Sonntag, 24. August 2025

Sentiero della Pace Dolomiten

Sentiero della Pace 


Durchquerung der Dolomiten


19.08.2025 Wegänderungen und eine Flucht 

Da es in Panveggio keine Möglichkeit der Einkehr gab, zog ich weiter. Ich folgte einem Weg bergauf, der alsbald zur Ex Malga Juribrutto führen sollte. Ich wunderte mich schon, als ich einen tief eingeschnittenen Bach ohne Brücke überqueren musste. Ich kletterte auf die andere Seite, wo sich eine Forststraße befand. 

Auf der anderen Seite fehlt der Weg


Doch dieses war nicht mein Weg, der sollte eigentlich links abgehen. Eigentlich. Es war aber kein anderer Weg vorhanden. Deshalb kehrte ich um und beschloss, stattdessen der Beschilderung zum Lago Bocche zu folgen. Auf der Karte suchte ich den kürzesten Weg zur Forcella Juribrutto, wo ich zurück auf dem geplanten Weg wäre. Demnach folgte ich der Beschilderung zum Cimon de Boce. Auf dem Weg dahin kam ich an einem süßen Mini-Biwak für eine Person an: Bivacco Val Miniera. Doch es war für mich noch zu früh. 


Bivacco Val Miniera

Obwohl der Weg über einen 2550m hohen Pass führte, war der Trail vergleichsweise einfach. Überrascht war ich, als dieser Weg dann auf den Schildern auch noch als SdP markiert war. Das stand nicht so im Wanderführer. 

Wegweiser Sentiero della Pace

Ausblick vom Pass

Blick auf den Lago Juribrutto



An der Forcella Juribrutta gibt es eine überdachte Bank. Wären die vorhergesagten Regenschauer eingetreten, wäre dies ein guter Schutz. Doch stattdessen schien die Sonne. Umso besser, wie ich finde!

Wanderweg zwischen den Steinen

Hier führt ein schmaler Pfad am Hang entlang

Col de la Palue


Bergab gab es ausnahmsweise mal einen Weg zwischen die Felsen hindurch, anstatt darüber. Am Hang unterhalb des Cima Juribrutto wanderte ich zum Col de le Palue. Hier hätte man toll zelten können, doch ich hatte zu wenig Wasser im Rucksack. Daher stieg ich noch weiter ab, füllte mir Wasser am Bach ab und suchte anschließend nach einem Zeltplatz. Es waren zwar Kühe in der Nähe, ich hoffte jedoch diese würden auf der anderen Seite des Bachs bleiben. 

Dort wurde ich von Kühen umringt



Ich täuschte mich. Während es regnete und gewitterte, telefonierte ich gerade mit meinem Mann. Dann hörte ich ein Schnauben, schaute raus und fand sechs Kühe direkt neben meinem Zelt. Sie wichen keinen Schritt zur Seite, als ich rauskam. Eine war sogar dabei mein Zelt zu beschnüffeln. Es schien, als signalisierten sie mir, dies sei ihr Nachtlager. Ich bekam Angst. Dann packte ich all mein Zeug in den Rucksack und baute eilig das Zelt ab. Ich ergriff die Flucht. Nicht mal meine Schuhe hatte ich gebunden. In der Dämmerung bei Regen eilte ich weiter nach unten und schlug mich links ins Gelände. Dort fand ich eine flache Stelle, zwar mit Kufladen, was besseres fand ich bei der Dunkelheit nicht. Flink hatte ich mein Zelt erneut errichtet. Hoffentlich diesmal kein Kuhbesuch!


20.08.2025 Trailmagic am Regentag

Ich hatte Glück! Die Kühe ließen sich nicht blicken und ich konnte auf dem etwas buckligem Untergrund sogar ganz gut schlafen. 

Passo San Pellegrino im Regen

Direkt nachdem ich das Zelt abgebaut hatte, fing es an zu regnen. Nach rund 30 Minuten kam ich am Passo San Pellegrino an. Dort sah ich eine "Bar Ristorante Pizzeria" mit "Aperto"-Schild. Doch entgegen des Schildes war sie geschlossen. Aber ich fand auf der Fensterbank einen Pizzakarton mit einer kalten Pizza. Komplett und sogar vegetarisch! Ich konnte mein Glück kaum fassen und packte die Pizza in zwei Tüten. Ein Stück aß ich sofort.

Pizza als Trail Magic

Wandern im Regen
Ausblick vom Passo Selle



Dann machte ich mich im strömenden Regen auf den Weg zum Rifugio Selle. Schnell war ich trotz Regenkleidung nass. Irgendwie war meine Regenhose undicht und auch vorne leckte die Jacke. Als ich oben ankam, ließ der Regen langsam nach, beim Abstieg zum Rifugio Taramelli hörte er sogar ganz auf. 

Richtung Rifugio Taramelli kommt man wieder in den Wald


Im Rifugio trank ich einen Cappuccino und wärmte mich innen auf. Der Hüttenhund bekam reichlich Streicheleinheiten. Fürs Mittagessen war ich noch zu früh. Also weiter.

Kühe liegen auf dem Weg

Forcella Pief


Ohne Regen stieg ich zur Forcella Pief auf und wieder ab bis zur Baita Cascate. Dort kann man einkehren. Mit einem Anruf reservierte ich einen Platz im Rifugio Contrin.

Bis dahin musste ich noch den 2499 Bergsattel Pas Pasche erklimmen. Währenddessen fing es erneut an zu regnen. Zum Glück war der Weg nicht allzu schwierig. 

Aussicht vom Pas Pasche

Beim Abstieg beeilte ich mich, um möglichst schnell zum Rifugio und somit ins trockene zu kommen. Das gelang mir nicht, inzwischen prasselte es was das Zeug hielt. Durchnässt kam ich im Rifugio an. Mir wurde mitgeteilt, mein Bett befände sich im anderen Gebäude. Also hieß es nochmal raus in den Regen. Ich belegte mein Bett und brachte all mein nasses Zeug inkl. dem Zelt in den Trockenraum. Duschen konnte ich erst, als mein Handtuch getrocknet war. Nach und nach holte ich meine Sachen zurück. 

Abendessen

Zu Abend aß ich A la Carte. Erst am späteren Abend kamen die Mitbewohnerinnen - es stellte sich heraus, dass es sich um zwei deutsche Freundinnen handelt, welche die "Alta Via 2" gehen. Es waren für mich die ersten deutschen Wanderer seit langem. Wir sprachen über die Wettervorhersage für den nächsten Tag: Dauerregen. Sie wollten zum Passo San Pellegrino und planten nun einen Teil mit dem Bus zu überspringen. Es ratterte in mir.


21.08.2025 Regen-Nearo



Am Rand der Forststraße blühten viele Enziane


Da es in der Früh trocken war, packte ich schnell mein Hab & Gut in den Rucksack und machte mich an den Abstieg nach Penia. In dem kleinen Dorf gibt es einen "Alimentari" Supermarkt, der zwar eine begrenzte Auswahl hat, aber für einen Full Resupply reichte. Nach dem Einkauf fing es an zu regnen. Der Wetterbericht prophezeite 22 Liter Niederschlag. An der Hauptstraße kam ich an der Bushaltestelle vorbei. Der Bus zum Fedaia-Pass sollte in 10 Minuten kommen. Ich lief weiter und drehte nach zwei Minuten um. Warum im Regen zwei Stunden den Pass hochlatschen, wenn man auch mit dem Bus fahren kann?! Schließlich ist dies kein Thruhike und ich muss ohnehin niemandem etwas beweisen. 

Lago Fedaia im Nebel

Im Bus war ich der einzige Fahrgast. Am See stieg ich aus und steuerte erst mal die Bar an. Ich kaufte ein Eis und suchte mein Kleingeld zusammen. Es dauerte etwas, die Bardame lächelte mich an und tätschelte meine Schulter. Eine nette Geste, die mich aufmunterte. 

Als der Regen nachließ, nahm ich den Anstieg zum Rifugio Padon. Erst sehr steil und dann angenehm flach. Ein bisschen konnte ich sogar den Marmolata-Gletscher sehen. 


Zwischendurch gab es doch mal einen Ausblick



Im Rifugio, welches nur tagsüber geöffnet ist, trank ich einen Cappuccino. Es regnete schon wieder. Ich wartete die nächste Regenpause ab und stieg dann zum Bivacco Bontadini auf.

Kanone aus dem 1. Weltkrieg

Das Bivacco Bontadini


Das Bivacco ist in einem schlechten Zustand: vorne ist der Boden an einer Stelle durchgebrochen und an der rechten Seite regnet es rein. Theoretisch könnte ich es schaffen nach Pieve abzusteigen. Ich suchte nach Unterkünften. Bei Booking fand ich nichts, bei google Maps immerhin drei. Alle waren schweineteuer (mindestens 80€) und verlangten einen Aufenthalt von mehreren Nächten. Ich entschied im Bivacco zu bleiben. Eine Stunde später kübelte es wie aus Eimern. 

Am späten Nachmittag klarte es für rund 30 Minuten auf und die wunderschöne Umgebung war erkennbar. Ich blieb alleine und konnte gut schlafen. 


Marmolata Gletscher



22.08.2025 Col di Lana

Es war kühl in den frühen Morgenstunden. Mit Pullover und Jacke lief ich los. Ein eiskalter Wind erinnerte mich daran, schnell abzusteigen. Unten ist es bekanntlich wärmer. Es ging über ein Skigebiet bergab nach Pieve, ein selbst im Sommer schönes allerdings. Nicht immer war der Pfad gut erkennbar, weiter unten wurde der Weg breiter. 


Matschige Straße


Forstarbeiten hatten einen Teil der Forststraße in eine Hölle aus Matsch verwandelt. Und das obwohl das Schild mit dem Hinweis auf die Forstarbeiten an der anderen Abzweigung angebracht war.

Bevor ich die Straße und die Ortschaft Pieve erreichte, begann bereits der erste Teil vom Aufstieg. Meine Waden brannten.

Pieve

Ich hatte schlecht geplant, in Pieve gibt es entgegen meiner Planung einen Coop-Supermarkt. Und dieser hat ein besseres Warenangebot als der Minimarkt in Penia. Ein wenig ärgerte ich mich. Im Coop kaufte ich ein paar Leckereien (Joghurt, Aprikose und Kinder Bueno) für den direkten Verzehr. 


Dann begann der supersteile Aufstieg zum Col di Lana, einem geschichtlich sehr interessanten Berg. Der Aufstieg ist ausgeschildert und nicht wirklich schwer. Nur halt extrem steil. Im oberen Bereich begegneten mir einige Tageswanderer. Dort oben gibt es sogar ein tolles Bivacco, welches bereits besetzt war. Daher machte ich draußen eine Pause, obwohl es kühl und windig war. 

Ausblick vom Col di Lana

Kapelle am Col di Lana



Der Trail zum Monte Sief ist deutlich schwieriger. An vielen Stellen ist er seilversichert, es gibt sogar eine leichte Kletterstelle. Hier gibt es sehr gut erhaltene Stellungen zu sehen.

Versicherte Kletterstelle auf dem Weg zum Sief

Erstaunlich gut erhaltene Stellungen

Den Abstieg kann man zum Großteil durch einen langen Schützengraben bewältigen. Spannend, dass dieser noch so gut erhalten ist, obwohl er vor 110 Jahren erbaut wurde.

Abstieg durch einen Schützengraben


Bald kam ich an einem weiteren Bivacco vorbei. Sauber, aber spartanisch ausgestattet. Es war erst 16 Uhr und somit noch viel zu früh. Beim Abstieg zum Rifugio Valparola über einen tollen Höhenweg war ich alles andere als alleine. Einige Urlauber waren hier mit ihren Hunden unterwegs. 


Nahe vom Rifugio Valparola gibt es ein Museum zum 1. Weltkrieg, aber dies hatte nur bis 16:30 Uhr geöffnet. Daher konnte ich es nicht besichtigen. 

Das Museum hatte leider bereits geschlossen.

Schützengräben aus dem 1. Weltkrieg


Ich folgte einem Trail parallel zur Straße, wo ebenfalls gut erhaltene Schützengräben zu sehen sind. Einen Abstieg zum Falzarego-Pass sparte ich mir. Beim Aufstieg zur Scharte unterhalb vom Cima Falzarego kamen mir sehr viele Wanderer mit Klettersteig-Ausrüstung entgegen. 

Ausblick vom Falzarego-Pass

Die Fernsicht dort oben ist gigantisch! Etwas unterhalb versprach ich mir gute Möglichkeiten zum Zelten. Während ich überlegte, ab wann ich aufbauen kann, sah ich zwei Hilleberg-Tunnel. Ich winkte den Besitzern zu und ging noch etwas weiter. Auf einer grünen Wiese sah ich eine tolle Stelle und legte den Rucksack ab. Bei der weiteren Erkundung der Gegend entdeckte ich weiter oben eine noch bessere Option und bevorzugte diese. Top Aussicht und dabei gut versteckt. Wahrscheinlich der optisch schönste Zeltplatz dieser Tour.

Der wohl schönste Zeltplatz der Tour




23.08.2025 Naturpark Fannes Sennes Prags

In der Nacht regnete es entgegen der Vorhersage kräftig. Aus der Ferne waren Blitze erkennbar. Zum Glück kam das Gewitter aber nicht zu mir, es blieb beim Regen. Ansonsten war die Nacht ganz angenehm und weniger kalt als erwartet.

Direkt am Anfang nahm ich den falschen Abzweig (links statt rechts), blieb aber bewusst auf dem "falschen" Weg, da dieser mich näher zu den roten Berghängen führt, die ich schon vom Zeltplatz aus gesehen hatte. Dieses für die Alpen ungewöhnliche Farbspiel zog mich total in den Bann und erinnerte mich auch an Peru. 


Rote Berge in den Dolomiten

Der "falsche" Weg führte ganz automatisch zurück auf den "richtigen" Weg. Ab da sollte ich dem Tal des "Rio Travenanzes" folgen. Hier war der Trail stellenweise weggespült worden, sodass ich im steinigen Bachbett wandern und mehrfach den Bach furten musste. Hier zeigten sich die Goretex Trailrunner von ihrer guten Seite. 

Wegloses wandern im Tal


Ewig lang ging es durch das wilde und einsame Tal bergab bis er in eine Forststraße mündete. Ab hier waren Herrscharen von Ausflüglern unterwegs. Kein Wunder, der kleine Bach verwandelt sich dort in den "Rio di Fanes", der einen tief eingeschnittenen Canyon hat entstehen lassen. 

Ein Canyon in den Dolomiten

Der Wanderweg zur Malga Ra Stua


Zur Malga Ra Stua folgte ich dem ausgeschilderten Fußweg. Eigentlich hatte ich vor dort einzukehren, es war allerdings dermaßen voll, dass ich nur drinnen einen ganz kleinen Tisch bekam, aber nicht bedient wurde. Es war auch ziemlich laut und so entschied ich mich, wieder zu gehen und stattdessen draußen ein paar Snacks zu essen.



Nach einem weiteren Kilometer auf einer Forststraße folgte ich der Beschilderung zur Seekofelhütte. In Serpentinen ging es steil durch den Nadelwald nach oben. Nachdem der erste Teil vom Anstieg geschafft war, folgte ein toller Pfad durch eine grasige Hochebene. Darauf folgte alsbald der malerische "Lago Gran de Foses", welcher mir mit seiner weiten und grünen Hochebene sehr gut gefiel. 

Lago di Gran Foses

Die dunklen Wolken wirken bedrohlich


Der letzte Anstieg zur Seekofelhütte war nicht mehr lang. Dort wollte ich eigentlich für die Zeltplatzsuche Wasser auffüllen, fand aber keine Quelle und auch keinen Wasserhahn im WC. Ich ging davon aus, bestimmt bald einen kleinen Bach zu finden. Dies war ein Fehler, ich hätte mir in der Hütte Wasser kaufen sollen. 

Gutes Gelände für ein Biwak

Auf dem Weg zur Seitenbachscharte kam ich an duzenden tollen Zeltplätzen vorbei, musste aber weitergehen, da es dort weit und breit kein Wasser gab. 

Da gehts runter

Steil und unangenehm

Ich stieg ab und hofft im Abstieg einen Zeltplatz zu finden, wo die Höhenlinien nicht mehr so eng zusammen sind. Der erste Teil vom Abstieg war unschön, da er über loses Geröll führte, dass ab und zu unter meinem Fuß wegrutschte. Im Latschengürtel konnte ich zwar an einem Bach Wasser abfüllen, aber es gab keinerlei Möglichkeit ein Zelt aufzustellen. Das Gelände war durchgängig sehr steil und zudem dicht bewachsen. Erst als ich mich der Grünwaldalm näherte, gab es einen relativ ebenen Wald. Zwar war der innerhalb der Einzäunung für die Kühe, ich hoffte aber darauf, diese würden die Nacht nicht im Wald verbringen wollen. Es war nämlich die einzige Option zu zelten. 


24.08.2025 Ende am Touri-Hotspot Pragser Wildsee

Ich blieb von Kühen verschont und konnte wunderbar erholsam schlafen. Ausnahmsweise regnete es auch mal nicht. 

Am nächsten Tag war es nicht mehr weit bis zum berühmten Pragser Wildsee. Und was sah ich dort? Ein Zelt. Kann ja wohl nicht wahr sein. Genau da wo ich es vermeiden würde (Touri-Hotspots) sehe ich zwei Frauen mit Zelt. Naja es war noch früh und der See lag noch im Schatten der Berge. Trotzdem waren schon einige Spaziergänger unterwegs. Ich reihte mich ein und umrundete den klaren Bergsee auf dem Fußweg. Auf einer Bank frühstückte ich.

Der Pragser Wildsee liegt noch im Schatten


Der Pragser Wildsee ist wirklich wunderschön und mit dem PKW erreichbar - kein Wunder, dass er dermaßen beliebt ist. Da er so beliebt ist, muss man das Busticket online kaufen, sonst darf man nicht mitfahren. In den "normalen" Bussen in Südtirol kann man hingegen bar zahlen. Auch der Fahrpreis ist hier mit 7€ höher als woanders. 


GPX-Tracks: 

Den Teil von Panveggio bis nach Penia findet ihr im vorherigen Blogpost.

Donnerstag, 21. August 2025

Sentiero della Pace und Lagorai Höhenweg

Sentiero della Pace


Flimstaler Alpen und Lagorai Höhenweg


15.08.2025 Transfer-Tag

Etwas mehr als 90 Minuten saß ich im Bus bis ich in Trento ankam. Ich wollte mir bei der tollen Eisdiele noch zwei Kugeln zum mitnehmen holen, stellte aber fest, sie hatte geschlossen. Stattdessen gab es ein Magnum. Die Weiterfahrt nach Levico Terme dauerte etwa eine Stunde. Es hatte 31° C und mir stand ein Anstieg von 1400hm bevor. Na prima! Ich wollte ohnehin noch vorher mit Arno telefonieren und mein Handy laden - also kehrte ich ein. Die zwei Eisdielen, die ich rausgesucht hatte, waren ebenfalls zu. Daher ging ich in eine Bar und bestellte einen Smoothie. Dieser wurde zu meiner Begeisterung eiskalt serviert. Während des Telefonats löffelte ich den Smoothie und entspannte mich dabei. 

Dann ging es los. Zunächst tunkte ich mein T-Shirt, meinen Hut und meine Haare ins eiskalte Wasser. Das tat sooo gut! Erst dann ging ich wirklich los. Der Pfad war steil, schmal und führte durch dichten Laubwald. Vieles erinnerte mich an Ligurien. Auch der Geruch des Waldes. 

Uriger Waldpfad

Die Bäume werden weniger


Ich war noch nicht oben als sich der Himmel verdunkelte. Auf dem Boden sitzend mampfte ich die Käseflips, die zu viel Platz im Rucksack wegnahmen. Dann fing es an zu regnen. Ich ging weiter, stellte den Rucksack unter einen Baum und "duschte" im Regen. Es war erfrischend, aber dann stellte ich mich doch lieber unter. Es prasselte so richtig runter. Etwa 30 Minuten ging ich weiter, auch wenn es immer noch leicht regnete. Nun war es nicht mehr weit bis Vetriolo Terme. Ich verzichtete auf einen Stop im Thermalort und wanderte direkt weiter. Eine Forststraße führte durch ein ehemaliges Waldgebiet, welches nun fast baumlos daherkommt. 2018 gab es dort einen derart verheerenden Sturm, welcher fast alle Bäume entwurzelt hat. 

Oben wachsen nur noch wenige Bäume

Die letzten Meter zum Pass Bassa

Das einzig nervige war, dass es immer noch bergauf ging. Ich marschierte an der Malga Masi vorbei und nahm den unscheinbaren Pfad hoch zum Pass Bassa. Der Pass ist zwar flach und breit, aber hier findet Weidetierhaltung statt. Daher nicht ideal zum zelten. Ein Wanderweg führte mich zu meinem Tagesziel: einer einfachen Biwakhütte. Sie war tatsächlich offen und noch unbewohnt. Auf der Holzpritsche breitete ich meine Sachen aus und genoss den Abend draußen. 

Übernachtung im Bivacco



16.08.2025 Einkaufs-Tag

Obwohl ich zeitig um acht Uhr losging, liefen kurz vorher zahlreiche Trailrunner an der Hütte vorbei. Auf "meinem" Weg ging es dagegen ruhig zu. Heute standen bis Campestrini nur einfache Wege und Straßen bevor. Die 20km bis Campestrini bzw. dem Supermarkt im Nachbardorf Torcegno waren eigentlich schnell zu gehen, aber ich musste ja noch einkaufen. Der Dorfladen hat aber von 12 bis 16 Uhr Mittagspause, daher konnte ich mir Zeit lassen und legte zahlreiche Pausen ein. Die schönste war an einer runden Viehtränke, die ich als Badewanne nutzte. So fühlte ich mich zumindest kurzfristig sauberer. 

Die Landschaft war heute von Wäldern und Wiesen mit Heiden geprägt. Weitsichten gab es wenige. 


Weideland

Eine Badewanne am Wegesrand :) 

Ich sitze einen Gewitterschauer unter Bäumen geschützt aus


Trotz der Bummelei kam ich eine Stunde zu früh in Torcegno an. Eine Bar konnte ich zumindest in der Nähe vom Supermarkt nicht finden, stattdessen fand ich eine Kirche. Dort lud ich mein Handy auf und wollte eigentlich ein paar Münzen spenden. Es gab dazu aber keine Gelegenheit. 

Die Kirche von Torcegno ist typisch italienisch schön


Der Coop-Supermarkt war zwar klein, bot aber alles, was ich benötigte. Jedoch machte ich beim zählen des Inhalts der Kekse einen Fehler und kaufte zuviel. Da ich das nicht alles tragen wollte, ließ ich einen Teil auf der Bank vor dem Supermarkt stehen. Irgendwer freut sich hoffentlich drüber! 3kg Lebensmittel habe ich nun für 5 Tage dabei. 


Selbstverständlich ging es auch diesmal nach dem Einkauf 700hm steil hoch. Mein Wasser war knapp, da ich in Campestrini auffüllen wollte, es aber im entsprechenden Moment vergessen hatte. In der Mitte des Anstiegs kam ich an einem Haus vorbei, bei dem ich im Garten Wasser zapfen konnte. 

Bevor ich einen Zeltplatz suchen konnte, musste ich noch den Weiler Musiera auf Asphalt durchqueren. Erst dann kam ich wieder in ein Waldgebiet. Dort füllte ich am Bach erneut das Wasser auf und suchte mir dann ein verstecktes Plätzchen im Wald. Zwischen den Bäumen wurde es rasch dunkel. 

Zeltplatz im Fichtenwald

Eine Blase am Zeh will noch behandelt werden


17.08.2025 Trans-Lagorai Tag 1

Als es dunkel wurde, hörte ich die Rufe eines Uhus. Mit dieser idyllischen Soundkulisse schlief ich so gut wie schon lange nicht mehr. 

Die ersten Stunden des Tages waren unspektakulär. Ich folgte der Forststraße nach Ponte Salton, kam an einem Camp der Pfadfinder vorbei und folgte überwiegend einer Straße bergauf bis zum Hotel Lagorai. Auf dem Weg dahin hielt ein Auto an und bot mir eine Mitfahrgelegenheit an, doch dies ließ meine Ehre nicht zu. Aber es war sehr nett!

Aufstieg auf Schotter und Asphalt


Hinter dem Hotel sollte der Wanderweg zum Einstieg in die Trans-Lagorai sein. Dort war eine Notiz angebracht mit der Info, der Weg 362 sei aufgrund von Forstarbeiten bis zum 30.09. gesperrt. Eine Gruppe Italiener war hinter mir und ließ sie vor. Sie blieben kurz stehen und gingen in den gesperrten Weg hinein. Mit einem von ihnen kam ich ins Gespräch. Der Mann meinte, am Sonntag werde dort ohnehin nicht gearbeitet. Da sie langsamer waren, überholte ich bald. Es kamen mir weitere Personen entgegen. Auch ein Radfahrer, der mich wiedererkannte. Es war der Autofahrer, welcher mich mitnehmen wollte! Der Wanderweg war übrigens in perfektem Zustand. Nur bei der Querung einer Forststraße sah ich eine Arbeitsmaschine stehen. 

Wegsperrung aufgrund von Forstarbeiten

Almlandschaft

Viele Höhenmeter ging es bergauf. Vorbei an einer Alm mit neugierigen Kühen und hoch bis zum Lago Montalon. Hin und wieder hatte ich andere Wanderer getroffen, doch dort sah ich gleich 20 Personen. Man merkte echt, dass es ein Feiertagswochenende. Ich folgte zwei Familien, die in die gleiche Richtung wanderten. Die Aussicht war toll, der Weg war oft felsig. Es gab viel Blockwerk zu meistern, aber nie wirklich schwierig. 

Am Lago Montalon

Der Trail wechselt zwischen einfachen Pfaden und Blockgestein

Lago delle Stellune

Murmeltiere sind immer wieder zu sehen

Später schlug ich eine andere Richtung ein und querte oberhalb vom Lago delle Stellune zum nächsten Pass. Oben sah ich dunkle Wolken kommen. Die ersten Tropfen fielen vom Himmel. In 100m Entfernung bergauf konnte ich einen Felsvorsprung erspähen. Gerade rechtzeitig als es anfing zu hageln, kauerte ich mich unter den Felsvorsprung. So blieb ich trocken. 

Hier kauere ich mich unter den Fels

Als der Regen nachließ, ging ich weiter. Ein Schild wies darauf hin, der Weg sei nur für Experten. Er führte am Steilhang entlang und auch wieder über Blockwerk, aber schwierig war er zum Glück nicht. Ein Paar kam mir entgegen, dies sollte die letzte Begegnung des Tages werden. Es hörte auf zu regnen und bald schien wieder die Sonne. In der Ferne hörte ich Donnergrollen, der Wind kam aber aus der anderen Richtung. 

Schöner Pfad am Hang entlang

Schwindelfreiheit ist von Vorteil

Eine von vielen Schwartenübergängen im Lagorai-Gebirge

Ein weiterer Bergsee

Dort geht es hoch

Üppige Blumenpracht im kargen Hochgebirge

Stein und Fels so weit das Auge reicht

Der 1. Weltkrieg hat auch hier seine Spuren hinterlassen

Doch ich war noch nicht am Ziel! Drei weitere Pässe hatte ich noch zu bewältigen. Es gab die ein oder andere Seilversicherung und sehr viel Blockwerk. Gut, dass das Gewitter weggezogen ist! Schnell kam ich nicht vorwärts, aber um 18:45 Uhr erreichte ich den kleinen "Laghetto Pieroni", wo ich sogar eine Zeltstelle mit bereits plattem Gras vorfand. Schnell noch das Zelt aufbauen, sich kurz im kalten Wasser erfrischen und dann konnte ich den Rest des Abends entspannen. 

Idyllischer Zeltplatz am Leghetto Pieroni

Abendstimmung im Lagorai-Gebirge


18.08.2025 Trans-Lagorai Tag 2

Die Nacht war kalt und nass. Es regnete zwar nicht, aber es bildete sich so viel Kondenswasser am Zelt, dass es klatschnass war. Es gibt Leute, die behaupten, man müsse DCF nur abwischen und könne das Zelt dann trocken einpacken. Das ist Quatsch! An manchen Stellen war der Tau am Gras gefroren. Doch gut, dass ich den wärmeren Quilt eingepackt habe.

Militärruinen

110 Jahre alte Kriegsrelikte liegen einfach so am Wegesrand

Nach 10 Minuten Wegstrecke wechselte ich auf die Sonnenseite und prompt wurde es warm. Der Trail war nun etwas einfacher als am Vortag. Stellenweise konnte ich alten Militärsteigen folgen, was an den Ruinen und Höhlen erkennbar ist. Aber es gab auch einige Kraxelpassagen mit Seilsicherungen. Nach 90 Minuten kam ich am Bivacco Nada Teatin an, welches eher eine Höhle mit Tür darstellte.

Das Bivacco Nada Teatin ist zwar einfach, bietet aber doch auch eine Art von Gemütlichkeit.

Hier sollte man Schwindelfrei sein

Blockgestein gibt es immer wieder

Ab dem Beginn des breiten Weges im Tal waren viel mehr Menschen unterwegs. An der offene  Schutzhütte "Baito del Marino" trocknete ich mein nasses Zelt in der Sonne. 

Baito del Marino

Beim Rifugio Cauriol kehrte ich wie geplant ein. Deshalb hatte ich etwas weniger Proviant eingepackt, als ich das üblicherweise tun würde. Da draußen alle Tische belegt waren, aß ich drinnen eine Portion Gnocci aus Polenta mit Gorgonzolasoße. Es war lecker. 

Mittagessen am Rifugio Cauriol

Der erste Teil vom Anstieg ist geschafft

Anschließend erwartete mich ein steiler Anstieg zum Pass beim Bivacco Condoleo. Den Abzweig zum Bivacco ließ ich aus, da ich dort ohnehin nicht übernachten wollte. Ein Paar begegnete mir, die auf dem Weg dahin waren. Ich stattdessen peilte das Bivacco Paolo e Nicola an. Dies war das realistische Ziel für heute, auch wenn ich es gerne noch zum Bivacco Aldo Moro schaffen würde. 

Auch an dem See unterhalb vom Bivacco Condoleo kann man zelten

Badepause am Lago Brutto

Im Wasser leben Fische und Kaulquappen

Vorher legte ich eine Badepause am Lago Brutto ein. Dort war ich ganz alleine und genoss die wärmende Sonne. Zum zelten hingegen würde sich der niedrigere See besser eignen. Dort habe ich schöne Plätze fürs Zelt gesehen. 

Nach der Pause ging es sehr steil hinauf bis zur Forcella Moregna. Schwierig war der Pfad aber nicht. Auf dem Weg runter überholte ich ein Paar mit größeren Rucksäcken. Dann kam ich beim Bivacco Paolo e Nicola an, wo ich draußen drei junge Männer beim holzhacken sah. "Gut, dann sind wir wohl zu sechst", dachte ich mir. Doch die Männer berichten, es wären bereits 20 Personen da. Eine große Gruppe übernachtet nämlich dort. Das Bivacco bietet eigentlich nur neun Schlafplätze. Dann kam das Paar, welches ich kurz vorher überholt hatte. Da sie kein Zelt dabei hatten, mussten sie wohl oder übel dort bleiben. Dann kamen weitere zwei Personen, sahen die große Gruppe und gingen weiter. Sie wollten ein tiefer gelegenes Bivacco aufsuchen. 

Unterwegs komme ich an einer moorigen Hochebene vorbei

Auch ich entschied mich dazu, weiterzugehen. Zunächst überlegte ich, ob ich das gleiche Bivacco ansteuern sollte. Es liegt aber nicht auf meiner Route, daher entschied ich mich dagegen. Ohnehin hatte ich mich spontan für eine andere Route entschieden. Eigentlich wollte ich am nächsten Tag zum Bivacco Aldo Moro gehen, doch die Etappe mit nur sechs Kilometern ist mit fünf Stunden angegeben. Es soll über zahlreiche Passagen mit Klettersteig-Charakter gehen. Jedoch soll der morgigen Tag regnerisch werden. 

Also folgte ich dem gut markierten aber weniger ausgetretenen Pfad unterhalb. Auf einer Anhöhe stellte ich mein Zelt auf hohes Gras mit leicht buckligem Untergrund. Es war nebelig, daher hatte ich keine Sicht. 

Das Bivacco war schon voll, daher zeltete ich stattdessen im
Nebel



19.08.2025 Trans-Lagorai Tag 3

Trotz des etwas buckligem Untergrunds schlief ich ganz gut. Indem ich etwas nach unten rutschte, waren die Buckel an den passenden Stellen. Am nächsten Morgen waren die Wolken zumindest teilweise aufgestiegen. Ein Anblick, der mir eigentlich ganz gut gefiel. Ich meinte in der Ferne zwei Zelte gesehen zu haben. Ob das die beiden vom Vortag sind?

Morgenstimmung im Lagorai-Gebirge

Der Weg ist kaum ausgetreten


Auf dem Weg zur Forcella Miesnotta ging es zunächst hinab zu einer malerischen Hochebene, wo der Naturpark Panveggio begann. Bis zum Pass war es ziemlich einfach, der Weg führte über Bergwiesen hoch. Dort oben standen tatsächlich zwei Zelte, es waren allerdings zwei Männer. 

Im Naturpark Panveggio

Der nächste Pass war die Forcella Valcigolera. Dort legte ich eine kurze Pause ein um das Zelt zu trocknen. Die Sonne war immerhin teilweise zum Vorschein gekommen. 

Ich treffe gleich zwei große Gruppen

Von dort war es nicht mehr weit zurück auf den Hauptweg der Trans-Lagorai. An der Forcella Ceremana traf ich auf eine große geführte Gruppe. Inzwischen war auch die Sonne rausgekommen. Zehn Minuten später traf ich einen Einheimischen, der fragte, ob ich die Trans-Lagorai gegangen sei. Ich fragte ihn ob es am Passo Rolle ein Restaurant gibt. Er meinte, es gäbe sogar zwei oder drei. Dann stieg ich schnellen Schrittes ab und folgte den Schildern des SdP nach Panveggio an der Passo-Rolle-Straße. 

Anfangs noch ist der Weg nach Panveggio schön, dann geht er in eine langweilige Forststraße über

Unterwegs dämmerte mir, dass Passo Rolle und Panveggio wohl nicht das gleiche sind. Ich hoffte, dort trotzdem ein Restaurant vorzufinden. Der Pfad dahin fing schön an und führte nach der Hälfte über eine Forststraße durch einen kaputten Wald. Leider gab es in Panveggio weder ein Restaurant noch eine Bar. Aber immerhin ein öffentliches WC. 


GPX-Track: Levico Terme bis Penia mit Lagorai Höhenweg

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