Freitag, 21. August 2026

TCT Stepanavan bis Alaverdi

TCT Teil 1 Stepanavan bis Alaverdi

14.08.2026 Nasse Begrüßung in Armenien 

Arno steht bereits mitten in der Nacht auf, um seinen Flug zu erwischen. Ich selbst darf noch ein paar nervöse Stunden schlafen. Mein Bus nach Armenien geht erst um 9 Uhr. Gerade noch rechtzeitig informiert mich das Busunternehmen per WhatsApp, bei dem ich einen Sitzplatz reserviert habe, über eine Veränderung des Abfahrtsorts. Fünf Minuten später und ich wäre im Taxi zum falschen Terminal gewesen. Eine halbe Stunde vor planmäßiger Abfahrt komme ich am Busbahnhof Ortachala an. Ein Mann gibt mir einen Schnipsel Papier und nimmt mir 50 GEL ab. Ich bin sehr aufgeregt und sorge mich, dass unterwegs Probleme entstehen. Nervös gehe ich auf und ab, bis der Minibus mit 20 Minuten Verspätung kommt. Nun bin ich etwas erleichtert.

Die Grenzkontrolle ist problemlos und die Fahrt ist kurzweilig. In Vanadzor steige ich aus, muss aber noch ins Zentrum gehen. Nun fängt es an zu regnen. Dort hebe ich mir gebührenfrei Bargeld ab und bestelle mir mit der Yandex-Go-App ein Taxi nach Stepanavan. Jedoch wundere ich mich, warum es nicht ankommt und starre verwirrt auf den Bildschirm und auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Plötzlich springt der Punkt mit dem zuständigen PKW zu einem anderen Ort oder ist es mein Standort, der springt? Ich habe mich nahe eines Kreisverkehrs hingestellt und nun zeigt er mir einen anderen Kreisverkehr an. Joggend mache ich mich auf den Weg zu dem Taxi und muss dabei zweimal die Straße queren. Völlig verschwitzt und zusätzlich nass vom Regen finde ich das richtige Fahrzeug. Die Wartezeit vom Taxi wird extra berechnet.

Wunderschöner Waldweg zu Beginn


Jetzt bin ich endlich auf dem Trail. Am Lori Adventure Park geht es in einen dichten Wald auf einen breiten Fußweg. Direkt am Einstieg finde ich eine TCT-Markierung. Bald lichtet sich der Wald und ich komme auf eine weite Wiese. In der Ferne höre ich leises Donnergrollen. Von rechts kommt ein Hirte mit seiner Kuhherde samt Hund in die gleiche Richtung, wie ich gehe.

Rinderherde mit Gewitterwolken im Hintergrund


Ich lege einen Zahn zu und gleichzeitig fängt es an zu regnen. Schnell ziehe ich die Regenjacke an und der Regen wird bald so richtig kräftig. Eher weglos geht es eine Wiese bergab bis zu einer Erdstraße. Inzwischen rinnen dreckige braune Bäche die Straße entlang. Blöderweise habe ich meine Regenhose nicht angezogen, weil ich nicht in die Rindeherde gelangen wollte. Nun ist meine Hose völlig durchweicht und klebt am Körper.

Überschwemmungsartiger Regen


Der starke Gewitterregen hat einen Bach anschwellen lassen. Na gut, dann gibt es heute die erste Furt in Armenien. Die Socken sind ohnehin schon flatschnass! 

Als ich Pushkino erreiche, lässt der Regen nach und die Sonne fängt an zu scheinen. Am Weg gibt es einen kleinen Laden, wo ich einen Joghurt erstehe. Schneller als erwartet erreiche ich Gargar und das Hostel Geologist's Home. Die Verständigung mit dem alten Mann geht nur mit Händen und Füßen und Google Translate. Davit kommt bald dazu und kann übersetzen. Meinen Rucksack räume ich leer und dann kaufe ich noch im Shop in Gargar fürs Abendessen ein. Ich bin dabei so ungeschickt, dass ich eine Packung lose Kekse umwerfe. Ich schäme mich und fühle mich wie ein Elefant im Porzellanladen. Die Verständigung ist nicht möglich, da die Verkäuferin kein Englisch spricht und ich kein Armenisch. Aber immerhin bekomme ich etwas fürs Abendessen.

Meine Unterkunft für die erste Nacht


Im Hostel bin ich alleine und mache es mir nach dem Abendessen gemütlich. Der Tag war turbulent und die meiste Zeit war ich nervös. Angekommen bin ich von Gefühl her noch nicht in Armenien.

15.08.2026 Canyon-Walk

Die Nacht im Hostel ist erholsam und ich hole etwas Schlaf nach. Gemütlich frühstücke ich in der Küche mein Müsli aus Deutschland mit Pfirsichjoghurt. Erst um neun Uhr komme ich weg.

Laut Wetterbericht soll es den Tag über leicht regnen. Der Himmel ist bedeckt und ich fühle mich beobachtet, als ich Gargar verlasse. Schon bald tauche ich in einen dichten Wald ein. Die Wege sind im Prinzip einfach, aber der teils sehr matschige Untergrund macht es nicht einfach. Viele Schlammlöcher müssen umgangen werden. 

Bauruine aus Sowjetzeiten

Wo ist der Trail?


Nahe vom Dendropark ist der Pfad kaum noch erkennbar. Junge Bäume haben sich hier ausgebreitet. Bald wird der Weg wieder klar, aber der Matsch bleibt, bis ich die freien Wiesen erreiche. 

Perfektes Wetter und schöne Aussicht

So soll es immer sein


Die Ausblicke auf die Dörfer im Tal gefallen mir sehr gut. Ich komme an einem Hirten vorbei und grüße auf armenisch. Das Wort wird "barew" ausgesprochen. Mehr Kommunikation ist leider nicht möglich.

In Kurtan fühle ich mich fremd


In Kurtan erstehe ich ein spottbilliges kleines Eis. Die Einwohner und auch die Kinder starren mich an. Sehe ich mit meinem Rucksack so außergewöhnlich aus? Oder liegt es an den Shorts? Das Klima ist sommerlich warm und für mich zu warm für eine lange Hose. 

Kloster Hnevank


Hinter Kurtan verändert sich die Landschaft dramatisch. Ich steige einen steilen Canyon hinab. Der Pfad ist etwas abenteuerlich, aber gut markiert. Auf der anderen Seite vom Fluss Gargar steht die Ruine vom Kloster Hnevank. Den Umweg dahin spare ich mir, auch wenn ich mir zunächst unsicher bin. 

Am Fluss folge ich der breiten Straße. Hier sind einige PKWs unterwegs und am Ufer verbringen die Einheimischen ihren Samstag. Der Aufstieg nach Tsater ist richtig toll. Ich sehe einen Fuchs auf einer freien Fläche wegrennen. Oben am Rand vom Canyon an einer Viehtränke begegnet mir ein Hirte. Leider verstehe ich nicht, was er sagt. Es ist schade, die Kommunikation hier ist wirklich schwierig.

Ein Fuchs rannte hier weg, bevor ich fotografieren konnte


Es geht auf einem guten Wanderweg ein Stück hinab, danach folgt der Weg dem Verlauf des beeindruckenden Canyons. Die Blicke sind richtig spektakulär! Schon bald ist der Pfad mit hohen vertrocknetem Gras und sonstigem Gestrüpp überwachsen. Dennoch bleibt er gut erkennbar.

Debed Canyon


Dieser Trail begeistert mich

Um 18 Uhr finde ich eine sandige Stelle unterhalb eines Felsabhangs. Dort könnte man zelten, aber es treibt mich weiter. An der Stelle scheinen öfters Steine runterzukommen.

Zeltplatz am Kobayr Monastery


Der weitere Weg zieht sich. Keinerlei Zeltmöglichkeiten! Steil geht es durch einen dichten Wald hinab, bis ich den Weg zur Ruine Kobayr kreuze. Dort gibt es Möglichkeiten mein Zelt aufzustellen. Selbst zu später Stunde sind noch Menschen unterwegs. Ein russischer Hippie verankert seine Hängematte etwas unterhalb im Wald.

16.08.2026 2 weitere TCT-Hiker

Die Nacht ist erholsam, aber am nächsten Morgen habe ich unzählige Mückenstiche am Bauch. Die Mistviecher stechen einfach durch die Kleidung durch, besonders wenn ich nachts nicht zugedeckt bin.

Besichtigung der Anlage

Es wird restauriert


Am nächsten Morgen erkundige ich noch ein wenig die Ruinen und wandere dann weiter. Der Russe schläft noch. Die Wolken hängen heute tief, der Rand von Canyon ist damit bedeckt.

Auf halber Strecke befindet sich Ruinen von Horomayr Kloster. Hier gäbe es auch eine Zeltstelle in einer Höhle.

Horomayr


Zurück am Trail treffe ich den ersten anderen TCT-Hiker. Ein Mann aus Spanien wandert in die gleiche Richtung und hat die Nacht im Tal verbracht. Ich überhole ihn, da er seine Schnürsenkel reparieren muss. 

Rückblick in den Debed Canyon


Bergauf verlasse ich den spektakulären und wunderschönen Canyon in Richtung des Dorfes Odzun. In einem Shop kaufe ich einen Schokoriegel mit den verbliebenen Münzen, aber er schmeckt nicht so gut. Einige Menschen grüßen freundlich, manche schauen mich seltsam an. 

Vor Beginn des nächsten Wanderweges komme ich an einer ausgemergelten Hündin vorbei. Der Anblick des armen Geschöpfes stimmt mich traurig.

Der magere Hund nahe Odzun bedrückt mich


Der Trail ist gut markiert, auf den Wiesen aber nicht so gut erkennbar. Das liegt teilweise aber auch am dichten Nebel, der mich hier umgibt. Es bleibt unspektakulär bis Hagvi. Sehr feiner Sprühregen fällt vom Himmel, aber der ist so fein, dass ich trocken bleibe. 

So ist es angenehm


Am Picknick Platz mache ich eine Pause, ehe die Schleife Richtig Sedvi Monastry startet. Auf einem 4x4 Track geht es durch den Wald, als es richtig zu regnen anfängt. Ein flacher Fluss muss gequert werden. Das geht sogar barfuß. 

Am Abzweig danach folge ich einem sehr unscheinbaren Pfad, bis er sich kurz vor einer Bachquerung im Brombeergestrüpp verliert. Darauf habe ich gar keine Lust und kehre um. Stattdessen gehe ich den 4x4 Track, der mit "Sanahin train station" ausgezeichnet ist. Dieser ist wunderbar zu gehen und schnell bin ich zurück auf dem TCT.

Durchgang gesperrt, sagt die Vegetation


Nahe der Bahngleise befindet sich ein Lebensmittel-Laden, unweit von TCT. Das Iris B&B erreiche ich schon um 16 Uhr und habe den restlichen Abend zum entspannen. Mir geht es also gut, nur mein linkes Knie schmerzt etwas. Das Zimmer teile ich mir mit Sam aus England, der ebenfalls den TCT wandert. Er allerdings ist bereits durch Georgien gewandert und berichtete von einem sehr schlechten Zustand des Trails an vielen Stellen. In Armenien sei er bisher deutlich besser.

Das armenische Essen ist richtig lecker!


Zum Abschluss des Tages servierte uns die Gastgeberin Irina ein köstliches Abendessen.

TCT Alaverdi bis Dilijan

TCT Alaverdi bis Dilijan 


17.08.2026 Nasses Nebel-Bushbashing

Die Nacht im Hostel ist erholsam und Sam ist ein angenehmer Zimmergenosse. Wie so oft dauert in einer Unterkunft alles ein bisschen länger und erst um Viertel vor neun komme ich los. Die ersten drei Kilometer an der Straße bis Alaverdi sind langweilig. Immerhin gibt es einen schmalen Bürgersteig. Im Kata Supermarkt kaufe uch für die nächste Etappe bis Dilijan ein. Hier kommt man durch kein Dorf. Der Einkauf fällt mir schwer und ewig gehe ich im Laden umher. Alle Waren wirken fremdartig oder sind zumindest sehr fremdartig beschriftet. Beim Bäcker kaufe ich noch Lavash - das traditionelle hauchdünne Brot.

Rückblick auf Alaverdi




Der Weg bis in die Stadt Sanahin ist überraschend schön. Ein Wanderweg führt in Serpentinen nach oben und ist zumeist im guten Zustand. Es ist bewölkt, aber angenehm warm. In Sanahin treffe ich den Spanier wieder. Er ist einen anderen Weg gegangen und will heute hier übernachten. Schon wieder vergesse ich ihn, nach seinem Namen zu fragen.

Dirtroad


An der Wasserquelle mache ich eine Pause, ehe ich den großen Anstieg angehe. Schon kurz darauf ist der Weg, den ich gehen soll, nicht erkennbar. Stattdessen folge ich weiter der Dirtroad. An der nächsten Kurve finde ich den Weg, aber der ist extrem steil. Bis 1500m wandere ich auf dem 4x4 Track. Dann zweigt ein Pfad ab - Markierungen sehe ich schon länger nicht mehr. Es ist sehr nebelig und ich sehe nur 10-20m weit. Ohne GPS wäre die Navigation hier unmöglich. Unzählige Tierpfade sind zu sehen und man muss ständig schauen, wo man hin muss. Zudem ist es stellenweise unangenehm überwuchert. 

Der Trail ist kaum erkennbar



Es regnet zwar nicht, tropft aber beständig von den Bäumen. Alles ist nass, meine Socken auch. Bäh! Das mag ich gar nicht! Der Zustand des Weges verschlechtert sich zunehmend. Am schlimmsten ist es nahe einer Picknick-Stelle. Bis auf Kopfhöhe wächst das Gestrüpp und ist gerne mal dornig. Ein einziges Bush-Bashing ist das hier. Laut GPS bin ich irgendwann minimal zu weit oben. Weiter unten ist der Hang total von Rindern zertrampelt und gleichzeitig überwuchert. Zudem ist der Boden unglaublich matschig und rutschig, was die Sache nicht einfacher macht.

Völlig zugewuchert

Hier war es ganz besonders schlimm



Ich bin gottfroh, als ich bei der Quelle am 4x4 Track ankomme. Ein Hirte grüßt freundlich. Es ist richtig angenehm hier zu gehen und ich komme auch vorwärts. Die Zeltplatzsuche fällt schwer. Irgendwann finde ich vernünftige Wiesen, aber weit und breit sind Kühe unterwegs. Aber es hilft nichts - ich gehe etwas abseits vom Weg bergauf und finde eine passable Stelle. Puh, geschafft!

Endlich Feierabend!




Am Abend stelle ich fest, dass der leichte Wind den Nebel durchs Zelt drückt und das Mesh wird richtig nass. Ich spanne das Zelt so tief ab wie möglich. Da wäre ein doppelwandiges besser. Dann fängt es an zu regnen. Gute Nacht!


18.08.2026 Der erste sonnige Tag

Beim Morgengrauen klart der Himmel auf und ich kann endlich wieder etwas sehen. Den Platz habe ich gut gewählt, auf der anderen Seite sind die Rinder. Während ich mein Zelt einpacke, kommt auf der Dirtroad eine große Schafsherde anmarschiert. Zum Glück bin ich oberhalb davon. Doch als ich gerade meinen Rucksack schultere und in die entgegengesetzte Richtung gehen will, rennen mehrere Hunde lauf bellend hinter mir her. Blöde Köter! Warum können die nicht bei ihrer Herde bleiben?!

Bei den Hirtensiedlungen muss man aufpassen



Beim übernächsten Hirtenhaus soll es viele aggressive Hunde geben. Aus Vorsicht umrunde ich dieses Areal auf der anderen Seite von Berg. Doch die Ruhe währt nicht lange: Am Steilhang entdecke ich in der Ferne eine Schafsherde. Als ich noch rund 300m entfernt bin, kommen drei aggressive Hunde hinter mir her. Und das obwohl ich bereits umgedreht bin! Mir bleibt nichts anderes übrig, als weglos den steilen Berg hochzugehen, um auf der anderen Seite weiterzugehen. Das geht zumindest, wo hier nur Grasland ist. Es ist trotzdem sehr nervig!

Es klart endlich auf

Hier gefällt es mir richtig gut



Inzwischen scheint die Sonne kräftig vom Himmel und es lohnt sich, die immer noch nassen Socken auszulegen. Die Landschaft verwandelt sich hier in sanft geschwungene grüne Berglandschaft. Es erinnert mich an Tushetien in Georgien. Zwischendurch kann ich ganz entspannt wandern und die Natur genießen.

An einem Picknick-Platz mache ich eine lange Mittagspause. Auch das Zelt trocknet nun. Dann geht es weiter und ich bin in Sorge, weil es für die Siedlung Pakhagn Berichte über problematische Hunde gibt. Aber es dauert noch, bis ich dort ankomme. Bei jeder anderen dieser kleinen Hirtensiedlungen bin ich sehr vorsichtig, doch meist sind die Hunde angeleint oder es sind Menschen da. 

Picknick-Shelter

Stimmung am späten Nachmittag




Im Gegensatz zu gestern sind die Wege überwiegend einfach und angenehm. Zwischendurch gibt es Passagen, wo man Trampelpfaden von Rindern durchs hohe Gras folgen muss. Aber da ist nur die Navigation aufwändig. 

An einer Quelle fülle ich für die Nacht auf und nehme insgesamt 2.5l mit. Pakhagn ist unproblematisch, es gibt zwar frei laufende Hunde, aber die bleiben auf ihrem Grundstück stehen und verfolgen mich nicht. So sollte das immer sein!

Noch 3.5km, überwiegend bergab, dann bin ich an meinem Tagesziel, einem Picknick-Platz, angekommen. Hier baue ich auf plattem Gras mein Zelt auf und genieße den Abend. Durch die Nässe der vorherigen Tage, wird es wohl viel Kondenswasser geben. Aber einen Platz unter Bäumen gibt es weit und breit nicht. 

Idyllischer Zeltplatz





19.08.2026 Dilijan Nationalpark 

Ich schlafe gut, wache aber einmal auf, weil in der Nähe auf einer Dirtroad zwei Autos fahren. Verwunderlich irgendwie, dass Leute bei Dunkelheit eine solche Straße fahren.

Auf dieser Straße geht es für mich weiter. Schon bald erreiche ich eine Wasserquelle. Herrlich erfrischend! Bereits um halb neun ist es richtig warm. Zu warm für meinen Geschmack. Der Himmel ist wolkenlos.

Wandern auf einer Dirtroad

Wandern auf Pfaden

Enziane wachsen hier in großer Anzahl




Auf diesen Wegen komme ich gut vorwärts. Zwischendurch geht es auf schmalen Kuhpfaden weiter. In der Distanz sehe ich einen alten Mann mit grauem Vollbart. Offenbar ein Hirte. Er spricht mich an, fragt wohl, ob ich russisch spreche. Das muss ich leider verneinen. Er geht es Stück mit mir bis zu einer Hütte, die wohl ihm gehört. Meinen Weg kann ich ihm verständlich machen, auch dass ich aus Deutschland komme. Er zeigt auf einen Bullen und auf meinen roten Rucksack. Wegen der Farbe solle ich vorsichtig sein, verstehe ich. Dann nimmt er zwei Steine und schlägt sie aneinander. Aber was das bedeuten soll, verstehe ich nicht wirklich. Schade, dass ich kein russisch spreche.

Es geht bergauf und bei der Hitze ist das brutal anstrengend. Bei jeder Gelegenheit mache ich mein Baumwolltuch nass, welches um meinen Hals gewickelt ist. Einen guten Platz für die Mittagspause finde ich nicht, daher fällt sie kurz aus.

Auf einem Pass erreiche ich die Grenze zum Dilijan Nationalpark. Kurz darauf geht es auf einen kaum vorhandenen Trampelpfad bergab. Naja wie ein Weg sieht das ehrlich gesagt nicht aus. Eher als hätten TCT-Hiker nach und nach das Gestrüpp etwas plattgetrampelt, wo mal ein Weg entstehen soll. Zeitweise ist das Gestrüpp mit reichlich Brennesseln mannshoch. Meine Beine sehen sowieso wie Streuselkuchen aus, meine Arme nun auch... Irgendwann wird es etwas besser, ein paar Mal rutsche ich aber aus, da der Boden manchmal nur aus Gestrüpp besteht. Rechts von mir ziehen Wolken auf und ich höre Donnergrollen.

Der Abstieg ist überwachsen und kaum erkennbar

Rückblick






Nach 1.5h komme ich wieder auf einen normalen Weg und bin erleichtert. Es ist noch ein steiler Abstieg bis zum Hidden Waterfall. Diesen Umweg gehe ich, da ich dort ein erfrischendes Bad nehmen will. Erst muss ich aber warten, bis eine Familie weggegangen ist. Danach fühle ich mich viel besser! Der "Blue Swamp" ist ein Reinfall - ein veralgter Tümpel.

Perfekt gepflegter Weg


Haghartsin Monastery




Der Pfad bis zum Haghartsin Monastery ist wunderbar gepflegt und markiert. Dort ist die Hölle los! Massenweise Touristen sind hier unterwegs, inkl. Gruppen. In einer Bäckerei kaufe ich ein überteuertes süßes Brot (Gata), was typisch für die Region sein soll. Es schmeckt ganz ok. Hinter dem Monastery-Komplex soll man zelten können. Ich sehe mir das Gelände an, kann aber nichts finden, was außerhalb der Gebäude ist und nicht uneben oder überwuchert ist.

Also gehe ich trotz fortgeschrittener Zeit weiter und folge einer groben Gravelroad bergauf. Hier ist es überall abschüssig oder voller Gestrüpp. Erst nach 3.5km und 525hm komme ich auf ein Plateau. Hier bin icg nicht die erste, die hier zelten will. Ein Vater mit Sohn ist auch da, aber sehr wortkarg. Auf einer Wegkreuzung ist das Gras nicht so hoch und flach genug. Dort stelle ich mein Zelt auf. Dunkle Wolken mit Donnergrollen scheinen in meine Richtung zu kommen, ziehen dann aber doch vorbei. Glück gehabt!

Exponierter Zeltplatz




20.08.2026 Dilijan

Diesmal gibt es nicht ganz so viel Kondensation wie in der Nacht zuvor. Ich lasse mir am Morgen ganz viel Zeit, da ich nicht zu früh in Dilijan ankommen möchte.

Der Kaukasus ist sehr blumenreich




Entlang von bunten Blumenwiesen wandere ich zum Pass hoch. Oben hat man einen tollen Ausblick und mit den Wolken, die heute vorherrschen, wirkt es besonders stimmig. Bergab bleibt es sehr schön, bis ich eine verlassene Siedlung von Bauern erreiche. Hier fließt der Kayenayur-River, den ich hier noch mühselig barfuß quere. Schon bald folgt eine weitere Querung barfuß. Es ist ganz schön aufwändig sich jedes Mal die Socken an- und auszuziehen. Auf der Karte sehe ich nun, dass ich diesen Fluss noch zahlreiche Male furten werden muss.

Aufgelassener Wohnanhänger

Diesen Fluss musste ich mehrfach furten



Überraschend finde ich einen Picknick-Shelter mit einer sauberen Wasserquelle. Dort gönne ich mir eine Pause, bevor es weiter Richtung Dilijan geht. Schneller als gedacht erreiche ich die Vororte der Stadt. Entlang der Hauptstraße gehe ich in Richtung des Hiker Hostel's, wo ich reserviert habe. Dort möchte ich für zwei Nächte bleiben, um einen entspannten Ruhetag zu machen. Die letzten Tage haben viel Kraft gefordert. Die Route an der Hauptstraße ist wenig attraktiv. Da wäre eine andere besser gewesen.

Im Hostel komme ich rechtzeitig vor einem heftigen Gewitterregen an.

Ruhetag im Hiker Hostel

Armenien ist bekannt für seine in Stein geschnitzten Crossstones

Resupply für die nächste Etappe



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