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Freitag, 21. August 2026

TCT Alaverdi bis Dilijan

TCT Alaverdi bis Dilijan 


17.08.2026 Nasses Nebel-Bushbashing

Die Nacht im Hostel ist erholsam und Sam ist ein angenehmer Zimmergenosse. Wie so oft dauert in einer Unterkunft alles ein bisschen länger und erst um Viertel vor neun komme ich los. Die ersten drei Kilometer an der Straße bis Alaverdi sind langweilig. Immerhin gibt es einen schmalen Bürgersteig. Im Kata Supermarkt kaufe uch für die nächste Etappe bis Dilijan ein. Hier kommt man durch kein Dorf. Der Einkauf fällt mir schwer und ewig gehe ich im Laden umher. Alle Waren wirken fremdartig oder sind zumindest sehr fremdartig beschriftet. Beim Bäcker kaufe ich noch Lavash - das traditionelle hauchdünne Brot.

Rückblick auf Alaverdi




Der Weg bis in die Stadt Sanahin ist überraschend schön. Ein Wanderweg führt in Serpentinen nach oben und ist zumeist im guten Zustand. Es ist bewölkt, aber angenehm warm. In Sanahin treffe ich den Spanier wieder. Er ist einen anderen Weg gegangen und will heute hier übernachten. Schon wieder vergesse ich ihn, nach seinem Namen zu fragen.

Dirtroad


An der Wasserquelle mache ich eine Pause, ehe ich den großen Anstieg angehe. Schon kurz darauf ist der Weg, den ich gehen soll, nicht erkennbar. Stattdessen folge ich weiter der Dirtroad. An der nächsten Kurve finde ich den Weg, aber der ist extrem steil. Bis 1500m wandere ich auf dem 4x4 Track. Dann zweigt ein Pfad ab - Markierungen sehe ich schon länger nicht mehr. Es ist sehr nebelig und ich sehe nur 10-20m weit. Ohne GPS wäre die Navigation hier unmöglich. Unzählige Tierpfade sind zu sehen und man muss ständig schauen, wo man hin muss. Zudem ist es stellenweise unangenehm überwuchert. 

Der Trail ist kaum erkennbar



Es regnet zwar nicht, tropft aber beständig von den Bäumen. Alles ist nass, meine Socken auch. Bäh! Das mag ich gar nicht! Der Zustand des Weges verschlechtert sich zunehmend. Am schlimmsten ist es nahe einer Picknick-Stelle. Bis auf Kopfhöhe wächst das Gestrüpp und ist gerne mal dornig. Ein einziges Bush-Bashing ist das hier. Laut GPS bin ich irgendwann minimal zu weit oben. Weiter unten ist der Hang total von Rindern zertrampelt und gleichzeitig überwuchert. Zudem ist der Boden unglaublich matschig und rutschig, was die Sache nicht einfacher macht.

Völlig zugewuchert

Hier war es ganz besonders schlimm



Ich bin gottfroh, als ich bei der Quelle am 4x4 Track ankomme. Ein Hirte grüßt freundlich. Es ist richtig angenehm hier zu gehen und ich komme auch vorwärts. Die Zeltplatzsuche fällt schwer. Irgendwann finde ich vernünftige Wiesen, aber weit und breit sind Kühe unterwegs. Aber es hilft nichts - ich gehe etwas abseits vom Weg bergauf und finde eine passable Stelle. Puh, geschafft!

Endlich Feierabend!




Am Abend stelle ich fest, dass der leichte Wind den Nebel durchs Zelt drückt und das Mesh wird richtig nass. Ich spanne das Zelt so tief ab wie möglich. Da wäre ein doppelwandiges besser. Dann fängt es an zu regnen. Gute Nacht!


18.08.2026 Der erste sonnige Tag

Beim Morgengrauen klart der Himmel auf und ich kann endlich wieder etwas sehen. Den Platz habe ich gut gewählt, auf der anderen Seite sind die Rinder. Während ich mein Zelt einpacke, kommt auf der Dirtroad eine große Schafsherde anmarschiert. Zum Glück bin ich oberhalb davon. Doch als ich gerade meinen Rucksack schultere und in die entgegengesetzte Richtung gehen will, rennen mehrere Hunde lauf bellend hinter mir her. Blöde Köter! Warum können die nicht bei ihrer Herde bleiben?!

Bei den Hirtensiedlungen muss man aufpassen



Beim übernächsten Hirtenhaus soll es viele aggressive Hunde geben. Aus Vorsicht umrunde ich dieses Areal auf der anderen Seite von Berg. Doch die Ruhe währt nicht lange: Am Steilhang entdecke ich in der Ferne eine Schafsherde. Als ich noch rund 300m entfernt bin, kommen drei aggressive Hunde hinter mir her. Und das obwohl ich bereits umgedreht bin! Mir bleibt nichts anderes übrig, als weglos den steilen Berg hochzugehen, um auf der anderen Seite weiterzugehen. Das geht zumindest, wo hier nur Grasland ist. Es ist trotzdem sehr nervig!

Es klart endlich auf

Hier gefällt es mir richtig gut



Inzwischen scheint die Sonne kräftig vom Himmel und es lohnt sich, die immer noch nassen Socken auszulegen. Die Landschaft verwandelt sich hier in sanft geschwungene grüne Berglandschaft. Es erinnert mich an Tushetien in Georgien. Zwischendurch kann ich ganz entspannt wandern und die Natur genießen.

An einem Picknick-Platz mache ich eine lange Mittagspause. Auch das Zelt trocknet nun. Dann geht es weiter und ich bin in Sorge, weil es für die Siedlung Pakhagn Berichte über problematische Hunde gibt. Aber es dauert noch, bis ich dort ankomme. Bei jeder anderen dieser kleinen Hirtensiedlungen bin ich sehr vorsichtig, doch meist sind die Hunde angeleint oder es sind Menschen da. 

Picknick-Shelter

Stimmung am späten Nachmittag




Im Gegensatz zu gestern sind die Wege überwiegend einfach und angenehm. Zwischendurch gibt es Passagen, wo man Trampelpfaden von Rindern durchs hohe Gras folgen muss. Aber da ist nur die Navigation aufwändig. 

An einer Quelle fülle ich für die Nacht auf und nehme insgesamt 2.5l mit. Pakhagn ist unproblematisch, es gibt zwar frei laufende Hunde, aber die bleiben auf ihrem Grundstück stehen und verfolgen mich nicht. So sollte das immer sein!

Noch 3.5km, überwiegend bergab, dann bin ich an meinem Tagesziel, einem Picknick-Platz, angekommen. Hier baue ich auf plattem Gras mein Zelt auf und genieße den Abend. Durch die Nässe der vorherigen Tage, wird es wohl viel Kondenswasser geben. Aber einen Platz unter Bäumen gibt es weit und breit nicht. 

Idyllischer Zeltplatz





19.08.2026 Dilijan Nationalpark 

Ich schlafe gut, wache aber einmal auf, weil in der Nähe auf einer Dirtroad zwei Autos fahren. Verwunderlich irgendwie, dass Leute bei Dunkelheit eine solche Straße fahren.

Auf dieser Straße geht es für mich weiter. Schon bald erreiche ich eine Wasserquelle. Herrlich erfrischend! Bereits um halb neun ist es richtig warm. Zu warm für meinen Geschmack. Der Himmel ist wolkenlos.

Wandern auf einer Dirtroad

Wandern auf Pfaden

Enziane wachsen hier in großer Anzahl




Auf diesen Wegen komme ich gut vorwärts. Zwischendurch geht es auf schmalen Kuhpfaden weiter. In der Distanz sehe ich einen alten Mann mit grauem Vollbart. Offenbar ein Hirte. Er spricht mich an, fragt wohl, ob ich russisch spreche. Das muss ich leider verneinen. Er geht es Stück mit mir bis zu einer Hütte, die wohl ihm gehört. Meinen Weg kann ich ihm verständlich machen, auch dass ich aus Deutschland komme. Er zeigt auf einen Bullen und auf meinen roten Rucksack. Wegen der Farbe solle ich vorsichtig sein, verstehe ich. Dann nimmt er zwei Steine und schlägt sie aneinander. Aber was das bedeuten soll, verstehe ich nicht wirklich. Schade, dass ich kein russisch spreche.

Es geht bergauf und bei der Hitze ist das brutal anstrengend. Bei jeder Gelegenheit mache ich mein Baumwolltuch nass, welches um meinen Hals gewickelt ist. Einen guten Platz für die Mittagspause finde ich nicht, daher fällt sie kurz aus.

Auf einem Pass erreiche ich die Grenze zum Dilijan Nationalpark. Kurz darauf geht es auf einen kaum vorhandenen Trampelpfad bergab. Naja wie ein Weg sieht das ehrlich gesagt nicht aus. Eher als hätten TCT-Hiker nach und nach das Gestrüpp etwas plattgetrampelt, wo mal ein Weg entstehen soll. Zeitweise ist das Gestrüpp mit reichlich Brennesseln mannshoch. Meine Beine sehen sowieso wie Streuselkuchen aus, meine Arme nun auch... Irgendwann wird es etwas besser, ein paar Mal rutsche ich aber aus, da der Boden manchmal nur aus Gestrüpp besteht. Rechts von mir ziehen Wolken auf und ich höre Donnergrollen.

Der Abstieg ist überwachsen und kaum erkennbar

Rückblick






Nach 1.5h komme ich wieder auf einen normalen Weg und bin erleichtert. Es ist noch ein steiler Abstieg bis zum Hidden Waterfall. Diesen Umweg gehe ich, da ich dort ein erfrischendes Bad nehmen will. Erst muss ich aber warten, bis eine Familie weggegangen ist. Danach fühle ich mich viel besser! Der "Blue Swamp" ist ein Reinfall - ein veralgter Tümpel.

Perfekt gepflegter Weg


Haghartsin Monastery




Der Pfad bis zum Haghartsin Monastery ist wunderbar gepflegt und markiert. Dort ist die Hölle los! Massenweise Touristen sind hier unterwegs, inkl. Gruppen. In einer Bäckerei kaufe ich ein überteuertes süßes Brot (Gata), was typisch für die Region sein soll. Es schmeckt ganz ok. Hinter dem Monastery-Komplex soll man zelten können. Ich sehe mir das Gelände an, kann aber nichts finden, was außerhalb der Gebäude ist und nicht uneben oder überwuchert ist.

Also gehe ich trotz fortgeschrittener Zeit weiter und folge einer groben Gravelroad bergauf. Hier ist es überall abschüssig oder voller Gestrüpp. Erst nach 3.5km und 525hm komme ich auf ein Plateau. Hier bin icg nicht die erste, die hier zelten will. Ein Vater mit Sohn ist auch da, aber sehr wortkarg. Auf einer Wegkreuzung ist das Gras nicht so hoch und flach genug. Dort stelle ich mein Zelt auf. Dunkle Wolken mit Donnergrollen scheinen in meine Richtung zu kommen, ziehen dann aber doch vorbei. Glück gehabt!

Exponierter Zeltplatz




20.08.2026 Dilijan

Diesmal gibt es nicht ganz so viel Kondensation wie in der Nacht zuvor. Ich lasse mir am Morgen ganz viel Zeit, da ich nicht zu früh in Dilijan ankommen möchte.

Der Kaukasus ist sehr blumenreich




Entlang von bunten Blumenwiesen wandere ich zum Pass hoch. Oben hat man einen tollen Ausblick und mit den Wolken, die heute vorherrschen, wirkt es besonders stimmig. Bergab bleibt es sehr schön, bis ich eine verlassene Siedlung von Bauern erreiche. Hier fließt der Kayenayur-River, den ich hier noch mühselig barfuß quere. Schon bald folgt eine weitere Querung barfuß. Es ist ganz schön aufwändig sich jedes Mal die Socken an- und auszuziehen. Auf der Karte sehe ich nun, dass ich diesen Fluss noch zahlreiche Male furten werden muss.

Aufgelassener Wohnanhänger

Diesen Fluss musste ich mehrfach furten



Überraschend finde ich einen Picknick-Shelter mit einer sauberen Wasserquelle. Dort gönne ich mir eine Pause, bevor es weiter Richtung Dilijan geht. Schneller als gedacht erreiche ich die Vororte der Stadt. Entlang der Hauptstraße gehe ich in Richtung des Hiker Hostel's, wo ich reserviert habe. Dort möchte ich für zwei Nächte bleiben, um einen entspannten Ruhetag zu machen. Die letzten Tage haben viel Kraft gefordert. Die Route an der Hauptstraße ist wenig attraktiv. Da wäre eine andere besser gewesen.

Im Hostel komme ich rechtzeitig vor einem heftigen Gewitterregen an.

Ruhetag im Hiker Hostel

Armenien ist bekannt für seine in Stein geschnitzten Crossstones

Resupply für die nächste Etappe



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