Coast to Coast Path
Yorkshire Dales Nationalpark
02.04.2026 Verzweifelte Suche
Nach meinem Einkauf in Shap, bin ich ausgestattet um weiterzugehen. Zunächst gehe ich durch das Dorf und muss alsbald eine Autobahnbrücke überqueren. Die Fahrzeuge machen einen Heidenlärm. Es dauert eine Weile, bis sich der Trail entfernt.
Gemächlich geht es über Wiesen und ausgedehnte Heidelandschaften auf und ab. Der Wind bläst und es ist eisig kalt. Ich ziehe mir trotz Sonne Mütze und Handschuhe an. Nach und nach zieht es zu und die Sonne wird schwächer.
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| Schafe sind in England überall |
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| Sanfte Hügellandschaften begleiten mich an diesem Tag |
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| Zwischendurch führt mich der CtC durch Farmaland |
Nach der hübschen Hügellandschaft folgt ein eher lahmer Teil über grüne Schafsweiden vorbei an mehreren Bauernhöfen. Heute Nacht soll es regnen und mit bis zu 50km/h wehen. Auf der Karte sieht es nicht so aus, als ließe sich eine geschützte Stelle fürs Zelt finden. Doch bei der Sunbiggin Farm soll es einen Campingplatz und auch Bunkbeds geben. Laut Website haben sie geöffnet. Dennoch bin ich hin- und hergerissen. An sich übernachte ich am liebsten ganz frei in der Natur, aber das erscheint mir nicht als sinnvoll. Aber so ein richtiges Bett ist dann doch was feines. Also überwinde ich mich und klingle bei der Farm. Andrew öffnet mir die Tür. Und dann sagt er etwas, womit ich gar nicht gerechnet habe. Sowohl die Bunk Barn als auch der Campingplatz seien noch geschlossen. Sunbiggin Tarn sei aber zum zelten geeignet.
Etwas enttäuscht gehe ich weiter und erreiche ein Moorgebiet mit Heidekraut. Rechts erspähe ich ein Wäldchen. Es sieht verlockend aus, aber es gibt keinen offiziellen Weg dahin. Also versuche ich es weglos und komme auch relativ gut vorwärts, wenn man von den nassen Schuhen absieht. Doch kurz vorher komme ich nicht mehr weiter. Eine Art sumpfiger Teich in Kombination mit einer Mauer versperren mir den Weg. Mist! Und ob ich da wirklich was finden würde ist ungewiss. Genervt trete ich den Rückweg an. Also doch zum Sunbiggin Tarn. Dort ist das Gelände eher abfallend und rund um den See auch sumpfig. Ich gehe an verschiedenen Seiten an der Mauer entlang und entscheide mich für eine der wenigen flachen Stellen auf der anderen Straßenseite. Da habe ich zwar nur einen teilweisen Schutz, aber besser als gar nichts. Mit großem Aufwand baue ich das Stratospire möglichst stramm auf und beschwere die wichtigsten Heringe mit Steinen. Gerade als es anfängt zu regnen, verkrieche ich mich im Inneren.
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| Hier ist kein Durchkommen zum rettenden Wald :-( |
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| Der Boden ist sandig und noch ist das Wetter friedlich |
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| Mein Zeltplatz nahe dem Sunbiggin Tarn. Leider ist die Steinmauer nicht in Windrichtung. |
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| In der Nacht bekomme ich Besuch |
Der Abend ist angesehen von dem starken Regen noch ruhig. Ich hoffe, die Vorhersage bezüglich dem starken Wind ist falsch.
03.04.2026 Matschiger Marsch
Etwa um 22 Uhr fängt der Wind an und dreht ordentlich auf. Der Regen kommt seitwärts und obwohl das Zelt gut hält, kann ich nicht einschlafen. Es ist einfach furchtbar laut. Erst um vier Uhr schlafe ich wirklich ein.
Laut der Vorhersage sollte der Regen um acht Uhr aufhören. Doch in der Realität kann ich davon nichts spüren - im Gegenteil es schüttet total! Ich warte zwar ab, aber es wird nicht besser. Um neun Uhr gebe ich entnervt auf und packe mein Zeug ein und ziehe die Wanderkleidung an. Strategisch sinnvoll baue ich das Zelt zuerst an der windabgewandten Seite ein und mein eben noch trockener Rucksack ist nach einer Minute klatschnass. Das ebenso klatschnasse Zelt wird notdürftig zusammengerollt und eingepackt.
Der Regen fliegt mir direkt ins Gesicht und das Gehen gegen den Wind ist anstrengend. Ich bin erleichtert, als der Trail abdreht. Durch nasse Heidelandschaften und matschige Schafsweiden wandere ich heute. Ständig muss ich besonders matschigen Stellen ausweichen. Eigentlich ist die Landschaft ganz ganz hübsch, aber heute völlig wolkenverhangen. Das Tal des Scandal Beck ist trotzdem schön anzusehen.
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| Am Scandal Beck |
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| "Do you enjoy british weather?" fragten sie mich. Ob die Schafe es wohl besser können als ich? |
Ich bin froh, als ich um 13 Uhr in Kirkby Stephen im Hostel ankommen. Der Self-Check-In ist unkompliziert und der Trockenraum ein wahrer Segen. Da wird sogar das vom Regen völlig durchnässte Außenzelt flott wieder trocken.
In dem Dorf gibt es einen großen Co op mit grandios toller Auswahl. Am liebsten würde ich sooo vieles kaufen! Das Wetter für den Samstag bereitet mir Sorgen. Es soll ein heftiger Sturm mit Windböen bis 110km/h kommen. In den Örtchen, die ich auf der nächsten Etappe durchwandern werde, ist jedoch alles hoffnungslos ausgebucht. Und zelten möchte ich bei so einer Vorhersage nun wirklich nicht.
04.04.2026 Ruhetag wider Willen
Ich entschließe, dass es das Beste ist, wenn ich eine weitere Nacht im Hostel bleibe und erst am Sonntag weiterziehe. Die Wandersaison hat hier noch nicht richtig angefangen und entsprechend ruhig ist es im Hostel. Im Lake District waren viele Wanderer und auch ein paar Backpacker unterwegs, aber seitdem ich den Nationalpark verlassen habe, habe ich keine anderen Wanderer mehr getroffen. Erst hier im Hostel lerne ich ein paar wenige kennen.
Am Samstag ist in Kirkby Stephen überraschend viel los, der Ort ist voller Leute. Heute findet eine Oldtimer Ausstellung statt, die viele Besucher anzieht. Auch ich sehe mir die alten Fahrzeuge und Traktoren näher an. Zufällig ergibt sich noch die Möglichkeit eine Kunstausstellung zu besuchen, die einmal pro Jahr stattfindet. Ich darf für das beste Kunstwerk abstimmen. Auch die Kirkby Stephen Parish Church besuche ich.
Ansonsten kaufe ich reichlich zu Essen ein und besorge mir in der Apotheke Milton's Sterilising Tablets. Laut KI soll dies eine Notlösung für meine verlorene Water Purification sein.
Am Nachmittag lerne ich drei Coast to Coast Hiker kennen. Einen jungen Engländer, der in die entgegengesetzte Richtung wandert, aber leider abbrechen muss. Und ein deutsches Paar, mit denen ich am Abend noch eine ganze Weile zusammen sitze. Es tut gut, sich mal wieder länger mit jemanden zu unterhalten.
05.04.2026 Camping in einer Ruine aus Zeiten der Industrialisierung
Sturm Dave macht sich auch im Ort bemerkbar. Selbst in dem Hostel heult der Wind ohrenbetäubend laut. Ich bin sehr froh, hier drinnen sein zu dürfen.
Am nächsten Morgen verquatsche ich mich mit dem Paar und komme erst um kurz vor neun los. Aber das macht heute nichts, denn es steht keine lange Etappe an. Die ersten Meilen lege ich auf einer asphaltierten Strecke zurück, die mich in Richtung Nine Standards Rigg führt. Das Wetter ist sehr wechselhaft: mal scheint die Sonne, dann regnet oder schneit es für ein paar Minuten. Das Moorgebiet ist wunderschön. Zum Glück wurden hier oben inzwischen große Steinplatten verlegt, was das Wandern im Moorgebiet sehr angenehm macht. Als ich die neun großen Steintürme erreiche, weht es mit Sturmstärke und schneit dabei. Ich suche hinter einem der Steintürme Schutz und warte den Schauer ab.
Auf diesen tollen Steinplatten geht es ganz sanft bergab. Es ist sehr kalt und ich muss mich gegen den Wind stemmen, denn mit aller Kraft versucht er, mich zur Seite zu drücken. Den Wegebau hier empfinde ich als grandios. Kleine Bächlein werden mit Holzbrücken überwunden.
Doch nach einer Wegkreuzung enden die Platten leider plötzlich. Zunächst ist der Untergrund noch fest, doch nicht lange. Über matschige Moorwiesen geht es weiter. In einer offenen Schützenhütte mache ich vom Wind geschützt eine Snackpause. Drinnen gibt es Bänke und Tische. Man könnte hier drinnen auch übernachten. Bald sind meine Schuhe und die wasserdichten Socken nass. Hier gibt es keine Chance trockenen Fußes durchzukommen.
Nahe der Farm Ravenseat komme ich mit einem älteren englischen Paar ins Gespräch, die ebenfalls den Coast to Coast Path wandern und mir von der in UK berühmten Farm erzählen. Meinen Plan im Zelt zu schlafen finden sie mutig. Sie selbst übernachten lieber in Unterkünften. Sie sind langsamer als ich und unsere Wege trennen sich wieder.
In Keld ruhe ich mich etwas im Heritage Center aus - dies ist eine Ausstellung mit Gerätschaften, die in vergangenen Zeiten auf den Farmen in der Umgebung genutzt wurden.
Die weitere Route führt am Swale River entlang. Bald teilt sie sich in zwei unterschiedliche Varianten auf: eine bleibt am Swale River, die andere führt oberhalb in den Bergen. Ich wähle die obere Route. Der Weg ist in einem guten Zustand und nur selten matschig. Sehr angenehm, wie ich finde. Der Wind hier oben bläst wieder sehr kräftig. Am Wegesrand sehe ich Moorhühner. Hier befindet sich ein Vogelbrutgebiet, weshalb man tunlichst auf den Wegen bleiben soll.
Beim Abstieg zur Blakethwaite Schmelzwerk-Ruinen lässt der Wind nach. Die Ruine aus dem Jahr 1821 ist beeindruckend und erstreckt sich über ein größeres Gebiet mit mehreren Gebäuden. Etwas weiter unten am Fluss befindet sich eine weitere Ruine, nämlich die Ruinen der Bunting Level Erzbrechmühle. An der Blakethwaite Ruine baue ich mein Zelt auf, obwohl es erst 16:20 Uhr ist. Es ist ungewiss ob es später noch weitere geschützte Zeltstellen geben wird. Selbst hier ist der Wind nervig, soll aber am Abend langsam nachlassen. In Ruhe erkunde ich das Gelände der Ruine, bevor ich mich ins Zelt zurückziehe. Die Nacht verspricht kalt zu werden.
06.04.2026 40km-Tag durch Farmland
Am nächsten Morgen ist der Himmel dicht bewölkt. Diesmal gehe ich pünktlich um acht Uhr los, da die heutige Etappe sehr lang wird. In Brompton-on-Swale habe ich mir ein Bett in einem Dorm reserviert und dabei die Distanz ein wenig unterschätzt.
Der Aufstieg erfolgt in Serpentinen auf einem angenehm zu gehenden Pfad. Danach geht er in einen breiten Weg über, vorbei an karge Schuttberge. Mittendrin steht eine Maschine aus längst vergangenen Zeiten herum. Moorhühner gackern und fliegen herum.
Nach einer Stunde erreiche ich die Ruinen der Old Gang Smelting Mills. Auch hier handelt es sich um ein größeres Gelände mit mehreren Gebäuden. Sogar der Turm ist noch vollständig erhalten. Ich genieße die Kulisse und freue mich über den Himmel, der nun immer mehr aufklart.
Nachdem ich einen kleinen Parkplatz gequert habe, komme ich an einer weiteren Ruine vorbei. Diesmal handelt es sich um die Surrender-Schmelzmühle.
Unterhalb einer Farm gehe ich weiter in Richtung Reeth. Über einen Fußweg über Schafsweiden kommend erreiche ich den kleinen Ort, wo ich an der Kirche mein Wasser auffüllen kann. Inzwischen ist es warm geworden und ich ziehe die Leggins aus, die ich unter der dünnen Wanderhose trage.
Ab hier wird der Coast to Coast Path für die nächsten Kilometer eher eintönig. Es gibt immer wieder Kilometer auf asphaltierten Nebenstraßen, die von Pfaden über Schafsweiden und kleinen Wäldchen abgelöst werden. Die Wegführung ist hier trotzdem sinnvoll gewählt, aber ich nähere mich nun einfach der Stadt Richmond. Zuvor werden kleinere Weiler passiert. In Marske schaue ich mir die St. Edmund Church an, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Innen gibt es einen kleinen Tuck-Shop. Auf einem Tisch liegen verschiedene Snacks aus, die man gegen eine Gebühr mitnehmen darf. Ich entscheide mich für eine kleine Packung Shortbread, bereue die Entscheidung aber bald wieder. Das Shortbread schmeckt deutlicher schlechter als die Markenware. Aber das konnte ich natürlich nicht vorher wissen.
Direkt vor dem Stadtkern von Richmond kann ich die Straße meiden, indem ich auf einem Pfad im Park daneben gehe. In der Stadt selbst habe ich keine Lust auf einen Umweg zum Lidl. Ansonsten sind heute am Nachmittag vom Ostermontag die meisten Geschäfte geschlossen. Der Mountain Warehouse hat geöffnet, aber Wasserdesinfektion oder gar einen Filter finde ich in der kleinen Filiale nicht.
Also direkt weiter nach Brompton-on-Swale. Inzwischen fühlen sich meine Füße ermüdend an. Ich freue mich auf den Ende der Etappe und spule die letzten Kilometer im Autopilot ab. Überwiegend führt der Trail über Weiden und vorbei an Äckern. Um das Dorf zu erreichen, muss ich die Brücke über den Swale River überqueren und auf der anderen Seite wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen. Noch durchs Dorf und dann habe ich mein Bunk Barn erreicht. Der Village Store hat leider vor 15 Minuten geschlossen - also gibt es heute Abend nichts frisches zu essen. Ein Bunk Barn ist eine Art Hostel auf einem Bauernhof. Die Dusche ist angenehm warm und tut echt gut, ebenso wie die Stille der Farm.
Weiter geht´s mit den North York Moors.






















































































