14.08.2026 Nasse Begrüßung in Armenien
Arno steht bereits mitten in der Nacht auf, um seinen Flug zu erwischen. Ich selbst darf noch ein paar nervöse Stunden schlafen. Mein Bus nach Armenien geht erst um 9 Uhr. Gerade noch rechtzeitig informiert mich das Busunternehmen per WhatsApp, bei dem ich einen Sitzplatz reserviert habe, über eine Veränderung des Abfahrtsorts. Fünf Minuten später und ich wäre im Taxi zum falschen Terminal gewesen. Eine halbe Stunde vor planmäßiger Abfahrt komme ich am Busbahnhof Ortachala an. Ein Mann gibt mir einen Schnipsel Papier und nimmt mir 50 GEL ab. Ich bin sehr aufgeregt und sorge mich, dass unterwegs Probleme entstehen. Nervös gehe ich auf und ab, bis der Minibus mit 20 Minuten Verspätung kommt. Nun bin ich etwas erleichtert.
Die Grenzkontrolle ist problemlos und die Fahrt ist kurzweilig. In Vanadzor steige ich aus, muss aber noch ins Zentrum gehen. Nun fängt es an zu regnen. Dort hebe ich mir gebührenfrei Bargeld ab und bestelle mir mit der Yandex-Go-App ein Taxi nach Stepanavan. Jedoch wundere ich mich, warum es nicht ankommt und starre verwirrt auf den Bildschirm und auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Plötzlich springt der Punkt mit dem zuständigen PKW zu einem anderen Ort oder ist es mein Standort, der springt? Ich habe mich nahe eines Kreisverkehrs hingestellt und nun zeigt er mir einen anderen Kreisverkehr an. Joggend mache ich mich auf den Weg zu dem Taxi und muss dabei zweimal die Straße queren. Völlig verschwitzt und zusätzlich nass vom Regen finde ich das richtige Fahrzeug. Die Wartezeit vom Taxi wird extra berechnet.
Jetzt bin ich endlich auf dem Trail. Am Lori Adventure Park geht es in einen dichten Wald auf einen breiten Fußweg. Direkt am Einstieg finde ich eine TCT-Markierung. Bald lichtet sich der Wald und ich komme auf eine weite Wiese. In der Ferne höre ich leises Donnergrollen. Von rechts kommt ein Hirte mit seiner Kuhherde samt Hund in die gleiche Richtung, wie ich gehe.
Ich lege einen Zahn zu und gleichzeitig fängt es an zu regnen. Schnell ziehe ich die Regenjacke an und der Regen wird bald so richtig kräftig. Eher weglos geht es eine Wiese bergab bis zu einer Erdstraße. Inzwischen rinnen dreckige braune Bäche die Straße entlang. Blöderweise habe ich meine Regenhose nicht angezogen, weil ich nicht in die Rindeherde gelangen wollte. Nun ist meine Hose völlig durchweicht und klebt am Körper.
Der starke Gewitterregen hat einen Bach anschwellen lassen. Na gut, dann gibt es heute die erste Furt in Armenien. Die Socken sind ohnehin schon flatschnass!
Als ich Pushkino erreiche, lässt der Regen nach und die Sonne fängt an zu scheinen. Am Weg gibt es einen kleinen Laden, wo ich einen Joghurt erstehe. Schneller als erwartet erreiche ich Gargar und das Hostel Geologist's Home. Die Verständigung mit dem alten Mann geht nur mit Händen und Füßen und Google Translate. Davit kommt bald dazu und kann übersetzen. Meinen Rucksack räume ich leer und dann kaufe ich noch im Shop in Gargar fürs Abendessen ein. Ich bin dabei so ungeschickt, dass ich eine Packung lose Kekse umwerfe. Ich schäme mich und fühle mich wie ein Elefant im Porzellanladen. Die Verständigung ist nicht möglich, da die Verkäuferin kein Englisch spricht und ich kein Armenisch. Aber immerhin bekomme ich etwas fürs Abendessen.
Im Hostel bin ich alleine und mache es mir nach dem Abendessen gemütlich. Der Tag war turbulent und die meiste Zeit war ich nervös. Angekommen bin ich von Gefühl her noch nicht in Armenien.
15.08.2026 Canyon-Walk
Die Nacht im Hostel ist erholsam und ich hole etwas Schlaf nach. Gemütlich frühstücke ich in der Küche mein Müsli aus Deutschland mit Pfirsichjoghurt. Erst um neun Uhr komme ich weg.
Laut Wetterbericht soll es den Tag über leicht regnen. Der Himmel ist bedeckt und ich fühle mich beobachtet, als ich Gargar verlasse. Schon bald tauche ich in einen dichten Wald ein. Die Wege sind im Prinzip einfach, aber der teils sehr matschige Untergrund macht es nicht einfach. Viele Schlammlöcher müssen umgangen werden.
Nahe vom Dendropark ist der Pfad kaum noch erkennbar. Junge Bäume haben sich hier ausgebreitet. Bald wird der Weg wieder klar, aber der Matsch bleibt, bis ich die freien Wiesen erreiche.
Die Ausblicke auf die Dörfer im Tal gefallen mir sehr gut. Ich komme an einem Hirten vorbei und grüße auf armenisch. Das Wort wird "barew" ausgesprochen. Mehr Kommunikation ist leider nicht möglich.
In Kurtan erstehe ich ein spottbilliges kleines Eis. Die Einwohner und auch die Kinder starren mich an. Sehe ich mit meinem Rucksack so außergewöhnlich aus? Oder liegt es an den Shorts? Das Klima ist sommerlich warm und für mich zu warm für eine lange Hose.
Hinter Kurtan verändert sich die Landschaft dramatisch. Ich steige einen steilen Canyon hinab. Der Pfad ist etwas abenteuerlich, aber gut markiert. Auf der anderen Seite vom Fluss Gargar steht die Ruine vom Kloster Hnevank. Den Umweg dahin spare ich mir, auch wenn ich mir zunächst unsicher bin.
Am Fluss folge ich der breiten Straße. Hier sind einige PKWs unterwegs und am Ufer verbringen die Einheimischen ihren Samstag. Der Aufstieg nach Tsater ist richtig toll. Ich sehe einen Fuchs auf einer freien Fläche wegrennen. Oben am Rand vom Canyon an einer Viehtränke begegnet mir ein Hirte. Leider verstehe ich nicht, was er sagt. Es ist schade, die Kommunikation hier ist wirklich schwierig.
Es geht auf einem guten Wanderweg ein Stück hinab, danach folgt der Weg dem Verlauf des beeindruckenden Canyons. Die Blicke sind richtig spektakulär! Schon bald ist der Pfad mit hohen vertrocknetem Gras und sonstigem Gestrüpp überwachsen. Dennoch bleibt er gut erkennbar.
Um 18 Uhr finde ich eine sandige Stelle unterhalb eines Felsabhangs. Dort könnte man zelten, aber es treibt mich weiter. An der Stelle scheinen öfters Steine runterzukommen.
Der weitere Weg zieht sich. Keinerlei Zeltmöglichkeiten! Steil geht es durch einen dichten Wald hinab, bis ich den Weg zur Ruine Kobayr kreuze. Dort gibt es Möglichkeiten mein Zelt aufzustellen. Selbst zu später Stunde sind noch Menschen unterwegs. Ein russischer Hippie verankert seine Hängematte etwas unterhalb im Wald.
16.08.2026 2 weitere TCT-Hiker
Die Nacht ist erholsam, aber am nächsten Morgen habe ich unzählige Mückenstiche am Bauch. Die Mistviecher stechen einfach durch die Kleidung durch, besonders wenn ich nachts nicht zugedeckt bin.
Am nächsten Morgen erkundige ich noch ein wenig die Ruinen und wandere dann weiter. Der Russe schläft noch. Die Wolken hängen heute tief, der Rand von Canyon ist damit bedeckt.
Auf halber Strecke befindet sich Ruinen von Horomayr Kloster. Hier gäbe es auch eine Zeltstelle in einer Höhle.
Zurück am Trail treffe ich den ersten anderen TCT-Hiker. Ein Mann aus Spanien wandert in die gleiche Richtung und hat die Nacht im Tal verbracht. Ich überhole ihn, da er seine Schnürsenkel reparieren muss.
Bergauf verlasse ich den spektakulären und wunderschönen Canyon in Richtung des Dorfes Odzun. In einem Shop kaufe ich einen Schokoriegel mit den verbliebenen Münzen, aber er schmeckt nicht so gut. Einige Menschen grüßen freundlich, manche schauen mich seltsam an.
Vor Beginn des nächsten Wanderweges komme ich an einer ausgemergelten Hündin vorbei. Der Anblick des armen Geschöpfes stimmt mich traurig.
Der Trail ist gut markiert, auf den Wiesen aber nicht so gut erkennbar. Das liegt teilweise aber auch am dichten Nebel, der mich hier umgibt. Es bleibt unspektakulär bis Hagvi. Sehr feiner Sprühregen fällt vom Himmel, aber der ist so fein, dass ich trocken bleibe.
Am Picknick Platz mache ich eine Pause, ehe die Schleife Richtig Sedvi Monastry startet. Auf einem 4x4 Track geht es durch den Wald, als es richtig zu regnen anfängt. Ein flacher Fluss muss gequert werden. Das geht sogar barfuß.
Am Abzweig danach folge ich einem sehr unscheinbaren Pfad, bis er sich kurz vor einer Bachquerung im Brombeergestrüpp verliert. Darauf habe ich gar keine Lust und kehre um. Stattdessen gehe ich den 4x4 Track, der mit "Sanahin train station" ausgezeichnet ist. Dieser ist wunderbar zu gehen und schnell bin ich zurück auf dem TCT.
Nahe der Bahngleise befindet sich ein Lebensmittel-Laden, unweit von TCT. Das Iris B&B erreiche ich schon um 16 Uhr und habe den restlichen Abend zum entspannen. Mir geht es also gut, nur mein linkes Knie schmerzt etwas. Das Zimmer teile ich mir mit Sam aus England, der ebenfalls den TCT wandert. Er allerdings ist bereits durch Georgien gewandert und berichtete von einem sehr schlechten Zustand des Trails an vielen Stellen. In Armenien sei er bisher deutlich besser.
Zum Abschluss des Tages servierte uns die Gastgeberin Irina ein köstliches Abendessen.