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Montag, 13. Juli 2026

GR 53 in Frankreich

 

GR 53 und der Hexatrek in Frankreich

In Frankreich gibt es eine große Anzahl an GR-Wegen, die für "Grande Randonnée" stehen. Im späten Frühling 2026 habe ich mit dem GR 53 in den Vogesen zum ersten Mal einen französischen Weitwanderweg unter die Füße genommen. Dieser ist 430km lang und startet in Wissembourg an der dt. Grenze und führt bis nach Belfort in Frankreich. Dieser Weg teilt sich den Trail zu etwa 90% mit dem immer bekannter werdenden Hexatrek. Der Hexatrek ist ein 3034km langer Fernwanderweg, der das Land einmal durch verschiedene spektakuläre Gebirge von der deutschen Grenze bis zum Atlantik an der spanisch-französischen Grenze durchquert.



Der GR 53 Zwischen mittelalterlichen Burgen und alten Wäldern

Im Vergleich zu Wanderwegen in den Alpen oder in Skandinavien, führt der GR 53 fast ausschließlich unterhalb der Baumgrenze durch Mittelgebirge bis zu 1424m Höhe durch dichte Buchenwälder. Insbesondere im Nordteil gibt es nur selten Panoramablicke, aber dies sind auch nicht die wahren Reize, die der GR 53 zu bieten hat. So muss man zwar zum Großteil auf große Fernsichten verzichten, aber dafür kommt man regelmäßig an halb verfallenen und frei zu besichtigenden Burgruinen  aus der Zeit des Mittelalters vorbei. Das besondere im Vergleich zu deutschen Burgen ist die Bauweise aus rötlichem Sandstein. Diese Sandsteinfelsen finden sich im Norden regelmäßig am Weg und geben der Region so einen ganz besonderen Flair. Im Südteil ändert sich der Charakter deutlich - die Burgen werden seltener und die Ausblicke deutlich schöner.






Markierungen, Navigation und Wegbeschaffenheit

Die Markierungen mit einem roten Rechteck auf weißem Hintergrund finden sich sehr regelmäßig am Weg und auch an Wegabzweigungen. Wegabzweigungen gibt es in den Vogesen sehr viele, denn es gibt eine sehr große Anzahl an Wander- und Radwegen. Eine Offline-Karte ist daher durchaus nützlich. So kann man spontan sehen, wo sich in der Nähe noch eine interessante Sehenswürdigkeit versteckt. 



Die Wanderwege des GR 53 sind vorbildlich gepflegt und fast immer sehr angenehm zu gehen. Häufig sind es Singletrails mit weichem Waldboden, die teilweise überraschend sandig sind. Die ein oder andere Forststraße gibt es auch, Asphalt findet man hauptsächlich in und um den Ortschaften. 


Übernachtungen auf dem GR 53 - Wo wildzelten noch legal ist

Obwohl die deutsche Grenze gar nicht weit entfernt ist, sind die Regeln und Gesetze in den Wäldern der Vogesen deutlich entspannter als bei uns. Abgesehen von den höheren Lagen im Südteil, ist freies zelten meistens erlaubt. Ab und zu weisen Schilder auf besondere Schutzgebiete hin, die man natürlich respektieren sollte. In den Ortschaften finden sich ansonsten auch Hotels und Pensionen. Man kann also entspannt mit Zelt wandern, muss es aber nicht.




Resupply - Ideal für ultraleichtes Gepäck

Dort wo freies zelten erlaubt ist, ist man meist auch so weit von der Zivilisation entfernt, dass man viele Tagesmärsche an Verpflegung schleppen muss. Das ist auf dem GR 53 anders! Je nach Gehtempo, kommt man spätestens nach drei bis vier Tagen an einem Supermarkt vorbei. Meistens braucht man nur für ein bis zwei Tage Nahrungsmittel tragen. Zwischendurch kommt man zusätzlich noch an Cafés und Restaurants vorbei, wo man sich eine warme Mahlzeit oder einen guten Kaffee gönnen kann. Gute Einkaufsmöglichkeiten gibt es in: Wissembourg, Niederbronn-les-Bains, Saverne, Rothau, Le Hohwald, Châtenois, Ribeauville, Thann und Belfort.


Klima in den Vogesen - Das Zeitfenster ist lang

Klimatisch kann man sich auf kühles bis warmes Mittelgebirgsklima einlassen. D.h. die Sommer können unangenehm heiß sein, ebenso kann es auch mal nasskalt sein. Im Winter kann es auch kräftig schneien, wobei hier der höher gelegene Südteil deutlich mehr Schnee abbekommt. Dort hat es mit seinen freien Wiesen schon einen leichten Alpenflair. Empfehlenswert ist der GR 53 zwischen April und November. 






Meine Tourberichte: 

Wissemborg bis Saverne

Saverne bis La Grande Bellvue

La Grande Bellvue bis Refuge Trois Fours

Refuge Trois Fours bis Thann


Sonntag, 17. Juli 2022

Warum überhaupt Weitwandern?

Warum überhaupt weitwandern – und die Frage nach dem Sinn des Lebens


Diese Frage wurde mir schon oft von Freunden und Verwandten gestellt. Erfahrene und langjährige Weitwanderer sind manchmal genervt von dieser immer wieder kehrenden Frage. Doch wenn man sich die Mühe gibt, sich in die weniger wanderaffinen Personen oder auch Thruhiking-Neulinge hineinzuversetzen, ist diese Frage völlig verständlich. Schließlich muss während einer Weitwanderung seine Komfortzone verlassen und auf viele Annehmlichkeiten im Alltag, wie z.B. tägliches duschen, schlafen im eigenen Bett, gemeinsam verbrachte Zeit mit Freunden und Familie, verzichten. Stattdessen läuft man jeden Tag mehrere Stunden zu Fuß, kämpft ggf. mit Blasen an den Füßen, riecht nach Schweiz, ist Wind und Wetter ausgesetzt und muss mit dem, was in den Rucksack passt, auskommen usw. Da kann man schon auf die Idee kommen, dass dies ein verrücktes Unterfangen ist.



Warum also all diese Strapazen auf sich nehmen, wenn man es daheim oder auf Tagestouren doch viel bequemer hat?! Und was bitteschön hat der Sinn des Lebens damit zu tun?

Zugegeben ist dies ein wenig gewagt formuliert – aber nur ein wenig. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist schließlich eine vielfach diskutierte Frage. Meine Meinung nach gibt es keinen Sinn des Lebens, den das Schicksal oder eine höhere Macht für uns ausgewählt hat. Jemand, der gläubig ist, mag und darf dies anders sehen. Wenn es kein von oben gegebenes Ziel gibt, dann sollte man sich seine Ziele selber aussuchen.

Tja, blöderweise heißt ein bequemes Leben nicht, dass dies einen glücklich und zufrieden macht. Stattdessen habe ich persönlich das Gegenteil erlebt – die Annehmlichkeiten im Alltag selbstverständlich und waren somit weniger zufriedenstellend. Erst die Anstrengung und auch die Entbehrungen auf längeren Touren haben zu einer durchgängig stärkeren Zufriedenheit geführt – die ansonsten alltäglichen Freuden der Zivilisation wurden zu etwas besonderem. Eine warme Dusche ist nicht mehr Teil einer täglichen Hygiene, sondern wird zu einer Wohltat. Eine Nacht in einem weichen Bett wird zu einem Genuss. Eine warme Mahlzeit wird zu einem Ereignis, auf das man sich viele Stunden vorher freut. 

Zudem ist die Chance beim wandern hoch in einen Flow zu kommen. Ein Flow ist ein Zustand, in dem man sich optimal gefordert fühlt, die Zeit vergisst und sich stark auf die aktuelle Aktivität konzentriert. Dies wird allgemein als sehr erfüllend erlebt und die meisten Menschen wünschen sich, solche Zustände möglichst häufig zu erleben.


Ein Flow-Zustand tritt besonders häufig auf, wenn viele von den Folgenden Kriterien erfüllt werden:

- es gibt ein klar definiertes Ziel

- das am besten selbstgewählt ist oder einem zumindes gefällt

- es gibt eine direkte Rückmeldung darüber, ob man erfolgreich ist oder nicht

- eine Aktivität, die einen fordert, aber nicht überfordert

- man hat das Gefühl Kontrolle über die Situation zu haben

- wenig Ablenkung von außen


Dies alles trifft beim wandern oftmals zu, kann man doch viele der oben genannten Kriterien aktiv beeinflussen. Freilich kann man dies nicht nur beim Weitwandern erreichen. Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Welche Möglichkeiten für einen persönlich am besten sind, muss jeder für sich herausfinden. 

Zusätzlich hat für mich das Weitwandern auch noch ein paar andere Vorteile. So lernt man z.B. die auf diese Art bereisten Länder sehr intensiv und gleichzeitig langsam kennen. Fährt man hingegen mit dem Auto durch, verpasst man einiges. Außerdem kommt man so automatisch auch in weniger touristisch beliebte Regionen und kann Einsamkeit erleben. Auch das viele draußen sein in Verbindung mit der tollen Natur ist für mich ein sehr wichtiger Faktor. Die schönsten Flecke erreicht man meistens nur zu Fuß. 


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