03.09.2026 Ein Kampf-Tag
Wie erwartet gibt es in der Nacht reichlich Kondenswasser und ich packe am nächsten Morgen das Zelt nass in den Rucksack. Leider wache ich mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule auf. Der ganze Bereich ist steif. Der erste Kilometer ist sehr einfach und führt an der Straße entlang. Dort komme ich an ein paar größeren Gebäuden vorbei, wo in Farout eine Warnung vermerkt ist. Ein Anwohner soll Wanderer belästigt haben. Ich sehe zum Glück niemanden und gehe schnell weiter.
Schon bald zeigt der TCT wieder seine nervige Seite, denn es soll mitten durch irgendein Feld gehen. Es wirkt zum Teil abgeerntet. Trotzdem finde ich die Wegführung blöd und suche mir einen möglichst einfachen Weg hindurch. Kurz bevor ich zu einem steilen Abstieg komme, höre ich zwei Schüsse. Erst denke ich mir nichts dabei, doch als ich mich umdrehe, sehe ich weiter hinten jemanden. Ich bekomme es mit großer Angst zu tun. Keine Ahnung, ob diese Person diejenige ist, die geschossen hat oder nicht. Mir kommt die Idee, es könnte der Typ sein, vor dem gewarnt wurde. Vielleicht geht es inzwischen dazu über Wanderer mit Schüssen abzuschrecken? Oder werden hier Tiere gejagt? Aber selbst dann sollte ein vernünftiger Mensch nicht schießen, wenn andere Menschen in der Nähe sind! Ich bin schockiert und renne so schnell es geht bergab. Das ist gar nicht leicht, da die Vegetation schon wieder höher ist. Ich habe Angst um mein Leben und versuche so schnell wie möglich Kilometer zu machen, um von hier wegzukommen. Zum Glück geht es nicht viel bergauf und ich sehe auch niemanden mehr. Langsam beruhige ich mich.
Der restliche Weg am Spandaryan Reservoir entlang ist herrlich unspektakulär und sehr einfach. Ich biege etwas früher rechts ab, da man sonst an einer Hütte mit aggressiven Hunden entlangkommen würde. Dann entdecke ich links oberhalb allerdings eine Schafsherde. Der Schäfer ist auch da und ich kann ungestört vorbeilaufen.
In Serpentinen geht es steil hinunter in die Vorotan-Schlucht. Hier mache ich einen kleinen Umweg, um zu einer Trinkwasserquelle zu gelangen. Doch auf der Brücke werde ich von einem aggressiven Hund aufgehalten. Die Besitzer kommen schnell und stoppen den Hund und lassen mich Wasser an deren Grundstück zapfen. Sie bieten mir auch einen Kaffee an, aber ich lehne ab.
Im Schatten eines Baumes mache ich eine Mittagspause. Dann geht es weiter. Der Trail ist leider ziemlich zugewachsen, aber noch gut sichtbar. Den knietiefen Fluss Vorotan muss ich queren. Etwa einen Kilometer weiter verschwindet der Trail komplett. Der Hang ist steil, es liegt überall loses Geröll und der komplette Boden ist mit Riesenbärenklau zugewachsen. Ich sehe nicht die Spur eines Weges, wie das zuvor noch der Fall war. Egal wo ich schaue, keine Chance. Ich fühle mich ziemlich verzweifelt und denke nach, was ich machen kann. Es soll einen Pfad hoch nach Spandaryan geben. Dies wird mein Plan B. Doch schon sehr bald stelle ich fest, dass auch dieser Weg gar nicht existiert. Die Verzweiflung kommt wieder. Was nun? In der Karte sehe ich einen anderen Weg, der etwas oberhalb anfangen soll. Vielleicht komme ich dorthin? Ich finde eine Trittspur, die vielversprechend aussieht. Sie führt jedoch in eine andere Richtung, nämlich in die des eigentlichen Trail nach Spandaryan! Demnach ist der Weg dorthin falsch eingezeichnet. Dies klappt nun und erschöpft komme ich in dem Dorf an. Dort gibt es eine Wasserquelle, wo ich mich kurz hinsetze.
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| Noch gibt es einen Pfad. Noch... |
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| Überall Riesenbärenklau und loses Geröll am Boden. Hier komme ich nicht weiter! |
Dann folge ich rund acht Kilometer einer breiten Straße bis ich in Angeghakot ankomme. Hier wollte ich eigentlich schon deutlich früher ankommen, denn es gibt hier einen guten Laden und ich habe fast nichts mehr zu essen. Der Shop ist gut sortiert und ich kaufe ein paar Sachen ein. Auch ein Eis gönne ich mir.
Um 18 Uhr geht es weiter. Es geht bergab in Richtung Angeghakot Reservoir. Ein Hirte treibt seine Kühe bergauf. Als ich in der Nähe von Damm rauskomme, bellt untergalb ein aggressiver Hund. Der gleiche Hirte kommt noch mal mit weiteren Kühen und es scheint ihn abzulenken. Dann bin ich endlich auf dem Trail entlang des Vorotan. Dieser ist einfach zu gehen. Nach 30 Minuten finde ich eine große Ebene, wo ich um 19 Uhr nach 37km mein Zelt aufstelle. Ohne den Umweg wären es etwa 5km weniger gewesen.
04.09.2026 Nearo in Sissian
Der Wind, der Am Abend noch geweht hatte, verschwand in der Nacht vollkommen und ich wache mit reichlich Kondenswasser auf. Bereits um Viertel nach sechs werde ich wach und kann nicht mehr schlafen. In der Ferne höre ich Stimmen und bin dadurch angeregt frühzeitig abzubauen. Vielleicht kommt der Hirte mit seinen Kühen. Doch als ich um 8:20 Uhr fertig bin, bin ich immer noch alleine.
Anfangs geht es gemütlich am Fluss entlang, dann folgt ein Anstieg um eine Hirtenhütte mit aggressiven Hunden zu umgehen. Der Umweg ist gut erkennbar, aber dort zugewachsen, wo Bäche runterkommen. Auch der Weg, wo man angeblich zurück zum Fluss kommt ist zu früh angesetzt.
Zweimal hintereinander muss der Vorotan gefurtet werden. Dann komme ich zu einem Parkplatz, wo es zur Touristenattraktion "Shaki Waterfalls" geht. In der Früh habe ich schönen die Wasserfälle ganz für h alleine. Das gefällt mir sehr.
Oberhalb davon folge ich einem Pfad, der mich zu einer Dirtroad führt. So verbinde ich die Wasserfälle mit dem Karahunj Loop. Da ich noch genügend Zeit bis zum Check-In habe und der normale Weg an der Straße entlangführt, nehme ich den Umweg in Kauf. Diese Gegend ist einsam und führt an Weizenfeldern entlang. Neben Dirtroads gibt es auch Pfads, die anfangs nicht immer sofort auch als solcher erkennbar sind. Das Highlight ist Zsorats Karer, das Stonehenge von Armenien. Auch dort bin ich alleine.
Danach ist es nicht mehr weit bis Sissian. Dort kaufe ich im Supermarkt reichlich ein und gehe dann weiter zur Unterkunft. Gegen Mittag komme ich an und darf sogar ohne Aufpreis meine Wäsche waschen.
05.09.2026 Canyon und Hot spring
Ich schlafe gut in dem Bett, aber mein Rücken ist immer noch steif. Selbst die mit einer Plastikflasche improvisierte Wärmeflasche hat nicht viel gebracht. Später als sonst komme ich los, erst um zwanzig vor neun. Dafür sind die ersten sieben Kilometer auf der Asphaltstraße sehr einfach. In Aghitu kaufe ich ein Eis und darf mit in den Laden setzen, um es zu verspeisen. Heute gibt es mal wieder Sonne satt.
Dann geht es bergab in die Schlucht vom Vorotan. Dort soll man eine Brücke, die zu einem Industriegebiet führt, auf gar keinen Fall überqueren. Ich gehe an dem Gebiet vorbei und es passiert nichts. 1.5km später jedoch ist der Weg von einem Steinrutsch zerstört worden und ich muss über die Felsen klettern. Oberhalb finden gerade Bauarbeiten statt und ich fühle mich dabei nicht ganz wohl.
Der Rest ist sehr angenehm zu gehen und zudem teilweise schattig. Es gibt sogar einen Picknick-Platz. Zum Schluss komme ich an einem Wasserkraftwerk vorbei. Hier hatte jemand berichtet, nicht durchgelassen worden zu sein. Ich kann zum Glück ungestört passieren und sehe auch niemanden.
Schon bald habe ich es zur Kirche Vorotnavank geschafft, die ich mir ansehe. Danach erreiche ich das Dorf Vaghatin. Es gibt hier mehrere öffentliche Wasserstellen. Der weitere Verlauf des Weges ist schön und führt leicht oberhalb vom Dorf entlang. Im Schatten eines Baumes mache ich eine Stunde lang Pause. Das tut gut.
Bis ich Vorotan erreiche, ist der Weg leider etwas zugewachsen, aber immerhin erkennbar. Das Highlight in diesem Dorf sind die Hot Springs. Dort bin ich nicht alleine, lasse es mir aber nicht nehmen, zu baden. Die Temperatur ist nicht wirklich heiß, aber angenehm. So kann ich ganz gut entspannen.
Um vier Uhr geht es weiter mit einem Anstieg. Ursprünglich hatte ich geplant, dort oben zu zelten, doch es ist noch etwas früh und so sehr sagt mir die Gegend auch nicht zu. Am Wegesrand sehe ich die ein oder andere illegale Müllkippe. Daher steige ich nach Shamp ab, obwohl der Pfad im Anschluss von den Höhenlinien her sehr abschüssig aussieht. Irgendwas werde ich schon finden, hoffe ich...
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| Ich bleibe nicht in Shamp, sondern gehe weiter, obwohl der Trail am Steilhang entlang führt. |
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| Werde ich in diesem Gelände einen Zeltplatz finden? |
Beinahe hätte ich den Einstieg verpasst, so unscheinbar ist er. Doch dann geht es ganz gut, auch wenn der Trail wie üblich recht zugewachsen ist. Nach einer Stunde sehe ich tatsächlich einen vielversprechenden Hang. Etwas oberhalb vom Wanderweg finde ich tatsächlich eine Stelle, die gerade so passt. Der Wind ist recht stark und nervt etwas.
06.09.2026 Tatev
Der Wind verschwindet in der Nacht sogar komplett. Zwar ist der Stellplatz nicht ganz eben, aber es schläft sich dort ganz passabel.
Am nächsten Morgen geht es um acht Uhr weiter mit der Wanderung. Der unscheinbare Pfad bleibt unscheinbar und zugewachsen. Aber dafür treffe ich keine Menschenseele und der Anstieg ist auch ganz angenehm sanft. Nach fast zwei Stunden finde ich die erste richtige Quelle und fülle die Flaschen auf.
Nun ist es nicht mehr weit bis nach Harzhis. Dort bin ich überrascht wie gut ausgestattet der kleine Supermarkt ist. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich in Sisian weniger Proviant kaufen müssen.
Am Vormittag steige ich auf einer Gravelroad hinab in den Canyon vom Vorotan. Auf halber Höhe befinden sich die Überreste vom alten Harzhis. Es gefällt mir durch die Ruinen zu streifen, von denen manche noch intakt sind. Auch eine Kirche gibt es dort. Im Schatten dieser mache ich eine längere Pause und lese etwas.
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| Es lohnt sich, die Ruinen des Dorfes zu erkunden. |
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| Grandiose Blicke garantiert |
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| So langsam gibt es mehr Bewuchs. |
Auf dem restlichen Abstieg bietet sich mir ein absolut grandioser Ausblick auf den Vorotan-Canyon. Spektakuläre Steilwände mit dichter Bewaldung auf der einen Seite und eine karge Grasteppe auf der anderen. Hinten in der Mitte gibt es sogar einen kleinen See.
Männer mit Metalldetektoren sind hier unterwegs. Suchen sie einen Schatz? Den Fluss überquere ich auf einer sehr hübschen geschwungenen Steinbrücke. Dann folgt der lange Anstieg, diesmal angenehmerweise auf einem guten Wanderweg durch einen dichten Eichenwald. Zwischendurch tröpfelt es ein klein wenig, aber davon wird nicht mal der Boden richtig nass.
Den kurzen Abstieg bis nach Tatev, ein Dorf mit guter touristischer Infrastruktur habe ich schnell geschafft und komme um kurz nach vier in dem Guesthouse an, welches ich bei booking.com gebucht habe. Dort werde ich freundlich empfangen und stelle mich zuerst unter die Dusche. Sauber fühle ich mich gleich wohler und mache mich noch auf den Weg um das örtliche Kloster anzusehen. Das lohnt sich durchaus, ebenso der Stop in einem der Restaurants.

































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