelle geben. Der Trail war sehr steil und anstrengend mit dem vielen Fels. Hinter mir ging bereits die Sonne unter. 

Gerade noch rechtzeitig erreichte ich die Anhöhe. Tatsächlich gibt es dort eine kleine windgeschützte Stelle für ein kleiner Zelt. Und diesen Windschutz brauchte ich auch. Der Himmel verfärbte sich flammend rot - es war atemberaubend. Dabei baute ich mein Biwak auf und zog mir warme Kleidung an. 


17.02.2026 Puig de Galatzó

Die Nacht war eher von der ungemütlichen Sorte, denn der Wind drehte in der Nacht noch weiter auf und machte einen Heidenlärm. Zu. Glück war ich gut geschützt zwischen den Mauern. Bei Sonnenaufgang ging ich los. Der Wind war immer noch sehr stark und störte beim Gehen. Die mediterrane Berglandschaft mit Meerblick gefiel mir richtig gut. Etwas unterhalb vom Weg sollte es eine versteckte Wasserquelle geben. Daher nahm ich den kleinen Umweg in Kauf und konnte meine Vorräte auffüllen und mich etwas frisch machen. 

Bei der Gruppenunterkunft "Coma d'en Vidal" waren Bauarbeiter am arbeiten. Der darauffolgende Abstieg auf einer Schotterstraße war steil und unangenehm. Ich war froh, als ich rechts in Richtung "Puig de Galatzó" abbiegen konnte. Diesen Umweg wollte ich gehen, denn er versprach spannender zu sein als der originale Weg. Er war tatsächlich sehr reizvoll angelegt und gefiel mir bis zur Weggkreuzung sehr gut. Ab dort begann der finale Aufstieg, der mit 40min ausgeschildert war. Diese 40min zogen sich und kamen mir viel länger vor. Anfangs war der Weg noch angenehm, wurde nach und nach aber anspruchsvoller. Ganz oben pfeifte der Wind wie verrückt und Markierungen fand ich auch keine mehr. Oben angekommen war ich nicht mehr alleine wie bisher. Dort saß eine große Gruppe und genoss die Aussicht bis nach Palma. 

Den Abstieg brachte ich schnell hinter mich. Hatte sich der Abstecher auf den Gipfel gelohnt? Ich weiß es nicht so recht. Nach Estellencs nahm ich nicht den kürzesten Weg, sondern einen etwas längeren, der eine längere ebene Passage versprach. Durch einen dunklen Steineichenwald führte mich der Weg. In der Mitte sogar durch ein Gebiet, was als privat gekennzeichnet ist. Jedoch sah ich keine Zäune oder sonstige Hindernisse.

Am späten Mittag kam ich in Estellens an und kaufte ein paar Snacks ein. Dort war ich nicht alleine, mindestens vier weitere Trekker traf ich in der kurzen Zeit, die ich dort verbrachte. Interessanterweise hatten sie alle riesengroße Rucksäcke mit mind  50 Liter Volumen. Dabei ist die übliche Vorgehensweise in Unterkünften zu nächtigen. Ob sie auch zelten? Selbst dafür braucht es nicht derart viel Gepäck. Naja ultra heavy ist wohl immer noch sehr beliebt bei Mehrtageswanderern. 

Die nächsten Kilometer blieben zivilisationsnah und einfach, aber trotzdem lieblich geführt. Auf der Hälfte der Strecke bis Banyalbufar gibt es eine Quelle und eine offene Schutzhütte. Die Quelle war abgestanden und sah wenig appetitlich aus. Trotzdem füllte ich mir was ab, nur um es später auszukippen. Die Hütte war tatsächlich offen, aber es war erst 16 Uhr und ich wollte gerne noch zwei Stunden weitergehen. 

Banyalbufar umging ich weiter oben, da ich mir die unnötigen Höhenmeter sparen wollte. Ich wählte aber nicht die offizielle Alternative, da diese auf einer breiten Forststraße führt. In der Karte fand ich eine dünne Linie, der ich folgte. Am Abzweig fand ich fließendes Wasser und tauschte das unappettitliche aus. Der Pfad entpuppte sich als leicht abenteuerlicher Weg auf einer vergrabenen Wasserleitung entlang der Trockensteinmauern. Offensichtlich nur bei den Locals bekannt und unscheinbar. Dieser Abschnitt gefiel mir richtig gut!

Er mündete ich einer schmalen Straße, die sich steil bergauf windet. Nach und nach ging diese in Steinstufen und Fußwege über. Am flachen Coll des Pi fand ich keine Biwakstelle, aber etwas weiter unten oberhalb vom Weg fand ich einen perfekten Platz. 


18.02.2026 Steineichenwald mit Ausblick 

Die Nacht war im Gegensatz zur gestrigen sehr erholsam und ruhig. Bis nach Esporles blieb der GR 221 ein richtig schöner Wanderweg durch den Wald, bestehend aus Steineichen. Der Untergrund bestand überwiegend aus alten Steinwegen. An einem Bach kurz vor dem Dorf konnte ich meinen schokoverschmierten Daypack und den Liner mit Wasser säubern. Ich hängte den Daypack außen an den Rucksack um ihn zu trocknen. In Esporles kaufte ich eine Dose Pringles und gönnte mir eine Kugel Eis + Cappuccino in einem Café. 

Im weiteren Verlauf ging es, wie sollte es auch anders sein, wieder bergauf. Diesmal auf einer kleinen Straße, die an mediterranen Bauernhöfen vorbeiführte. Im Schatten aß ich etwas mehr als die Hälfte der Pringles - ich war hungrig. Der GR ging auf einen idyllischen Wanderweg über, der erst steil uns dann wieder flach zum pla de l' Aljub führte, einer gemauerten Schutzhütte und einer Wasserquelle. Diese führte heuer reichlich Wasser und ich konnte mich nach dem schweißtreibenden Anstieg etwas frisch machen. Kurz darauf gesellten sich Sarah und Stefan aus dem Allgäu dazu. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass sie bereits das sechste Mal auf dem GR 221 unterwegs sind. Denn dieser ist einfach super schön! 

Kurz darauf wurde es wieder schweißtreibend, den  es ging hoch auf den felsigen Mola de sa Comuna. Erstaunlicherweise gibt es trotzdem viele tolle Zeltstellen, sogar ein kleines teils überdachtes Biwak. An manchen Stellen konnte ich bis zum Meer sehen. 

Der Abstieg war ebenso toll angelegt wie der Aufstieg. Eine große Trockenmauer wurde mittels Treppenstufen überwunden. Kreativ!

Valldemossa wirkt lieblich, aber auch nicht untouristisch mit seinen vielen Cafés und Restaurants. Leider waren alle Eiscafés an diesem Tag geschlossen. Schade! Im Supermarkt kaufte ich ein und ruhte mich noch auf einer Bank aus, ehe es gegen 16 Uhr weiterging. 

Auch diesmal waren die Wege zunächst breit und wurden nach und nach schmaler. Wieder kam ich durch dichten Steineichenwald. Das Gefälle nahm immer weiter zu. Trotzdem sah ich einige auffällig flache und saubere Stellen. Stefan und Sarah hatten mir das Refugi de son Moragues als Spot für die Nacht empfohlen. Die Hütte ist zwar verschlossen, aber außen ist Platz. Dies war auch der Fall, doch der unebene Steinboden wirkte nicht so gemütlich wie ein weicher Waldboden. Auch wirkten die Asche und die Orangenschalen am Boden wenig einladend. Etwa eine Stunde Tageslicht hatte ich noch, daher ging ich spontan noch weiter bergauf. Wie vorhergesagt, nahm der Wind an Geschwindigkeit zu - ich brauchte definitiv ein geschütztes Plätzchen. Falls ich keines finde, könnte ich immer noch umdrehen. Oben am Puig Gros wehte es die Wolken von einer Seite auf die andere. Die Aussicht am Kammweg hier war genial!

An einem Wegabzweig fand ich ein Kiefernwäldchen mit mehreren flache Stellen, von denen einige gut geschützt waren. In der Nähe befindet sich sogar eine gefasste Quelle. Der Wind wurde immer stärker, aber dort hatte ich top Windschutz. 


19.02.2025 Herzrasen zum Schluss

Der Windschutz war auch bitter nötig, denn in der Nacht stürmte es richtig heftig. Am nächsten Morgen war ein Baum direkt am Trail entwurzelt. Das war am Vorabend noch nicht der Fall gewesen. 

So konnte ich am Donnerstag frisch und erholt weiterwandern. Der stürmische Wind erschwerte das Vorankommen und ich war erleichtert, als es bergab ging. Auf wenigen Kilometern verliert der GR 221 hier 800hm auf dem Weg runter nach Deia. Spektakulär ging es in Serpentinen nach unten. Selbst hier kam ich an ein paar auffälligen flachen und sauberen Stellen vorbei. In Deia kaufte ich in der Bäckerei ein Stück Pizza, aß dieses aber erst etwas später. Hätte ich sie gleich gegessen, hätte ich Nachschub gekauft. Die Bäckerei ist definitiv zu empfehlen. 

Zwischen Deia und Sóller geht es beständig auf und ab, wenn auch nie lange. Der Weg ist auch bei Tageswanderern sehr beliebt. Beim Hotel Corazón kann man zwischen der originalen, etwas längeren Variante, und einer Abkürzung entscheiden. Ich wählte die längere Variante. Diese führte die erste Hälfte langweilig auf Nebenstraßen, ehe es auf Pfaden weiterging. Der Weg zog sich und erst um 14:30 Uhr erreichte ich Sóller. Hier kaufte ich für die nächsten 50km ein und gönnte mir eine warme Mahlzeit in einem indischen Restaurant. 

Um 16 Uhr wanderte ich weiter in Richtung Biniaraix. Oberhalb von dem Ort kommt man in die beliebte Schlucht von Biniaraix. Als Spot für die Übernachtung steuerte ich das Refugi de Xim Joy an, welches laut meiner Recherche als Campingplatz dienen soll. Durch treppenartig angelegte Olivenhaine kam ich auf dem sehr gepflegten Weg immer weiter nach oben. Das Refugi Xim Joy fand ich allerdings hinter einem Zaun mit Vorhängeschloss vor. So wurde nichts aus diesem Plan und planlos stieg ich weiter bergan. Vor dem steilsten Anstieg blieb ich stehen und überlegte. Bis zum Einbruch der Dunkelheit würde ich es nicht mehr in flacheres Gelände schaffen und für diese Nacht waren erneut sehr starke Winde vorhergesagt. Ich suchte etwas und fand auch eine versteckte Stelle. Doch beim Probeliegen stellte ich fest: sie ist schief. Arrgh. In der Nähe eines kleinen Wasserfalls gibt es eine große runde Ebene. Als es bereits dunkel war, legte ich mich dort hin. Kurz bevor ich fertig war, erschreckte mich ein Mann mit einem großen Rucksack mit seinem "Hola!". Ich ging davon aus ab nun meine Ruhe zu haben, doch mind. zwei Trailrunner kamen mit Kopflampen vorbei und das obwohl ich nicht am Hauptweg war. Zumindest dachte ich dies. Mir wurde es dort zu belebt und spontan baute ich ab und stieg die Treppen herunter. Weiter unten errichtete ich  erneut mein Biwak auf einer ebenen Stelle. Hier wäre ich zwar bei Tageslicht vom Weg aus einsehbar, aber im dunkeln weit genug weg für Nachtwanderer. 


20.02.2026 Der schönste Abschnitt auf dem GR 221

Die restliche Nacht blieb dann ruhig. Dennoch baute ich noch vor dem Morgengrauen ab und aß zum Frühstück zwei Müsliriegel bevor ich losging. Den Beginn des neuen Tages hier oben zu beginnen war ein besonderes Erlebnis, welches mir lieber ist, als unten in der Stadt aufzuwachen. 

Mit der kühlen Morgenluft waren die letzten 480hm bis zum Coll de Lofra entspannt zu erklimmen. Dort oben gab es wohl auch passable Zeltplätze, denn zwei Wanderer packten gerade ihr Zeug zusammen. Vom Pass hatte ich einen weiten Blick bis zum Stausee Cúber. An diesem See ging es danach entlang - hier war ich nicht mehr alleine. Ein Parkplatz war nämlich ganz in der Nähe. 

Ich wählte die anspruchsvollere Alternative über den "Pas de Llis". Dieser lohnt sich meiner Meinung nach, denn die Panoramen sind spektakulär und der Trail selbst ist es auch. Es gibt sogar eine seilversicherte Passage. Am Mittag kam ich am Refugi Tossal Verds vorbei und ein weiterer längerer Anstieg begann. Das Ziel ist der höchste Pass vom GR 221 namens "Coll des Prat" auf 1205m Höhe. Bis dahin zog sich der Weg, die Steigung war ausnahmsweise moderat. Angenehm ging es im Schatten der Steineichen sanft nach oben, vorbei an mehreren Wasserquellen. Auch hier gibt es Überreste von den zahlreichen Köhlerplattformen. Ab 1000m lichtete sich der Wald immer mehr und wurde durch hoch wachsende Gräser ersetzt. Hier gibt es die Möglichkeit den zweithöchsten Berg der Insel mitzunehmen, wozu für mich die Zeit aber etwas zu knapp war. Aber schon vom Pass aus hat man eine ganz tolle Aussicht in zwei Richtungen. 

Über kleinere Pässe ging es bergab. Dabei kam ich auch an den Ruinen der Schneehäuser vorbei, wo früher Einheimischen Schnee gesammelt haben. Den Puig Galileu nahm ich noch mit - für den kleinen Abzweig reichte die Zeit noch. Die tief stehende Sonne zauberte Glanz ins grasige Umland - einfach zauberhaft.

Dann ging es über steinerne Treppenstufen steil nach unten und rasch verlor ich an Höhe. Unterhalb der Baumgrenze im Eichenwald baute ich mein Biwak auf einem alten Köhlerplatz auf. Der ursprüngliche Plan war es nach Lluc abzusteigen und auf dem dortigen Campingplatz zu nächtigen. Jedoch schaffte ich es nicht online einen Platz zu reservieren, was obligatorisch ist. Wahrscheinlichkeit war er ausgebucht, zumindest konnte ich das entsprechende Datum gar nicht eingeben. Weder auf der Website noch bei Booking funktionierte es.


21.02.2026 Nach der Kür kommt die Pflicht 

Die Nacht war ruhig und ich konnte gut schlafen, wenn ich auch immer noch mit der rutschigen Oberfläche meiner Therm-a-rest Xlite NXT zu kämpfen hatte. Der Abstieg über die treppenartigen Wege mit Natursteinen dauerte noch rund eine Stunde. In Lluc war ich einen Blick auf den religiösen Wallfahrtsort "Santuari de Lluc" mit seinem botanischen Garten. Dieser ist sehr kreativ mit vielen Wasserläufen und Grünpflanzen angelegt, bietet aber leider wenige Informationen zur einheimischen Flora. 

Zum Refugi Son Amer muss man noch einen kleinen gut ausgebauten Anstieg bewältigen. Danach geht es fast nur noch bergab durch einen ewig erscheinenden Steineichendwald. Der Wanderweg ist meistens eher breit, aber durch grobes Geröll etwas mühselig. Durch die nordwestliche Lage wanderte ich angenehm kühl im Schatten der Bergkette. Wasserquellen gibt es mehrere am Wegesrand. 

Etwa sechs Kilometer vor der Stadt Pollenca erreicht man das zivilisiertes Gebiet im Stadtumfeld. Bevor man die Stadt erreicht, wandert man auf Nebenstraßen und Wanderwegen an Bauernhöfen und dem Muntanya-Bach vorbei. Mir kam dieser Abschnitt eher langweilig vor. 

Offiziell endet der GR 221 in Port de Pollenca, doch die letzten sieben Kilometer führt er nur noch direkt an der vielbefahrenen Landstraße entlang. Zwar gibt es dort einen betonierten Fußweg mit feiner Kiesauflage, doch lohnenswert erschien mir diese letzten Kilometer definitiv nicht. Im Urlaub empfinde ich so etwas als Zeitverschwendung, auf die ich verzichten kann. Daher wanderte ich nur noch bis zum Lidl und nahm an der Haltestelle gegenüber den nächsten Bus zurück nach Palma. 

Montag, 10. November 2025

Trekking in Deutschland

 Trekking in Deutschland


Burgen und Ruinen sind ein häufiges Highlight auf deutschen Trekkingtouren


Diese Fernwanderwege bin ich in Deutschland bereits gegangen: 


Soonwaldsteig


Saar-Hunsrück-Steig

Freitag, 7. November 2025

Saar-Hunsrück-Steig im Herbst

Saar-Hunsrück-Steig zwischen Kirn und Mettlach im November


03.11.2025 Auf selbstverständlich geplanten Pfaden von Kirn nach Idar-Oberstein

Nahe der Schmidtburg sah ich zum ersten Mal die Markierungen vom Saar-Hunsrück-Steig. Doch dieser trennt sich dort vom Soonwaldsteig und führt direkter nach Idar-Oberstein. Den Soonwaldsteig wollte ich unbedingt komplett gehen, daher plante ich eine Verbindung mit einer selbst geplanten Route. 

Rastbank für Riesen

Die Kyrburg bei Kirn

Zuerst stieg ich auf zur Kyrburg. Diese ist zwar typisch für eine Burgruine hübsch anzusehen, aber das Restaurant daneben nimmt ihr den altehrwürdigen Charme. Schade. 

Anschließend folgte ich längere Zeit dem Bach im "Naturschutzgebiet Trübenbachtal" - ein herrlich wilder Bach, der fließt wie es ihm beliebt. Die Wanderwege dort sind sehr naturbelassen. Mir gefiel dieser Abschnitt. 

Naturschutzgebiet Trübenbachtal

Entlang der Wiesen

Kirn-Sulzbach streifte ich kurz und verschwand schnell wieder im Wald. Fürs Mittelgebirge ging es danach vergleichsweise steil hinauf auf den nächsten Hügel. Ich war froh, als ich den Anstieg bewältigt hatte. Durchs Tal des Lörschbachs ging es linkerhand bergab Richtung Fischbach. Dieser Pfad war wenig gepflegt - Äste lagen herum und der Boden war von Wildschweinen aufgewühlt - mir machte es Spaß dort zu wandern. 

Hindernisse im Lörschbachtal

In Fischbach folgte ich der Straße und überquerte die viel befahrene Landstraße. Dort stieß ich auf Markierungen vom Saar-Hunsrück-Steig, nahm aber den linken Weg. Der andere sollte durch Forstarbeiten nicht begehbar sein - so meinte ein Hinweisschild. Stattdessen war mein Weg teils ziemlich verwüstet. Vielerorts lagen Bäume über den Weg. Als ich die Kuppe erreicht hatte, wurde es bereits dunkel. Nahe einer Forststraße fand ich eine flache Stelle zwischen Eichen. Als ich im Zelt saß, war es bereits dunkel geworden. 

Zeltplatz im Wald







04.11.2025 Resupply in Idar-Oberstein und Flip nach Mörschied

Die Nacht war sehr erholsam und am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang ging ich weiter. Zumeist ging es im Laubwald auf und ab. Der Weg war manchmal durch umgefallene Bäume blockiert, die überklettert oder umgangen werden mussten. Ich hörte lautes Grunzen und sah ein paar ausgewachsene Wildschweine auf der anderen Seite eines Baches. 

Wildschweinspuren

Ich näherte mich Idar-Oberstein und hörte sehr viele Schüsse in der Ferne. Vermutlich Jäger. "Die armen wilden Tiere. Ich möchte, dass sie leben.", dachte ich immer wieder. Nicht immer folgte ich exakt dem offiziellen Wegverlauf. 

Schöner Trail oberhalb von Idar-Oberstein

Aber beim Schlossweiher wollte ich es tun, doch ein Zettel hielt mich davon ab, denn dort stand, heute würde in dem Gebiet eine Jagd stattfinden. Leider stand keine Empfehlung für eine Umleitung oder irgendeine Art von Information, wie groß das betroffene Gebiet ist. Dies nervte mich und ich suchte meine eigene Umleitung. Den Weg, den ich nehmen sollte, fand ich nicht und landete stattdessen auf einem Weg, der anfangs gar nicht in der Karte existierte. Später würde er zu einem gepflegten Singletrail.

Die vermeintliche Forststraße entpuppt sich als Singletrail

Als ich die Flugplatzstraße erreicht hatte, marschierte ich ins Tal und kaufte bei Aldi und Rossmann für zwei Tage ein. Anschließend übersprang ich rund 10km mit dem Bus, um in Mörschied weiterzumachen. An sich wäre ich lieber auch diesem vermutlich eher unspektakulären Teil zu Fuß gegangen, doch meine Zeit ist begrenzt. Schließlich muss ich am Samstag einen Zug erwischen und irgendwo in der Nähe von Mettlach sein. 

In Mörschied brauchte ich rund 30 Minuten, bis ich wieder auf dem Trail war. Die Mörschieder Burr gefiel mir sehr gut, insbesondere die Aussicht war richtig toll. Heute schien zum ersten Mal auf dieser Tour die Sonne. 

Genussvolles Wandern an der Mörschieder Burr

Phänomenale Fernsicht von der Mörschieder Burr


An der Wildenburg sah ich einige Menschen. Kein Wunder, dort gibt es einen großen Parkplatz. Ich schaute mir das Trekkingcamp Wolfsheulen an. Die Komposttoilette war tatsächlich geöffnet. Die Plattform für die Zelte ist riesig. Auf solche Plattformen könnte man meiner Meinung aber verzichten. 

Die Wildenburg

Wandern entlang der Rosshalde


Der Trail entlang der Rosshalde sagte mir sehr zu, insbesondere bei Sonnenschein ein Genuss. Ich überquerte die Straße und stieg auf der anderen Seite wieder auf zur Kirschweiler Festung, ein Naturschutzgebiet. Oben am Gipfel ragen grobe Felsen empor. In der Nähe gäbe es tolle flache Stellen fürs Zelt, aber da es ein Naturschutzgebiet ist, ging ich weiter. 

Kirschweiler Festung


Krahlochweiher mit Schutzhütte



Am Krahlochweiher war bereits der Winter eingeläutet. Ich setzte also meine Wanderung in der Dämmerung noch weiter fort. Nachdem ich erneut eine Straße gequert hatte, entdeckte ich versteckt zwischen Bäumen einen richtig tollen Zeltplatz. Der Untergrund war eben und es gab sogar eine Wasserquelle. So konnte ich den Abend entspannt genießen. 

Sonnenuntergang. Der Mond ist schon zu sehen.


Der beste Zeltplatz der ganzen Tour.




05.11.2025 Ortelsbruch Moor und Erbeskopf

Die Nacht war auch diesmal hervorragend. Der nächtliche Wind sorgte für ein trockenes Zelt, obwohl die Nacht diesmal kälter war. Bei Sonnenaufgang ging es weiter. 

Idyllischer Sonnenaufgang

Monotone Forststraßen - hier zumindest mit golden leuchtenden Lärchen

Solch tolle Schutzhütten gibt es immer wieder am Saar-Hunsrück-Steig




Die Strecke bis zum Ortelsbruch Moor musste ich überwiegend auf Forststraßen überwinden. Nur ab und zu gab es zwischendurch Singletrails oder naturnahe Wege. Oberhalb von Morbach gibt es eine relativ neue Schutzhütte mit breiten Bänken, die mir sehr gefiel. Das kleine Moorgebiet mit dem Bohlenweg gefiel mir sehr. Zwei Rehe konnte ich beobachten, ehe sie wegliefen. 

Ein Reh

Bohlenweg am Ortelsbruch Moor

Alte Bahnbrücke




Dann machte ich mich auf den Weg Richtung Erbeskopf. Wieder führte der Saar-Hunsrück-Steig für meinen Geschmack zu viel über Forststraßen. Unterhalb vom Erbeskopf gibt es ein Besucherzentrum mit einem Bistro. Ich hatte schon so eine Befürchtung und die bestätigte sich auch. Die ersten zwei Wochen im November sind das Besucherzentrum und das Bistro geschlossen. Also setzte ich mich draußen auf eine Bank in die Sonne und aß Chips. Danach hatte ich keine Lust mehr auf die billigen Chips von Aldi und entsorgte den Rest im Mülleimer. 

Monotone Forststraßen

Das Besucherzentrum war wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Aussicht vom Erbeskopf


Den Rest hoch zum Erbeskopf, dem höchsten Gipfel in Rheinland-Pfalz, gibt es einen schönen Trail. Oben gibt es einen Aussichtsturm - dort war ich nicht alleine.

Dieser Trail wird offensichtlich nicht mehr gepflegt

Einige Bäume lagen quer über dem Weg

Bergab entschied ich mich für eine verwegene Variante über einen Trampelpfad, vor dem ein Schild über umgefallene Bäume warnte. Der Pfad war schön, aber nur spärlich markiert und es gab tatsächlich viele umgefallene Bäume mitten auf dem Weg, welche die Navigation auf dem kaum sichtbaren Pfad nicht gerade vereinfachte. Aber es gefiel mir! 

Der Springenkopf wird von kranken Fichtenbeständen geprägt. Kein schöner Anblick. Die Buchen hier waren auch schon kahl und die Umgebung wirkte trostlos.

Die pinken Markierungen haben mich in die Irre geführt

Bergab folgte ich pinken Pfeilen, in der Hoffnung sie weisen den Weg. Das taten sie aber nicht, also kehrte ich um. Der Abstieg nach Trahnenweier erschien mir nicht lohnenswert, also kürzte ich ab. Die obere Abkürzung schien nicht zu existieren, aber ich suchte nicht lange. Die untere fing ganz toll an, doch dann stand ich mitten in einem Verhau aus toten Fichten. Ich kämpfte mich drüber und drumherum, dachte schon an die Umkehr. Doch auf der anderen Seite ging der Weg passabel weiter.

Blockade durch umgestürzte Fichten. Dies ist nur ein Ausschnitt vom Chaos

Ochsenbruch Moor

Das Ochsenbruch ist ein weiteres Moor im Hunsrück. Der Ochsenstall Shelter ist eine tolle Schutzhütte, aber direkt an der Straße. Für mich als Frau keine Übernachtungsoption. Ich ging weiter und folgte der Forststraße am Hengstbach. Diese ist ok zu gehen und ziemlich flach. Später suchte ich mir zwischen Buchen und Lärchen einen Platz für mein Zelt. 


06.11.2025 Der Keltenring und die Grimmburg

Als ich gerade mein Zelt abgebaut hatte, fuhr auf der Forststraße ein amtlich wirkendes Auto vorbei. Früh einpacken lohnt sich, erst recht wenn der Wald, wie jetzt, so kahl ist. 

Tolle Schutzhütte direkt am Weg


Wenige Minuten später betrat ich einen urigen Singletrail durch den dichten und dunklen Wald. An einer Kreuzung mit einer Forststraße wurde vor einer Jagd gewarnt - zum Glück auf der anderen Seite. Sanft ging es hoch zum Dollberg, der mit 695m höchste Berg vom Saarland. Vor kurzem hatte ich dieses Bundesland erreicht. Mir gefiel die Morgenstimmung in Kombination mit dem naturbelassenen Pfad. 

Trail am Dollberg


Das nächste Highlight war der Keltenring, ein Relikt menschlicher Aktivität vor mehr als 2000 Jahren von den Hunnen erbaut. Ein echter Kulturschatz der deutschen Geschichte! Damals haben die Menschen einen Wall aus Fels und Baumstämmen gebaut - die Felsen sind heute noch übrig und der Wall immer noch gut erkennbar. Auch landschaftlich ein lohnenswertes Ziel, insbesondere wo heute Teile vom Tal noch im Nebel lagen.

Keltenring

Aussicht vom Keltenring zur anderen Seite mit herbstlich verfärbten Lärchen


Beim Abstieg kam ich an einem mystisch herbstlichen Weiher vorbei, ehe ich die Talsperre Nonnweiler erreichte. Die Ausblicke auf den großen Stausee imponierten mir. Der Trail bietet auf diesem Abschnitt sehr viel.

Entspannte Pause mit Blick auf die Talsperre

Die Talsperre Nonnweiler sagt mir optisch zu



Am Forstelbach entlang bewegte ich mich Richtung Hermeskeil. Der Forstelbach selbst zeigt sich stark durch die Aktivitäten von Biebern beeinflusst. Mehrere fachgerecht gebaute Dämme stauen den Bach an vielen Stellen zu kleinen Teichen auf. Bieber sah ich leider keine. 

Eine von vielen Brücken. Bäche müssen nicht gefurtet

Baukunst der Tierwelt: Der Bieberdamm



In Hermeskeil kaufte ich im Rewe ein und gönnte mir eine Mittagspause im Stadtpark. Die nächsten Kilometer führen vergleichsweise langweilig über kleinere Forststraßen und Nebenwege. Den eigentlich etwas längeren Saar-Hunsrück-Steig kürzte ich etwas ab, indem ich einem Pfad direkt zum Tal vom Wadrill folgte. Dieser erschien mir ohnehin reizvoller als weitere Forstwege. Im Tal vom Wadrill sind ebenfalls Aktivitäten vom Biber sichtbar: Staudämme, Biberpfade und sogar eine Biberburg entdeckte ich während ich marschierte. Schön, wenn die Tierwelt intakt ist.

Der Pfad war anfangs nass

Eine Biberburg


Der Weg am Bach führte mich zu einem absoluten Highlight: Der Grimburg, erbaut ca 1150 nach Christus. Ich erkundete das Burggelände und erklomm den Turm. Die Abendsonne ließ die gelb gefärbten Bäume in der Umgebung majestätisch leuchten. Man kann nach Anmeldung sogar auf dem Gelände zelten - ob das auch in der Nebensaison gilt weiß ich nicht. Doch die Zeit drängte, schon deshalb wollte ich heute noch weiter. 

Die Grimburg


Aussicht vom Turm der Grimmburg


Ich wählte den direkten Weg nach unten, welcher nicht ganz so einfach ist. Am Wadrill und am Lautenbach ging es entlang, bevor es bergauf zum nächsten Hügel ging. Der Himmel verfärbte sich rosa als ich aus dem Tal aufgestiegen war. Es dämmerte. Zum Glück waren die Forstwege auch in der Dunkelheit nicht schwer und so lief ich noch ein bisschen mit Kopflampe weiter. Um etwa 18 Uhr verschwand ich im Wald, um einen Zeltplatz zu suchen. Im dunklen gestaltete sich dies schwieriger als tagsüber bei Licht und ich irrte etwas umher. Doch dann fand ich eine passende Stelle direkt unter einer mächtigen Buche.

Die Sonne geht unter




07.11.2025 Ohne Weiskirchen und Losheim Richtung Mettlach

Von Anfang an war mir klar gewesen, dass ich nicht den kompletten Saar-Hunsrück-Steig bis Perl schaffen würde, sondern nur bis Losheim oder bis Mettlach. Die Saarschleife hinter Mettlach reizte mich noch mehr. Daher überlegte ich hin und her, wie ich es angehen sollte. Entweder könnte ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Losheim bis Mettlach fahren oder zwischendurch abkürzen. Letztere Idee am mir spontan am Abend zuvor und sie erschien mir am attraktivsten. 

Sonnenaufgang im Wald

Wanderhütte Reidelbach


Wie üblich startete ich mit Sonnenaufgang. Am Ortsrand von Reidelbach gibt es eine liebevoll eingerichtete Wanderhütte. Ich staunte, als ich sie mir von innen ansah. Als alleine wandernde Frau verzichte ich aber aus Gründen der Vorsicht lieber auf Übernachtung in Ortsnähe. 

Der wildromantische Wahnbach



Ich wanderte fröhlich vor mich hin, erst am Wahnbach wurde es wildromantisch. Der Trail ist hier ganz toll in die Natur integriert worden. Der im Saar-Hunsrück-Steig integrierte Umweg zum Herberloch lohnt sich in meinen Augen. Dieser ehemalige Steinbruch wurde zu einem Weiher umfunktioniert und strahlt eine herrliche Ruhe aus. Ideal für die erste Pause des Tages!

Herberloch - ein ehemaliger Steinbruch



Weiskirchen hatte ich als Stop zum Einkaufen eingeplant, doch diesen brauchte ich ohnehin nicht mehr. So sparte ich rund drei Kilometer, die ohnehin nicht Teil vom offiziellen Saar-Hunsrück-Steig sind. Entlang vom Holzbach folgte ich wieder einem schönen Singletrail. 

Singletrail im Forstwald

Bärenfels


Rund um den Lannenbach gibt es ein paar interessante Steinformationen, die vom Trail mitgenommen werden. Besonders am Bärenfels wurde es spannend. 

Unterhalb der kleinen Ortschaft Scheiden, kürzte ich den Umweg nach Losheim am See ab und sparte so etwa acht Kilometer, die vermutlich ohnehin nicht besonders spannend gewesen wären. Auf der Abkürzung machte ich eine etwas längere Pause an eine von diesen hier häufigen Wellenliegen. Die sind richtig gemütlich wenn die Sonne scheint! 

Abkürzung

Diese Wellenliegen gibt es sehr häufig am SHS


Oberhalb von Bergen folgte ich dem nächsten Bachtal. Von Tal zu Tal - das ist wohl heute das Motto des Trails. Das Tal vom Saarhölzbach war besonders lang und einsam. Erst nahe der Straße sah ich eine Person, die ihr Grundstück fegte. 

Grenzsteine, noch aus der Zeit, als Saarland nicht zu Deutschland gehörte


In der Dämmerung stieg ich den nächsten Hügel hinauf und schritt dem Sonnenuntergang entgegen, als ich eine Straße überquerte. Im Zwielicht folgte ich den Wegen entlang von Weiden und Wiesen. Als Spot für die letzte Nacht vor der Rückreise hatte ich ein flaches Waldstück anvisiert. Dafür folgte ich kurz einer Forststraße abseits vom Trail und verschwand dann ins Unterholz. Schnell fand ich eine flache Stelle ohne Unterwuchs. 

Schöner Sonnenuntergang




08.11.2025 Die Saarschleife im Nebel

Diesmal hatte ich das Zelt in der Dunkelheit nicht ganz so clever platziert, denn ich rutschte leicht zur Seite und wachte deshalb ein paar Mal auf. Ich war nachts aber auch zu faul und zu müde um das Zelt zu versetzen. 

Der letzte Tag begann mit dichtem Nebel.

Der Weg raus aus dem Waldstück war kurz und dann stand ich im Nebel. Wo ich am Abend zuvor noch eine schöne Fernsicht hatte, sah ich nun nur noch 20m weit. Laut Wettervorhersage sollte aber um zehn Uhr die Sonne rauskommen. Darauf hoffte ich, denn ich wollte vor der Rückfahrt noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt auf die Saarschleife machen. 

Der Abstieg vom Herrgottstein gefiel mir


Über den kleinen Gipfel Herrgottstein, wo der Wald übrigens auch jetzt noch richtig schön bunt war, stieg ich nach Mettlach ab. So früh am morgen war hier noch nichts los, kaum ein Mensch war draußen zu sehen. In Mettlach steuerte ich einen kleinen Brunnen an, um dort meine Hosenbeine notdürftig zumindest ein bisschen zu säubern. Die waren nämlich total braun vor Dreck und heute stand ja die Rückfahrt per ICE bevor. 

Nebel im Wald oberhalb der Saar



Auf der anderen Seite der Saar begann der Anstieg zum Aussichtspunkt. Schon nach wenigen Metern war ich wieder in einem herrlich bunten Wald, bestehend aus Buchen und Eichen. Immer wieder passierte ich einzelne Aussichtspunkte, viel erkennen konnte ich jedoch nicht. Trotzdem war die Wegführung an sich toll, es ging auf und ab durch ein Naturschutzgebiet. Leider war die Welt um mich herum auch um 10 Uhr, als ich den Aussichtspunkt Cloef erreichte, immer noch sehr nebelverhangen. Ich sah rein gar nichts von dem Touristenhighlight Saarschleife. Hier gibt es sogar einen Baumwipfelpfad - etwas was ich bis dato noch nie live gesehen hatte. Bei dem Wetter würde ich dort oben aber auch nicht mehr sehen. Schade! 

Hier sollte eigentlich die Saarschleife zu sehen sein...

Weiter unten kann man sie ein bisschen erahnen.


Direkt dort gibt es einen Serpentinenpfad bergab, den ich als Abstieg wählte. Dieser war toll angelegt und umso mehr ich nach unten kam, umso mehr konnte ich auch sehen. Zumindest konnte ich die Saarschleife dort ein klein wenig erahnen. Für die Rückkehr nach Mettlach nutzte ich den Radweg, der mit seinem Mix aus feinem Schotter und Erdboden einfach zu gehen ist. 

Die Saar vom Radweg aus


In Mettlach kaufte ich etwas Proviant ein und trat dann die inzwischen über acht Stunden dauernde Fahrt nach Hause an. Dem Schienenersatzverkehr sei Dank hat sich die Fahrzeit erheblich verlängert. Wie sollte es auch anders sein mit der deutschen Bahn...


Link zu den GPX Tracks:



Fazit Soonwaldsteig + Saar-Hunsrück-Steig

Zwar kann ich keinen Vergleich zu anderen Fernwanderwegen in Deutschland ziehen, aber durchaus zu denen, die ich bisher im Ausland gegangen bin. 

Folgendes ist mir auf sowohl auf dem Soonwaldsteig, als auch auf dem Saar-Hunsrück-Steig aufgefallen: 

- Ortschaften sind zwar selten weit weg, werden aber oft umgangen
- Noch nie bin ich einen Wanderweg gegangen, der derart gut markiert ist
- Die Verpflegungssituation ist luxuriös im Vergleich zu den Trails, die ich sonst gegangen bin. Da diese vom Trail selbst meist umgangen werden, sind dafür nur kleine Umwege nötig. Mehr als zwei Tage Verpflegung muss man aber nicht tragen.
- Der Anteil an naturnahen Wegen und Singletrails ist groß, der Asphaltanteil verschwindend gering. Zudem ist er fast immer einfach zu gehen, was ein schnelles Tempo erlaubt.
- Die Zeltplatzsuche war sehr einfach. Jedes Mal habe ich spontan während der Dämmerung oder kurz danach ein passendes Plätzchen gefunden. Dabei habe ich darauf geachtet, Naturschutzgebiete zu meiden. Auch Trekkingcamps und Campingplätze gibt es reichlich, wenn man den Weg innerhalb der üblichen Saison geht.
- Von der Jahreszeit her war es für meinen Geschmack ideal. Die Herbstlaubfärbung war auf dem Soonwaldsteig auf ihrem Höhepunkt. Im Hunsrück Hochwald war ich etwas zu spät, hier wäre es ein oder zwei Wochen früher optimal gewesen. Auch vom Klima her war es zum Wandern noch ganz in Ordnung. Nachts war es nicht zu kalt und tagsüber angenehm mit etwa 8-15 Grad. 

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