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Montag, 13. Juli 2026

GR 53 in Frankreich

 

GR 53 und der Hexatrek in Frankreich

In Frankreich gibt es eine große Anzahl an GR-Wegen, die für "Grande Randonnée" stehen. Im späten Frühling 2026 habe ich mit dem GR 53 in den Vogesen zum ersten Mal einen französischen Weitwanderweg unter die Füße genommen. Dieser ist 430km lang und startet in Wissembourg an der dt. Grenze und führt bis nach Belfort in Frankreich. Dieser Weg teilt sich den Trail zu etwa 90% mit dem immer bekannter werdenden Hexatrek. Der Hexatrek ist ein 3034km langer Fernwanderweg, der das Land einmal durch verschiedene spektakuläre Gebirge von der deutschen Grenze bis zum Atlantik an der spanisch-französischen Grenze durchquert.



Der GR 53 Zwischen mittelalterlichen Burgen und alten Wäldern

Im Vergleich zu Wanderwegen in den Alpen oder in Skandinavien, führt der GR 53 fast ausschließlich unterhalb der Baumgrenze durch Mittelgebirge bis zu 1424m Höhe durch dichte Buchenwälder. Insbesondere im Nordteil gibt es nur selten Panoramablicke, aber dies sind auch nicht die wahren Reize, die der GR 53 zu bieten hat. So muss man zwar zum Großteil auf große Fernsichten verzichten, aber dafür kommt man regelmäßig an halb verfallenen und frei zu besichtigenden Burgruinen  aus der Zeit des Mittelalters vorbei. Das besondere im Vergleich zu deutschen Burgen ist die Bauweise aus rötlichem Sandstein. Diese Sandsteinfelsen finden sich im Norden regelmäßig am Weg und geben der Region so einen ganz besonderen Flair. Im Südteil ändert sich der Charakter deutlich - die Burgen werden seltener und die Ausblicke deutlich schöner.






Markierungen, Navigation und Wegbeschaffenheit

Die Markierungen mit einem roten Rechteck auf weißem Hintergrund finden sich sehr regelmäßig am Weg und auch an Wegabzweigungen. Wegabzweigungen gibt es in den Vogesen sehr viele, denn es gibt eine sehr große Anzahl an Wander- und Radwegen. Eine Offline-Karte ist daher durchaus nützlich. So kann man spontan sehen, wo sich in der Nähe noch eine interessante Sehenswürdigkeit versteckt. 



Die Wanderwege des GR 53 sind vorbildlich gepflegt und fast immer sehr angenehm zu gehen. Häufig sind es Singletrails mit weichem Waldboden, die teilweise überraschend sandig sind. Die ein oder andere Forststraße gibt es auch, Asphalt findet man hauptsächlich in und um den Ortschaften. 


Übernachtungen auf dem GR 53 - Wo wildzelten noch legal ist

Obwohl die deutsche Grenze gar nicht weit entfernt ist, sind die Regeln und Gesetze in den Wäldern der Vogesen deutlich entspannter als bei uns. Abgesehen von den höheren Lagen im Südteil, ist freies zelten meistens erlaubt. Ab und zu weisen Schilder auf besondere Schutzgebiete hin, die man natürlich respektieren sollte. In den Ortschaften finden sich ansonsten auch Hotels und Pensionen. Man kann also entspannt mit Zelt wandern, muss es aber nicht.




Resupply - Ideal für ultraleichtes Gepäck

Dort wo freies zelten erlaubt ist, ist man meist auch so weit von der Zivilisation entfernt, dass man viele Tagesmärsche an Verpflegung schleppen muss. Das ist auf dem GR 53 anders! Je nach Gehtempo, kommt man spätestens nach drei bis vier Tagen an einem Supermarkt vorbei. Meistens braucht man nur für ein bis zwei Tage Nahrungsmittel tragen. Zwischendurch kommt man zusätzlich noch an Cafés und Restaurants vorbei, wo man sich eine warme Mahlzeit oder einen guten Kaffee gönnen kann. Gute Einkaufsmöglichkeiten gibt es in: Wissembourg, Niederbronn-les-Bains, Saverne, Rothau, Le Hohwald, Châtenois, Ribeauville, Thann und Belfort.


Klima in den Vogesen - Das Zeitfenster ist lang

Klimatisch kann man sich auf kühles bis warmes Mittelgebirgsklima einlassen. D.h. die Sommer können unangenehm heiß sein, ebenso kann es auch mal nasskalt sein. Im Winter kann es auch kräftig schneien, wobei hier der höher gelegene Südteil deutlich mehr Schnee abbekommt. Dort hat es mit seinen freien Wiesen schon einen leichten Alpenflair. Empfehlenswert ist der GR 53 zwischen April und November. 






Meine Tourberichte: 

Wissemborg bis Saverne

Saverne bis La Grande Bellvue

La Grande Bellvue bis Refuge Trois Fours

Refuge Trois Fours bis Thann


Freitag, 10. April 2026

Coast to Coast Path North York Moors

Coast to Coast Path


North York Moors


07.04.2026 Eine Etappe zum davonlaufen

Die Nacht im Bunk Barn ist erholsam und in der Früh kaufe ich im Dorfladen für das Frühstück und für die nächsten Etappen ein. Ich bin nicht besonders schnell und komme erst um viertel nach neun weiter.

Wandern zwischen zwei Zäunen



Heute steht die wohl blödeste Etappe auf dem CtC auf dem Programm. Statt Nationalparks mit beeindruckender Natur gibt es heute einen Hatsch durch das agrarwirtschaftlich genutzte Flachland in England. Zunächst ist der Weg noch ganz nett und führt am Swale River und an ein paar kleinen Seen vor vorbei. In Bolton on Swale verbringe ich am Friedhof die erste kleine Pause. Die Gräber sind schon sehr als (tw. 250 Jahre!) und es gibt einen Wasserhahn.

Friedhof Bolton on Swale

Diese Wegführung gefällt mir gar nicht



Das Gehen über die Schafsweiden dahinter ist auch ok. Danach jedoch bin ich verwirrt. Mein Track zeigt geradeaus, doch das Schild weißt nach rechts. Auf der Karte kann ich jedoch nicht erkennen, wie hier der CtC sinnvoll entlangführen soll. Zwei englische CtC-Hiker überholen mich und meinen, die Wegweiser würden den besseren Weg nutzen. Ich glaube ihnen und folge den Wegweiserm, während due Briten zunächst eine Pause einlegen. Wie befürchtet lande ich auf der B6271 und soll dieser nach links folgen. Weitere Wegweiser sehe ich keine und auf der Straße herrscht reger Verkehr. Inzwischen bin ich total genervt und ärgere mich, weil ich nicht meinem Track gefolgt bin. Sobald es möglich ist, suche ich mir einen Weg zurück auf meine ursprüngliche Route. Diese ist zwar auch asphaltiert, aber ansonsten zumindest ruhig.

Asphaltierte Wirtschaftswege im englischen Flachland


In Streetlam treffe ich die beiden Engländer wieder. Nun ist es nicht mehr weit bis Danby Wiske. In dem Örtchen lerne ich den älteren Herrn Ken kennen. Er unterstützt seine Frau, die den CtC wandert und fährt ihr mit dem Auto das Gepäck hinterher. Ein privater Gepäcktransport quasi. Ich bin begeistert davon, wie tatkräftig Ken seine Frau dabei unterstützt, ihre Träume zu verwirklichen.

Immer wieder führt der CtC über Weideland




Der Trail selbst bleibt uninteressant und flach. Er führt über asphaltierte Nebenstraßen, an Äckern und Weideflächen entlang. Ich passiere einen Bauernhof nach dem anderen. Auch eine Eisenbahnlinie überquere ich. Mit Podcasts lässt sich der Weg leichter bewältigen. Bei der Moor House Farm gibt immerhin einen Picknick Tisch.

Querung der Bahngleise




Kurz vor der Querung der A19 lerne ich Christopher und seinen Sohn Lorenz kennen. Vater und Sohn gehen den CtC zusammen von Unterkunft zu Unterkunft. Bisher haben wir uns immer verpasst, obwohl wir zu einem ähnlichen Zeitpunkt gestartet sind. In UK kennen sich die beiden besten aus.

Die Querung der Autobahn ist deutlich herausfordernder



An der Tankstelle gibt es einen überraschend gut ausgestatteten Shop und ein wenig ärgere ich mich darüber, heute in der Früh soviel eingekauft zu haben. Die Querung der A19 ist eine Herausforderung. Hinter mir queren Lynn und ihre Freundin Julie. Lynn ist die Frau von Ken und auch ihn treffe ich nun wieder. Sie alle übernachten in B&Bs in Ingleby Cross. Es gibt hier zwar auch einen Pub, wo man zelten kann, aber bei dem Lärm ist dies sicherlich keine tolle Option. Der Ort liegt nämlich direkt an der A19 und an der A172. Ich verabschiede mich für heute von den dreien und wandere den bewaldeten Hügel hoch. 

Dieser Zeltplatz gefällt mir


Immerhin bietet der Tag nach einer langen und doofen Etappe einen schönen Sonnenuntergang



Im Wald finde ich eine offensichtlich schon zuvor genutzte Zeltstelle. Das Aufstellen des Zeltes ist heute mühselig und langwierig, da der Boden sehr steinig ist und der Wind stark bläst. Den ganzen Abend höre ich dessen lautes Rauschen.


08.04.2026 North York Moors

Die Nacht im Zelt bleibt abgesehen vom Wind ruhig und der Zeltplatz hat sich als optimal herausgestellt. Um kurz nach acht geht es wieder los. Diesmal führt die Etappe komplett durch den North York Moors Nationalpark und ist entsprechend viel angenehmer als die gestrige.

Beginn der North York Moors



Bevor ich den bewaldeten Bereich verlasse, komme ich an einem Bauernhof vorbei, wo mich die Farmer fragen, ob ich Wasser benötige. Eine sehr nette Geste, wie ich finde.

Grabhügel aus der Bronzezeit


Dann geht es hoch auf den ersten Hügel dieses Mittelgebirges. Oben am höchsten Punkt befindet sich ein Steinhaufen, der einen über 4000 Jahre altes Grabmal darstellen soll. Die Aussicht von dort aus lohnt sich auch so. Die Menschen hatten damals wohl auch schon einen guten Geschmack.

Die Hügel in den North York Moors sind durch Heiden, Heidelbeerkraut und Gräsern geprägt. Wenn die Heide blüht, muss es hier betörend schön sein. Von Hügel zu Hügel geht es, bergauf und wieder bergab. Die Anstiege sind nie lang, die Höhenmeter summieren sich durch die Anzahl der Hügel, die ich erklimme. Auf einem liegen sogar viele große Felsbrocken, was hier eher ungewöhnlich ist. Allgemein ist die Landschaft trocken und Bäche gibt es so gut wie gar nicht. Ich bin hier nicht alleine unterwegs, viele Paare und Familien unternehmen Tagesausflüge.

Im Café Lordstones gibt es auch einen kleinen Shop, aber außer ein paar Süßigkeiten gibt es dort nicht viel.

Heide soweit das Auge reicht


Sanft geht es auf und ab



Die Untergründe der heutigen Etappe sind überwiegend angenehm für Fußgänger. Vielfach geht es über mit großen Steinplatten gebaute Singletrails oder breite Sandwege. Zum Schluss folge ich eher eintönig einer ehemaligen Bahnstrecke, von der nichts mehr erkennbar ist. Der Untergrund besteht aus Schotter und es fühlt sich auf den letzten acht Kilometern so an, als würde ich kaum vorwärts kommen. Immer wieder schaue ich auf die Uhr und hoffe, es endlich geschafft zu haben.


Mir gefällt diese Landschaft!



Der Nationalpark ist auch ein Vogelschutzgebiet. Ich sehe heute viele Fasane und Moorhühner, die hier im Frühling brüten.


Neugieriges Moorhuhn

Die letzten Kilometer bis zum Pub sind nicht mehr so spannend 


Um 17 Uhr erreiche ich endlich den Pub & B&B The Lion Inn. Hier kann man für 3£ zelten. Pub-Camping hat sich für mich bisher nicht ergeben, doch heute möchte ich es endlich mal ausprobieren. Vor dem Pub treffe ich auch Ken wieder, der auf seine Frau Lynn wartet. Er hat mit ihr ein Zimmer angemietet und bietet mir an, in deren Zimmer die Dusche zu nutzen. Ich bin begeistert über seine Hilfsbereitschaft und nehme das Angebot dankend an. So fühle ich mich nach dem sonnigen und bisher wärmsten Tag wieder ganz frisch.

Pub-Camping


Drinnen ist es urgemütlich



Abends möchte ich noch im Pub essen. Die Preise sind leider sehr gesalzen - 22£ für ein vegetarisches Gericht. Wenn ich mir die Teller der anderen Gäste so ansehe, verstehe ich so langsam auch warum: die Portionen sind so groß, dass davon zwei Personen satt werden würden. Ich entscheide mich für eine Ofenkartoffel, die unter "Snacks" gelistet ist. Diese Portion reicht mir völlig aus und entspricht eher einer normalen Hauptspeise.

Den restlichen Abend verbringe ich mit Vogelgeräuschen im Hintergrund im Zelt. Leider treffe ich im Pub keinen der anderen Wanderer wieder. Die zwei Engländer hatten mich zwar überholt, aber gesehen habe ich sie danach nicht mehr.


09.04.2026 Glaisdale, Egton und Grosmont

Die Schlaf ist erholsam, auch wenn die Wiese im Laufe der Nacht reichlich Feuchtigkeit absondert. Somit ist das Zelt am nächsten Morgen ebenfalls klitschnass.

Dieser Wanderweg war früher mal eine Bahnstrecke


Hier bin ich ganz alleine unterwegs



Gleich zu Beginn des Wandertages besteht ein Unterschied zwischen meinem Track und dem Wegweiser. Laut Wegweiser soll ich der Asphaltstraße folgen, laut Track einem Pfad. Da ich das letzte Mal als eine solche Unstimmigkeit bestand, schlechte Erfahrungen mit dem befolgen der Wegweiser gemacht habe, vertraue ich diesmal meinem Track. Der Pfad führt zu einer ehemaligen Eisenbahnstrecke, von der aber nichts mehr zu sehen ist. Der Untergrund ist angenehm und nach vier Kilometern biege ich links auf einen guten Pfad ab. Ich bekomme Sorgen, er könnte sumpfig werden und ziehe sicherheitshalber die wasserdichten Socken über. Das wäre aber nicht nötig gewesen, der Pfad ist super!

Die Füße bleiben trocken



Dann stoße ich auf eine Art Forstweg und sehe vor mir in einiger Entfernung die beiden Briten. Der weitere Verlauf bis Glaisdale ist einfach, aber auch etwas langweilig. In Glaisdale schaue ich in den Village Store, die Auswahl dort ist aber mager. Ich kaufe nichts.

Zwischen Glaisdale und Egton



Bis Egton führt der CtC ganz romantisch am und oberhalb vom Esk River entlang durch einen hübschen Wald. Spannend ist die Flussquerung: man kann die Brücke wählen oder den Fluss mit Hilfe von Trittsteinen überqueren. Ich wähle die Trittsteine und finde diese Art der Querung grandios.

Flussquerung mal anders


Grosmont



Der Weg bis ins Dorf Grosmont ist hingegen wenig spannend und ich lenke mich mit einem Podcast ab. Zumindest bis ich Lynn und Julie auf einer Banksitzend entdecke. Wir unterhalten uns und ich erfahre, dass Lynn Julie erst unterwegs kennengelernt hat und die beiden Frauen auf dem Trail nun unzertrennlich sind. Auf mich wirkt es, als kennen sie sich schon ewig. Auf einer mehrtägigen Wanderung lernt man sich viel intensiver kennen als im Alltag und findet schneller heraus, ob man auf einer gemeinsamen Wellenlänge ist.

In Grosmont möchte ich im Village Store einkaufen und hoffe auf eine bessere Auswahl als in Glaisdale. Diese ist leider nur geringfügig besser, aber ich werde fündig. Viel brauche ich zum Glück nicht.

Rechts auf den geschotterten Weg weiche ich aus


Der nun folgende Abstieg nervt mich von Anfang an. Nicht nur weil er teilweise eine Steigung von 33% aufweist, sondern auch weil die Wegführung einfach komplett über eine asphaltierte Straße führt. Ich habe darauf keinen Bock mehr! Spontan sehe ich in der Karte einen anderen Weg und biege kurz nach "Lucys View" links ab. Zunächst eine Schotterstraße, bald biege ich auf einen Pfad ab. Anfangs ist dieser ziemlich nass, doch der Rest ist fast zu 100% trocken. Zumindest abgesehen von den paar Tropfen, die vom Himmel fallen. Den ganzen Tag schon ist der Himmel bedeckt. Zum Schluss, als ich schon die Autos auf der Straße sehe, verliert sich der Weg. Weglos stapfe ich durchs kniehohe Gestrüpp, dann finde ich den Pfad, der parallel verläuft. Meine Variante gefällt mir definitiv besser als die originale Wegführung. Links sehe ich nun zum ersten Mal bis zur Nordsee!

Ich sehe die Nordsee!



Bis Littlebeck ist es nicht mehr weit. Lynn und Julie haben diesen Ort als ihr Etappenziel ausgewählt. Die beiden Briten bleiben in Grosmont. Das Örtchen ist sehr klein und bietet wenig. In der Kirche finde ich Wasser und gehe eine Spende.

The Hermitage



Ich bin heute schnell vorwärts gekommen und habe eigentlich noch genügend Zeit. Aber wenn ich weiter gehe, ist die morgige Etappe zu kurz. Daher will ich nur noch ein Stückchen in den Wald gehen und mir ein Plätzchen für die Nacht suchen. Das kleine Naturreservat ist richtig urig. Der Frühling ist sehr deutlich erkennbar, überall sprießt das frische Grün. "The Hermitage" ist ein Shelter in einem Felsen. Hier findet man Schutz vor dem Wetter und soll sogar darin übernachten können. So richtig gemütlich wirkt es auf mich nicht und in der Mitte ist ein Loch. Optimal ist es nicht und ich mache hier dann doch nur eine Pause. Dann gehe ich ein Stück zurück und gehe weglos bergauf. Dort oben sieht es nämlich vielversprechend aus. Bingo! Unter einem uralten und riesigem Ahorn ist reichlich ebene Fläche. Die Äste wachsen schon bis auf den Boden. Blöd nur, wenn das Zelt so einen großen Footprint hat! Ich muss etwas rumprobieren, kriege das Stratospire dann aber aufgestellt. Hier habe ich die perfekte Ruhe.

Wieder ein toller Zeltplatz



















10.04 2026 Finale!

Ich genieße eine wunderbare Nachtruhe. Die einzigen Geräusche, die ich in der Nacht höre sind ein naher Bach und das Gezwitscher der Vögel. Love it!

Da ich heute mit rund 21km nur eine kurze Etappe vor mir habe, starte ich bewusst spät erst nach neun Uhr. Ab dem "Falling Foss Tea Garden", treffe ich viele Spaziergänger. Der Tea Garden sieht idyllisch aus, ist heute aber leider geschlossen.

Wieder unterscheidet sich der Wegweiser (länger auf der Straße) von meinem Track (public footpath) und ich bleibe bei meiner geplanten Route. Er windet sich den Hügel hoch und erreicht ein verbranntes Moor. Letztes Jahr gab es hier ein großes Feuer, welches die umliegende Natur zerstört hat. Schön anzusehen ist was anderes, aber immerhin ist der Pfad trocken.

Hier hat es 2025 gebrannt


Eine Verbesserung des Weges ist geplant, obwohl der Untergrund hier trocken ist



Ich treffe Lynn und Julie wieder. Wir gehen ein paar Kilometer gemeinsam und unterhalten uns über den Trail. UL wäre nichts für sie, teilt Lynn mit. Erst recht keine Übernachtungen im Zelt. Als ich links vom Weg einen sehr süßen Rauhaardackel erblicke ist es um mich geschehen und die beiden gehen ohne mich weiter. Nach meiner Kuschelpause geht es über Straßen runter zur Küste. Da ist sie! Die Nordsee!

Auf der Straße geht es runter zur Steilküste


Ab hier führt der CtC parallel zur Küste
 


An der Steilküste kann ich einem wundervollen coastal path folgen und hole Lynn und Julie wieder ein. Die Ausblicke auf die Klippen sind beeindruckend und das Wetter ist ideal. Es ist kühl und sonnig mit einer leichten Brise. Es sind hier richtig viele Menschen unterwegs.

Die Klippen sind spektakulär und das Wetter spielt auch mit



Dann erreichen wir gemeinsam Robin Hood's Bay. Am Gemischtwarenladen verabschieden wir uns und umarmen uns. Ich will noch für die letzte Nacht einkaufen. Das Angebot im Shop ist enttäuschend - es gibt nicht mal Käse und Joghurt. Ich genieße stattdessen ein überteuertes Eis.

Dann mache ich mich auf den Weg zum Beach. Der Weg nach unten ist von Souvenirshops gesäumt und alles ist voller Touristen. Ich entdecke auch noch einen kleinen Laden, wo ich Käse erstehe. Dann bin ich unten am Strand. Den Rucksack lehne ich an einen Felsen, hole den "pebble" hervor und begebe mich zum Wasser. Hier verabschiede ich mich von dem Steinchen, den ich den ganzen Weg von St. Bees bis hierher getragen habe. Nun liegt er im Wasser. Done!

Diesen kleinen Stein habe ich von St. Bees bis Robin Hood´s Bay getragen

Dort ist er gelandet

Das touristische Örtchen Robin Hood´s Bay



Es ist kühl und ich friere. Etwas unschlüssig mache ich eine Pause und esse etwas Schokolade. Im Laden hole ich mir noch eine indische Fertigsauce und Baked Beans.

Ich habe in Robin Hood's Bay keine Unterkunft gebucht und mein Plan sieht es vor bis Scarborough zu Fuß zu gehen. Dort gibt es nämlich einen Bahnhof. Man kommt von Robin Hood's Bay auch mit dem Bus dorthin, aber zu Fuß an der Küste entlang erscheint mir reizvoller. Nach 1.5km habe ich die Boggle Hole der YHA erreicht. Es ist erst 15 Uhr, kalt und der Wind nimmt zu. Ich habe zwar in der Karte schon eine Ruine entdeckt, die als Zeltstelle geeignet erscheint, doch bis dahin sind es nur noch 3km. So früh kann ich bei dem Betrieb hier wohl kaum mein Zelt aufstellen... Ich überlege hin- und her und entscheide mich dann dafür, in der Jugendherberge ein Zimmer zu mieten. Dort kann ich mich aufwärmen und ausruhen. Zum Abschluss möchte ich mir dann doch etwas gönnen.

Die vorletzte Nacht in England verbringe ich in der Kobolthöhle



Das kleine Einzelzimmer im Hostel ist sehr bequem und die Wärme der Unterkunft tut wahnsinnig gut, nachdem ich tagelang der Kälte ausgesetzt war. Der einzige Wermutstropfen ist die eingeschränkte Auswahl an Verpflegung, die ich dabei habe.


11.04.2026 Zusatztag an der Küste Englands

In Robin Hood´s Bay ist der Coast to Coast Trail offiziell beendet und fast alle Wanderer beenden dort ihre Tour und fahren mit dem Bus zum nächsten Bahnhof in Scarborough. Genau das hatte ich anfangs auf vor, doch dann entdeckte ich auf der Karte, dass es an der Küste einen interessanten Fußweg bis in diese Stadt gibt. Dieser folgt exakt der Küstenlinie und bleibt bis direkt vor der Stadt auf naturnahen Wanderpfaden. Und da ich noch einen Tag bis zur Rückreise habe, entscheide ich mich dafür, diesen zu gehen!

Diesmal schlafe ich aus, denn die berechneten 22km bis zum Bahnhof in Scarborough werde ich wahrscheinlich in sechs Stunden schaffen. Kein Grund zur Eile also! Leider hält sich das Wetter diesmal an die Vorhersage und es regnet bei kräftigem Westwind. Binnen wenigen Minuten ist eine Seite der Regenjacke und Wanderhose nass, während die andere aufgrund des Westwinds trocken bleibt. Die Sicht ist... nun ja... bescheiden.

British weather



Nach drei Kilometern erreiche ich die Ruinen der "Peak Alum Works", wo um 1600 Alum gewonnen wurde, welches damals für die Textilindustrie benötigt wurde. Diesen Platz hatte ich auf der Karte als möglichen Zeltplatz für die vergangene Nacht lokalisiert, doch nun entdecke ich, dass dieser Platz gar nicht geeignet ist. Das Gelände ist zwar schön flach, aber direkt daneben steht das einzige Wohnhaus weit und breit.

Ruine der Peak Alum Works


Radarstation von Ravenscar




Als nächstes erreiche ich Ravenscar, wo ich in einem öffentlichem WC mein Wasser auffüllen kann. Kurz darauf passiere ich die Ruinen der Radar-Station, die im 2. Weltkrieg genutzt wurde, um sich gegen die Angriffe der deutschen Luftwaffe zu schützen. Der Pfad an der Küste ist durchgängig sehr angenehm auf natürlichem Wiesen- oder Erdboden. Ebenso ist die Beschilderung vorbildlich. Langsam hört es nun auf zu regnen, wenn es auch noch bedeckt ist. Die dünne Hose trocknet bereits.

Ob sie wohl frieren? 


Wilde Küste


Kiesstrand im Schutzgebiet Hayburn 


Das kleine Hayburn Schutzgebiet beherbergt ein kleines Wäldchen und einige Ausflügler tummeln sich am steinigen Strand. Es geht immer mal wieder auf- und ab, aber die Anstiege sind immer kurz. Die Ausblicke auf die steilen Klippen und die wilde Nordsee sind beeindruckend. Direkt vor Scarborough sind diese besonders schön und da nun inzwischen auch die Sonne scheint, kann ich den Ausblick auch besser genießen. Lange kann ich bei der Kälte und dem frischen Wind jedoch nicht sitzen bleiben.

Obwohl inzwischen die Sonne scheint ist es weiterhin sehr frisch


Peasholm Park in Scarborough



In der Stadt angekommen, folge ich der Strandpromenade, wo zahlreiche Touristen einen Spaziergang machen. Um zum Bahnhof zu gelangen wähle ich eine Route über durch den Peasholm-Park. Dieser ist am Samstag äußerst beliebt und zahlreiche Tretboote fahren im Kreis um die kleine Insel im Teich. Zum Schluss geht es noch durch einen alten und weitläufigen Friedhof und dann habe ich es geschafft. Der Bahnhof und eine Filiale vom Aldi sind erreicht. Das Belohnungsessen am Ende der Tour gönne ich mir erst in York, wo ich vor dem Rückflug zwischenübernachte.


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