GR 53 / Hexatrek
31.05.2026 Der erste Regen seit Tagen
Die Ruhe am Zeltplatz auf dem kleinen Gipfel ist herrlich und ich kann beruhigt schlafen. Die Bäume spenden Schatten für das Zelt. Wunderbar, so werde ich nicht unsanft geweckt.
Zunächst wandere ich zurück zur Quelle, die ich gestern entdeckt habe und fülle mir 1.5 Liter ab. Anschließend folgt ein langweiliger Marsch auf der Forststraße bis zum Sattel des Ungerbergs. Hier fängt ein Pfad an, der zum Gipfel führt. Dort oben steht ein kleiner Aussichtsturm und ich lege die erste Pause des Tages ein.
Nachdem ich auf einem Pfad bergab gegangen bin, folgt die nächste Forststraße. Auf dem Ungerberg war ich schon wieder abseits vom GR 53. Das verstehe ich nicht wirklich.
An der Burg Bernstein mache ich einen kurzen Besichtigungsstop. Dort überhole ich eine Belgierin, die den Hexatrek komplett gehen möchte. Es folgen noch zwei weitere Burgruinen: Ortenberg und Ramstein.
Umso so weiter ich ins Tal komme, umso mediterraner wird die Vegetation. Es wachsen hier viele Eichen und Esskastanien. Am Mittag folgt der erste kleine Schauer und sofort liegt ein würziger Duft in der Luft.
In Chatenois ist am Sonntag leider fast alles geschlossen. Selbst die Pizzeria hat zu. An der öffentlichen Toilette treffe ich die Belgierin und einen deutschen Trekker wieder. Wir tauschen uns über die nächsten Etappen und die Wettervorhersage aus. Am Dienstag soll es sehr stark regnen.
Noch lange bleibt der Wald sehr dicht und wild mit den verschiedenen Laubbäumen. Es gewittert in der Ferne und bald fängt es auch hier an zu regnen. Einen Teil davon sitze ich bei einer Pause in einer Schutzhütte aus. Der Wald duftet nun richtig herrlich - ich liebe es!
Eigentlich wollte ich einen direkten Weg nehmen, der einen Affenzoo quert. Dort soll es einen Imbiss geben. Aber ein nicht in der Karte eingetragener Zaun verhindert mein Vorhaben. Ich habe aber keine Lust den ganzen Weg zurück zu gehen und gehe stattdessen weglos runter zur nächsten Forststraße.
Bergauf schleppe ich mich im Regen hoch zur Château du Haut-Kœnigsbourg, einem Schloss, wo man gegen Eintritt das Gebäude besichtigen kann. Das Schloss sieht sehr imposant aus - wie ein richtiges Märchenschloss. Doch ich komme zu spät, die Besuchszeiten sind schon beendet. Nicht mal das öffentliche WC kann ich noch finden. Immerhin gibt es einen Wasserhahn!
Dann mache ich mich nach 35km auf der Suche nach einem Zeltplatz. Doch überall ist es steil oder überwuchert. Dann führt mein Track wieder anders als der offizielle Weg und ich bin verwirrt. Doch nun ist keine Zeit mehr für eine Umplanung. Über einer breiten Schotterstraße geht es hoch. Weit und breit ist kein Zeltplatz zu sehen. Dann komme ich an einem verschlossenen Refugio vorbei, aber ich traue mich nicht, dort zu zelten. In der Mähe weisen mehrere Schilder auf Privatgrundstücke hin.
Erst bei der Abri Rotze finde ich flache Stellen, wo es erlaubt scheint. 42km bin ich heute gegangen und richtig fix und fertig. Im Zelt richte ich mich ein und lege mich um 22 Uhr endlich schlafen.
01.06.2026 Zelten auf dem Petit Brezouard
In der Nacht muss ich oft aufs Klo und träume seltsame Dinge, aber sonst ist es ok.
Der Weg fängt heute direkt mit einem Pfad hoch zum Rocher des Géants an. Auf dem Weg komme ich an einer lieblichen Quelle vorbei und nutze die Gelegenheit für eine Katzenwäsche. Da es heute angenehm kühl ist, schaffe ich es ohne verschwitzt zu sein auf den Gipfel. Vom Gigantenfelsen habe ich einen ganz besonderen Blick. Links und rechts versperren Bäume die Sicht, aber in der Mitte öffnet sich ein weiter Blick ins Tal. Es sieht magisch aus. Ich nutze die Gelegenheit für ein Selfie mit meinem neuen Ministativ. Sonst hatte ich bisher fast nie Fotos von unterwegs, wo ich zu sehen bin.
Der Pfad bergab gefällt mir ebenfalls gut. Ab der Schutzhütte Hasenclever beginnt ein fader Abschnitt auf einer Forststraße. In der Karte erblicke ich, dass ich die Möglichkeit habe drei Burgen zu besichtigen und entscheide mich spontan für einen anderen Weg. Dort in der Nähe stelle ich fest, dass der originale GR 53 hier entlang führt. Sehr seltsam! Manchmal verändere ich Abschnitte in einer Planung, aber definitiv lasse ich nicht drei Burgen weg! Ich meine mich zu erinnern, den Track von Komoot runtergeladen zu haben. Mich wundert schon seit ein paar Tagen, warum meine Route öfters von der originalen abweicht.
Der nächste Anstieg mit 650hm folgt direkt. Es geht zun Glück sanft hoch zum Königsstuhl. Einem Felsen mit einer Sitzkuhle in der Mitte. Perfekt für eine Verschnaufpause inkl. Füße lüften.
Bei dem Weg bergab bin ich etwas verwirrt, denn der markierte GR 53 ist mit einem weißen Flatterband abgesperrt und neonorange Fähnchen verweisen auf den Pfad der parallel verläuft. Ich folge diesem. Doch warum ist der originale Weg abgesperrt? Oder bin ich auf eine Markierung eines vergangenen Events reingefallen?
In Altweier nutze ich die öffentliche Toilette, um mein Wasser aufzufüllen. Daneben ist ein Café mit Werbung für den Hexatrek, doch es ist montags geschlossen.
Brutal steil geht es die ersten 100hm bergauf. Die Unterschenkel brennen, obwohl ich Minischritte mache. Dann wird es besser und ich komme wieder mit normalem Tempo weiter. Bei der Hütte an der Pierre des Trois Bans gehe ich ohne Rucksack ein Stück zurück, um Wasser zu finden. Die eingezeichnete Quelle existiert nicht, aber in der Nähe finde ich ein winziges Rinnsal, wo ich ganz vorsichtig einen Liter abfülle.
Danach folgt das letzte Stück bis zum Refuge du Brézouard. Kurz vor dem gleichnamigen Gipfel treffe ich eine Hexatrek-Hikerin mit Hund. Das letzte Stück bis zum Gipfel kostet nochmal richtig Kraft. Uff! Dann habe ich es geschafft. Die Hütte ist leider innen weniger einladend - irgendwelche Idioten haben ihren Müll dort hinterlassen. Ich entscheide mich stattdessen auf dem Gipfel zu zelten. Die Frau mit Hund hat das gleiche vor und so teilen wir und den Platz
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| Das Refuge hat seine besten Zeiten hinter sich. |
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| Bei stabilem Wetter bevorzuge ich es, auf dem Gipfel zu übernachten. |
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| Hier kann ich einen ganz tollen Sonnenuntergang sehen |
02.06.2026 Im Zentrum des Gewitters
Nach einem beeindruckenden Sonnenuntergang schlafe ich erholsam bis 6:30 Uhr. Es ist bis jetzt die kälteste Nacht. Ich möchte wieder früh wandern, denn heute sollen heftige Gewitter kommen.
Der Weg bergab bis Le Bonhomme, ein kleines Dörfchen, ist einfach und führt zum Teil über Forststraßen. In Le Bonhomme gibt es eine Bäckerei. Die Baguettes sind mir zu groß, ich kaufe zwei Croissants. Es gibt auch schmackhaft aussehende Pizzastücke. Hätte ich dies gewusst, hätte ich gestern weniger eingekauft!
Es geht wieder rund 600hm bergauf. Der erste Teil ist bei einem Friedhof, zu Ehren der gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs, geschafft. Damals gehörte dieser Teil, wo ich gerade wandere, noch zu Deutschland. Deshalb haben alle Orte sowohl deutsche als auch französische Namen.
Der Immerlinskopf ist aktuell eine Ruhezone für Wild. Deshalb wurde der GR auf die Forststraße darunter verlegt. Diese ist allerdings sehr schön zu gehen.
Ich passiere eine Straße und ein Skigebiet. Die öffentliche Toilette ist abgesperrt, es gibt hier also kein Wasser. Nun geht es durchs Skigebiet weiter bergauf. Es gibt einen Aussichtspunkt, wo man einen ganz tollen Blick auf den Lac Blanc hat. Weiß sieht er allerdings nicht aus.
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| Blick auf den Lac Blanc |
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| Der Panoramaweg weiß zu beeindrucken |
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| Ab und zu ist er felsig, aber nie schwierig. |
Noch hält das Wetter und die Sonne schaut zwischen den Wolken hindurch. Der GR führt nun spektakulär am Kamm entlang. Die Panoramen sind phänomenal. Langsam zieht es immer mehr zu.
Während ich wieder im Wald bin und den Aussichtspunkt auf den Lac Vert suche, fängt es an zu regnen. Den Lac Vert sehe ich von dort nicht, obwohl die Sicht noch gut ist. Erst regnet es nur mäßig und ich kann in Ruhe die Regenkleidung anziehen.
Doch plötzlich schüttet es wie aus Eimern und alle Bäume hier sind zu klein um sich unterzustellen. Hätte bei der Regenmenge aber ohnehin nicht geholfen. Innerhalb von wenigen Minuten verwandeln sich die Wege in richtige Bäche mit dunkelbraunem Wasser. Die Füße sind ebenfalls klatschnass. Es blitzt und donnert gleichzeitig direkt in meiner Nähe. Ich bin direkt unter dem Gewitter und eile so schnell es geht Richtung Wald.
Irgendwann lässt der Regen nach, aber die Wege bestehen immer noch aus Steinen mit Wasser drumherum. Col de la Schlucht ist nicht mehr weit entfernt. Der Buchenwald hier sieht überraschend herbstlich aus. Liegt das an der vergangenen Trockenheit?
In Col de la Schlucht nutze ich die öffentliche Toilette. Leider hält meine selbstgenähte Regenhose nicht mehr dicht. Selbst die Unterhose ist nass geworden. Auch die Regenjacke hat zumindest am Reißverschluss versagt.
Bis zum Refuge ist es nun nicht mehr weit. Es geht bergauf durch den Wald. Leider kommt schon der nächste starke Regen und klitschnass komme ich in der Schutzhütte an. Meine Socken kann ich auswringen und mein Rucksack tropft richtig doll. Nachdem ich eingecheckt habe, wechsle ich schnell zu trockener Kleidung, denn es ist nun auch kalt geworden.
Leider stelle ich fest, dass mein Nylofume Liner undicht geworden ist. Ein paar Sachen sind feucht geworden. U.a. die Isomatte und der Packsack vom Quilt. Die sehr freundliche Hexatrek-Wanderin aus den USA, ein Franzose und ein deutsches Paar verhelfen mir zu einem sehr fröhlichen Abend.
Hier geht es weiter!






































































