Wissembourg bis Saverne
25.05.2026 Ankunftstag
Um 7 Uhr in der Früh fahre ich mit RB und ICE bis nach Wissembourg. Die Bahn ist diesmal sogar beinahe pünktlich und die Fahrzeit von sechs ein halb Stunden wird eingehalten. Erstaunlich heutzutage! Aber dafür gibt es unterwegs ein anderes Problem: nach reichlich genutzem Internet auf der Fahrt, stelle ich fest, dass die Steckdosen im ICE nicht funktionieren. Die beiden kleinen Regionalzüge danach haben keine und so komme ich mit halber Handyladung in Wissembourg an. So möchte ich die Tour nur ungern beginnen. Im Warteraum gibt es zum Glück Steckdosen und so warte ich weitere 35min, bis es dann endlich losgeht.
In Wissembourg ist richtig was los. Der ganze Ort ist voller Menschen. Hier findet irgendeine Art Markt statt. Sobald ich den Wald erreiche, wird es ruhig. Zwischen Wald und Feldern bewege ich mich in Richtung Vogesen. Das Wetter ist sonnig und sehr warm. Es ist richtig heiß und eine ganze Woche lang soll es Temperaturen bis 30 Grad Celsius haben. Da sind schon die sanften Steigungen im Mittelgebirge anstrengend und schweißtreibend. Bei der Planung hatte ich gelesen, dies sei die nasseste Region in Frankreich. Ich bin gespannt, ob es noch nass wird. Ein bisschen Regen zwischendurch wäre mir lieber als diese Hitze!
Um 16 Uhr erreiche ich das Refuge du Scherhol, eine gemauerte große Schutzhütte, die Wanderer kostenfrei und unkompliziert benutzen können. Was Übernachtungen in der Natur angeht, sind die Regelungen in Frankreich viel entspannter als in Deutschland. Vielerorts ist ein Biwak im Zelt für eine Nacht erlaubt und zudem gibt es reichlich Schutzhütten, die man nutzen darf. Hier mache ich jedoch nur eine Pause, denn ich bin hungrig.
Etwas unterhalb gibt es einen öffentlichen Wasserhahn. Für Trinkwasser ist auch gesorgt! Ich begegne nur wenigen anderen Menschen, fast immer bin ich alleine. Das finde ich verwunderlich, insbesondere am Feiertag bei solch gutem Wetter. Am Refuge St Hubert mache ich erneut eine längere Pause. Ich fühle mich schlapp und erschöpft. Hier könnte man auch übernachten, aber in der Hütte herrschen saunaartige Bedingungen und laut brummende Fliegen summen umher. Daher ziehe ich weiter und wandere noch ein paar Kilometer.
Im Wald an einem winzigen Bach werde ich fündig. In der Umgebung bellen Rehe und die Vögel zwitschern lautstark. Hin und wieder höre ich in der Entfernung die Straße. Zum Abendessen gibt es Instant Nudeln. "Made in France" stelle ich unerwarteterweise fest.
26.05.2026 Unzählige Burgen
Bei Einbruch der Dunkelheit ist im Wald richtig was los. Sehen kann ich zwar nichts, aber wilde Tiere laufen in der Nähe herum. Laut grunzend marschieren Wildschweine neben meinem Zelt. Dann schlafe ich irgendwann ein und wache um sieben Uhr morgens erholt auf.
Das Frühstück genieße ich ein kleines Stück weiter bei Petit Wingen. Es hat in der Nacht nur minimal abgekühlt und ist bereits um acht Uhr wieder heiß. Ein schweißtreibender Tag steht mir bevor.
Zunächst folge ich einem Singletrail entlang des Heimbachs. Es folgt ein kleiner Anstieg bis zur Schutzhütte Abri du Col du Litschhof, wo ich eine Pause einlege. Zur Burgruine Löwenstein und Hohenburg nehme ich einen Umweg in Kauf. Die Burgen wurden mit Hilfe der natürlich vorkommenden Sandsteinfelsen erbaut und wirken im Kontrast mit dem grünen Wald eindrucksvoll.
Anstatt über den GR53, gehe ich über den Felsenweg runter nach Fleckenstein. Die Burg Fleckenstein wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und kann heutzutage gegen Eintritt besichtigt werden.
Zum Glück führt der GR 53 überwiegend im Schatten durch den Wald. Es ist nämlich unerträglich heiß und das Wandern auf diesen eher einfachen Wegen sehr anstrengend. Die Froensburg ist nicht richtig zugänglich. Innen kann man allerdings eine Art Kamin von innen betreten.
Auf den Zigeunerfels kann man Mithilfe von Treppen aufsteigen. Unterhalb finde ich es aber schöner.
An der Burgruine Wasigenstein mache ich um 14 Uhr eine ausgiebige Mittagspause. Ich finde dazu ein schattiges und trotzdem luftiges Plätzchen. So lässt es sich aushalten!
In Obersteinbach fülle ich Wasser nach und mache mich etwas frisch. Auch wenn die Frische bei der Hitze nur wenige Minuten währt... Der Umweg zur Ruine Wittschlössel ist einfach, flach und lang. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich gelohnt hat. Die anderen Ruinen fand ich bisher schöner.
Die Burg Alt-Windstein dagegen gefällt mir richtig gut. An mehreren Stellen kann man hochklettern und so verschiedene Perspektiven genießen. Zudem bin ich dort alleine und kann ganz in Ruhe die Umgebung genießen. Eine Nacht hier wäre auch etwas besonderes. Aber ich will noch weiter, schließlich habe ich insgesamt etwa 400km vor mir.
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| Die Burg Alt-Windstein bietet alles, was eine gute Burgruine ausmacht... |
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| ...es gibt zahlreiche Nischen und Räume, die erkundet werden können. |
Um 18 Uhr ist es immer noch schwülwarm. Am Schwartzbach fülle ich mir 2.5 Liter Wasser ab. Der Anstieg zum Col du Pottaschkopf fühlt sich sehr steil und ermüdend an. Immer mal wieder muss ich kurz anhalten. Dann wird es endlich flacher. Am Pass soll eine Schutzhütte sein, aber direkt an einer Straße will ich nur ungern übernachten. Stattdessen schlage ich mein Zelt kurz vorher zwischen zwei Wanderwegen auf. Nach 36km und 1500hm bin ich richtig k.o.
27.05.2026 32° und es wird nicht kühler
Die Nacht ist erneut sehr warm, es kühlte fast gar nicht ab. Trotzdem kann ich erholsam schlafen. Trotz Feiertagswochenende ist das Châlet du Wintersberg vom Club Vosgien geschlossen. Draußen frühstücke ich.
Am Wintersberg stehen zwei Zelte. Ich bin hier definitiv nicht alleine unterwegs. Kurz vor Niederbronn treffe ich auf Georg aus Deutschland und Lyanne aus Kanada. Georg ist 10 Tage unterwegs und Lyanne nimmt den kompletten Hexatrek in Angriff. Wahrscheinlich werden wir uns die nächsten Tage mehrfach wiedersehen. Ich freue mich darauf, denn sonst treffe ich die Leute unterwegs nur einmal und nie wieder. In Niederbronn kaufe ich im Supermarkt ein. Leider ist die Kühlabteiltung fast komplett leer. Eigentlich wollte ich einen Joghurt kaufen, aber es sind nur wenige Großpackungen übrig.
Mit reichlich gefülltem Rucksack mache ich mich wieder auf den Weg. Es geht bergauf zur Wasenbourg. Die Außenmauern dieser Burg aus dem 13. Jahrhundert sind noch richtig gut erhalten. Georg und Lyanne holen mich ein als ich gerade weitergehen will.
Bis zur Bank an der Lichtung Grünschaft geht es über schmale Pfade auf überwiegend sanft geneigten Gelände auf und ab. Dort ist reichlich Schatten und es lässt sich trotz der Hitze gut aushalten. Ich finde, dies ist ein idealer Platz für eine Mittagspause! Nach einer Weile kommen Georg und Lyanne und leisten mir eine sehr angenehme Gesellschaft.
Wir gehen ein Stück gemeinsam. Die Burg Grand Arnsbourg kann man nicht betreten, nur von außen betrachten. Lyanne erzählt mir von den Trails, die es in Kanada gibt und warum sie sich für den Hexatrek entschieden hat. Außen am Restaurant L'Arnsbourg dürfen wir Wasser zapfen. Bei der Hitze ist der Verbrauch immens und dennoch musste ich bisher nur einmal pieseln.
Bis zum Biwakplatz an der Pulverbruecke geht es rauf und wieder runter. Ich bin etwas schneller und lasse die beiden hinter mich. Sie überlegen an der Pulverbrücke zu campen. Ich gehe noch weiter bis Lichtenberg und Wimmenau.
Die Wege sind hier sehr hübsch und gut zu gehen. Es macht Spaß, auch weil es überwiegend flach ist.
In Wimmenau macht mich ein Anwohner auf Trail Magic aufmerksam. Eine Frau bietet den Wanderern Zugang zu Wasser & WC sowie Sitzgelegenheiten im Schatten. Es gibt sogar eine Steckdose. Eine kleine Oase in dem kleinen Dorf. Dort genießt bereits ein holländischer Wanderer die Gelegenheit und zusammen gehen wir weiter. Wir beide wollen bis zum Felsen Ochsenstall gehen. Dort soll es eine tolle Zeltmöglichkeit geben. Am besten soll es oben auf dem Felsen sein, doch die besten Plätze sind bereits belegt. Daher stelle ich mein Zelt unterhalb auf. Im Schutz des Felsen gibt es sogar eine Bank, doch leider attackieren mich die Mücken, sodass ich ins Zelt flüchte. Wirklich schade, finde ich.
28.05.2026 Auf zum Pool nach Saverne!
Diesmal kühlt es in der Nacht zumindest ein klein wenig runter. Am nächsten Morgen starte ich bereits um 7 Uhr, um der Hitze ein wenig zu entkommen. Der Plan geht tatsächlich auf. In der Früh ist es diesmal deutlich angenehmer und die Wege verlaufen überwiegend der Sonne abgewandt. Nach wenigen Minuten bin ich in Eckartsweiler angekommen. Bis nach La Petite-Pierre dauert es auch nicht lange. Hier gibt es eine öffentliche Toilette, wo man Wasser auffüllen kann. Das Dorf wirkt nett, dennoch mache ich lieber in einem öffentlichen Garten eine Pause. Ganz gemütlich ist es dort.
Der Trail bis Graufthal ist hier besonders schön. Man hat sogar mal eine Aussicht über die weiteren bewaldeten Hügel. Der Laubmischwald riecht sehr angenehm. Graufthal ist unterhalb von mächtigen Sandsteinfelsen erbaut. Auf dem weiteren Weg gibt es eine große natürliche Steinbrücke zu bewundern. Die extra Meter bergauf lohnen sich.
Ab hier führt der GR 53 leider vermehrt über breite Forststraßen. Seit über einer Stunde versuche ich eine angenehme Sitzgelegenheit im Schatten ausfindig zu machen, aber da gibt es nichts. Die einige Bank hinter Oberhof ist bereits belegt. Frust macht sich breit und ich setze mich kurz auf einen Baumstamm, um ein paar Snacks zu essen. Der Magen knurrt.
Die große Herausforderung hier ist die Querung der Autobahn. Zwar ist es einfach über eine normale Straße, aber bei 30 Grad alles andere als spaßig. Bei Kaltwiller finde ich einen Picknick-Platz ganz im Schatten und nutze es für eine Mittagspause. Ich koche mir Ramen, stelle aber fest, bald kein Wasser mehr zu haben. "Kein Problem", denke ich. Laut Karte soll es demnächst zwei Quellen geben. Zwei Frauen mit riesigen Rucksäcken kommen vorbei. Sie gehen den Hexatrek und grüßen freundlich. Dann kommt der Holländer vorbei und setzt sich dazu. Dankenswerterweise gibt er mir etwas Wasser ab. Als ich weitergehe, stelle ich folgendes fest: beide Quellen existieren nicht mehr. Ich trinke die letzten Schlucke Wasser und beeile mich nach Saverne zu kommen. Der Holländer hat von einem Campingplatz mit Pool geschwärmt. Da will ich nun auch hin!
Wegen Wassermangel lasse ich die genauere Erkundung der roten Felsen aus. Der Pfad hier ist super schön!
In Saverne bekomme ich Wasser auf einer öffentlichen Toilette. Einen halben Liter trinke ich auf Ex. Das tut gut!
Dann geht es zum Supermarkt und als Belohnung gönne ich mir zwei köstliche Kugeln Eis. Danach trotte ich gemächlich zum Campingplatz, der mit knapp 10€ auch noch günstig ist. Es gibt eine große Zeltwiese mit vielen mächtigen Bäumen sowie den versprochenen Pool. Hier lasse ich den Nachmittag gemütlich ausklingen und versuche mich nicht über die dreiste Fahrplanänderung der DB zu ärgern.
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| Diesen Campingplatz kann ich definitiv weiterempfehlen. |
Hier geht es weiter!


































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